Pflanzenzüchtung: Mit präzisen Vorhersagen zu besseren Sorten
Wie lassen sich Pflanzen entwickeln, die auch unter künftigen Umweltbedingungen leistungsfähig bleiben? Und wie können neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Technologien dazu beitragen, die Pflanzenzüchtung zu beschleunigen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der öffentlichen Mitgliederversammlung der Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation e. V. (GFPi) am 5. November 2026 in Bonn.
„Pflanzenzüchtungsforschung ist mehr als ein wissenschaftliches Spezialgebiet. Sie liefert neue Erkenntnisse, um die bewährte Pflanzenzüchtung weiterzuentwickeln und das Innovationssystem Pflanze zu stärken. So leistet sie einen strategischen Beitrag, damit die Landwirtschaft auch unter veränderten Rahmenbedingungen produktiv und handlungsfähig bleibt“, betonte der GFPi-Vorsitzende Wolf von Rhade. Welche Grundlagen dafür notwendig sind, erläuterte Prof. Dr. Maria von Korff Schmising, Sprecherin des Exzellenzclusters für Pflanzenwissenschaften CEPLAS an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie stellte Forschungsansätze vor, mit denen die genetischen und biologischen Mechanismen von Pflanzeneigenschaften entschlüsselt werden. Ziel ist es, besser zu verstehen und vorherzusagen, wie Pflanzen auf unterschiedliche Umweltbedingungen reagieren. Diese Erkenntnisse schaffen wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung leistungsfähiger und widerstandsfähiger Kulturpflanzen.
Mehrwert für die Praxis
Wie sich solche Vorhersagen für die praktische Züchtung nutzen lassen, zeigte Prof. Dr. Kai Peter Voss-Fels von der Hochschule Geisenheim University. Beim sogenannten Predictive Breeding werden genomische Informationen, Pflanzenmerkmale und Umweltdaten miteinander verknüpft, um den Zuchtwert von Pflanzen frühzeitig einzuschätzen. Dadurch lässt sich vielversprechendes Zuchtmaterial gezielter auswählen und Entwicklungsprozesse effizienter gestalten. Aufwendige Feldversuche bleiben notwendig, können aber gezielter eingesetzt werden. Die Vorträge verdeutlichten das Potenzial einer engeren Verbindung von Züchtungsforschung, Datenwissenschaft und praktischer Pflanzenzüchtung. Diesen Ansatz verfolgt auch die GFPi mit einem neuen Konzept zur datenbasierten Transformation der Pflanzenzüchtung. Es sieht insbesondere die Entwicklung gemeinsamer Dateninfrastrukturen, neuer Vorhersagemodelle und langfristiger Forschungskooperationen vor. Einen ersten konkreten Schritt bildet eine kürzlich eingereichte Projektskizze zur Entwicklung eines umfassenden KI-Ansatzes in der Pflanzenzüchtung. „Die entscheidende Frage lautet nicht mehr allein, wo neues Wissen entsteht. Sie lautet ebenso, wie wir dieses Wissen zusammenbringen und schneller in die Anwendung führen“, so von Rhade. Darin liege eine zentrale Aufgabe der GFPi als Netzwerk zwischen Wissenschaft und Pflanzenzüchtung.