Kernobst

Ob aktuelle Entwicklungen im Apfelkonsum oder bahnbrechende Forschungsergebnisse bei Birnen: Wir liefern Ihnen Fakten und Trends für die Saison 2026/27. Denn wer im Kernobst-Geschäft die Übersicht behalten will, braucht verlässliche Zahlen und Einordnung. In diesem Themenspecial bündeln wir aktuelle News rund um alles, was die Kategorien Apfel und Birne betrifft. Wir berichten über die Ernteergebnisse als Rückblick auf die Prognosfruit genauso wie über Handelsströme, Marketingideen und Konsumtrends. Auch technologische Entwicklungen, wie sie auf der Interpoma in Bozen diskutiert werden, sollen auf dieser Sonderseite nicht fehlen. 

Verschiedene Sorten Äpfel
© Stefan Zeitz

Neue Kernobst-Kampagne unter angespannten Vorzeichen

Für die Saison 2026/27 wird in Europa eine Apfelernte von 9.496.000 t erwartet. Das sind -15,62 % zur Vorjahreskampagne und stellt die zweitkleinste Ernte seit 2017 dar.

Weitere Fakten zur aktuellen Ernte in aller Kürze:

  • In Deutschland gehen die Prognosen von insg. 1.013.000 t Äpfeln aus, was -10,94 % zum Vorjahr darstellt.
  • Bei allen Sorten sind Rückgänge zu verzeichnen. Positive Entwicklungen werden bei Fuji (+0,58 %) und Morgenduft (+13,56 %) erwartet sowie bei neuen Varietäten, die meist als Clubsorte gehandelt werden (+9,42 %).
  • Aufgrund hoher Restlagerbestände (Stand Juli 2026: 666.000 t Äpfel) wird von einer angespannten ersten Saisonhälfte ausgegangen. 

Bio-Äpfel: Geringere Verfügbarkeiten in einem wachsenden Markt

Für die Saison 2026/27 wird eine europäische Bio-Apfelernte von 200.000 t erwartet. Das sind -9 % zur Vorjahreskampagne (220.000 t für die Ernte 2025/26). Weitere Entwicklungen im Überblick:

  • Größte Erzeugerländer für Bio-Äpfel in der Saison 2026/27 sind Italien (103.000 t), Frankreich (75.000 t), Deutschland (69.000 t), Österreich (20.000 t), Niederlande (6.000 t) und Belgien (3.000 t)
  • Die meistangebaute Bio-Sorte bleibt mit Abstand Gala (57.600 t), gefolgt von Topaz (19.500 t). 
  • Traditionelle Sorten sind Trumpf: 74 % der Bio-Äpfel sind klassische Varietäten, der Anteil besonders schorfresistenter Sorten liegt bei 20,4 % (u. a. Topaz, Natyra, Bonita, Santana). Clubäpfel machen in der Saison 2026/27 insgesamt 5,6 % der Biosorten aus (u. a. Kanzi, Pink Lady, Cosmic Crisp, Ambrosia).
  • Der europäische Bio-Markt hat 2025 knapp die 60 Mrd Euro Umsatzgrenze überschritten, Tendenz steigend. In Deutschland liegt der Bio-Umsatz bei knapp über 18 Mrd Euro, pro Kopf wurden 2025 in der BRD durchschnittlich 218 Euro für Bio-Lebensmittel ausgegeben. 
Äpfel am Baum
© Inga Detleffsen
Birnen der Sorte Abate Fetel
© Stefan Zeitz

Birnen nehmen an Menge und Beliebtheit zu

Die Birnenernte der EU-27 wird für die aktuelle Kampagne 2026/27 auf 1,946 Mio t geschätzt (+5,46 % gegenüber 2025/26). Das ist die größte Ernte seit 2022, liegt aber deutlich unter dem Wert der Jahre seit 1998 (2,32 Mio t).

  • Unverändert: Die drei größten Erzeugerländer bleiben die Niederlande mit 393.000 t (20,2 %), Belgien mit 364.000 t (18,7 %) sowie Italien (347.000 t, 17,8 %). 
  • Aufgeholt: Durch starkes Wachstum überholt Griechenland in diesem Jahr mit erwarteten 93.000 t die deutsche Birnenproduktion (43.000 t), letztere hat damit einen Anteil von 2,2 % am Gesamtanbau der EU-27.
  • Abgehängt: Conference bleibt mit einer Prognose von 906.000 t (+2,1 %) die mit Abstand wichtigste Birnensorte. Auf Platz 2 folgt Williams BC (212.000 t, +1,1 %), die hauptsächlich in Italien angebauten Abate Fetel erholen sich von 84.000 t (2025/26) auf 113.000 t (+34,3 %).
  • Nachgerückt: Neue Sorten, darunter zahlreiche Clubbirnen, können weiteres Wachstum von rund zehn Prozent zum Vorjahr verzeichnen - im Dreijahresmittel ist diese Kategorie gar um ein Drittel gestiegen.

Die Industrie als wichtige Säule der Apfelbranche

Keine Apfelproduktion ohne Verarbeitung: Mit 3.811.498 t sind 2025/26 über ein Drittel (31 %) der insgesamt in der EU-27 geernteten Äpfel (12.239.210 t) in die Industrie gegangen, um dort u.a. zu Saft oder Kompott zu verarbeitet werden - ein Plus von 2,75 % zur Saison 2024/25.

  • Rückläufiger Konsum: Die Kategorie durchläuft mit -5 % zum Vorjahr eine negative Entwicklung, wobei Apfelsaft weniger vom Rückgang betroffen ist. Rekordjahr für Fruchtsaft und -nektar war das Jahr 2000 mit 40,6 Litern pro Kopf. 
  • Spitzenreiter Deutschland: In der BRD wurden 2025 22,5 Liter Fruchtsaft und -nektar pro Kopf getrunken - deutlich mehr als z.B. in den USA (19,2 l), den Niederlanden (13,8 l) oder Italien (8,8 l pro Kopf). Der Anteil an Apfelschorle lag laut VdF bei 3,4 Liter pro Kopf. In Europa ist Apfelsaft die beliebteste Variante, weltweit hat sie den 2. Platz nach Orangensaft inne.
  • Frischobst geht vor: In Deutschland wurden 2025 75,5 % der geernteten Äpfel für den Verzehr als Frischware vorgesehen. Der Anteil der für die Herstellung von Saft, Kompott oder Apfelwein genutzten Früchte lag bei 23,7 %.
Saftflaschen in der Abfüllung
© industrieblick - AdobeStock
LKW mit Äpfeln
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Kernobst-Importe in die EU: Gerade bei Äpfeln ein schwieriges Geschäft

Während die Exporte von Kernobst aus der EU in der Menge wachsen (+13,43 % bei Birnen, +19,04 % bei Äpfeln bis KW 50/2025), entwickeln sich die Importe von Ländern außerhalb der EU rückläufig.

  • Sinkflug: Die Einfuhr von Äpfeln und Birnen hat sich 2025/26 weiter negativ entwickelt. Bei Äpfeln betrugen die Importe bis KW 50/2025 178.990 t (-30,18 % gegenüber 2024), der Wert fiel um 37,48 % auf 185 Mio €. Birnen-Importe verloren in der Menge 21,6 % (143.768 t), der Wert sank um 9,56 % auf 215,8 Mio Euro. 
  • Führend: Chile (52.711 t, 29 % Anteil), Südafrika (34.965 t, 20 % Anteil) und Moldawien (32.313 t, 18 % Anteil) bleiben die drei größten Apfellieferanten der EU, bei den Birnen sind Südafrika (62.919 t, 29 % Anteil), Chile (32.883 t, 20 % Anteil) und Argentinien (25.532 t, 18 %  Anteil) die wichtigsten Herkunftsländer außerhalb der EU-27.
  • Überholt: Nordmazedonien liegt mit Apfelimporten von 21.497 t (KW 50/2025) erstmals vor Neuseeland (17.058 t), dessen Importmenge um 29,65 % zurückging.
  • Auffällig: Israel verzeichnet bei den Apfelimporten in die EU den stärksten prozentualen Zuwachs (+331,98 % in der Menge, +542,43 % im Wert), die Mengen bleiben mit knapp 80 t dennoch gering.

Clubäpfel: Markenfrüchte mit wachsender Marktmacht 

Clubäpfel zeichnen sich durch mehr Reglementierung aus, etwa bei Anbau und Vermarktung. Landwirte müssen Vorgaben einhalten, die u.a. das Kaliber der Äpfel oder den Brix-Wert betreffen, aber auch Erntezeitpunkte oder Verpackungen beinhalten können. Für Erzeuger bieten sie eine besser planbare Vermarktung, während Kritiker bemängeln, dass Clubäpfel die Vielfalt im Apfelanbau verringern und alte Sorten verdrängen. Fakt ist: Der Anteil der Clubäpfel am Gesamtangebot steigt.

  • Platzhirsch: Im deutschen LEH ist Pink Lady® unangefochten die Nummer 1, mit einigem Abstand gefolgt von Kanzi®, Evelina®, Ambrosia und Jazz. 
  • Newcomer: Der in Europa zuerst in Südtirol angebaute Cosmic Crisp® ist im Kommen, auch Fräulein und Aldiamo steigern ihre Anteile.
  • Wettbewerb: Während Pink Lady® vor zehn Jahren noch 60 % Anteil an den Clubsorten hatte, sind es inzwischen 33 %, da die Anbaumengen anderer Clubäpfel steigen.
  • International: Den asiatischen Markt dominiert envy™, während in den USA Cosmic Crisp® auf Platz 1 steht.
    Vielen Dank an die AMI für diese Insights!
Apfel-Clubsorten
© Inga Detleffsen
Gelber Pfeil von links nach rechts

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