von Inga Detleffsen 3 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Europas Birnenanbau zwischen Sortenfokussierung und Diversifizierung

Die europäische Birnenerzeugung zeigt sich weitgehend stabil, birgt strukturell jedoch erhebliche regionale Unterschiede. 

Conference-Birnen am Baum
© barmalini - AdobeStock

Wie auf der Interpera 2026 in Ferrara (Italien) deutlich wurde, stieg die gesamteuropäische Produktion im Jahr 2025 leicht um 1,4 % auf 1,787 Mio. t an. Conference bleibt die mit Abstand prägendste Birnensorte in Europa. Ihre Erzeugung konzentriert sich massiv auf Belgien und die Niederlande: Wurden 2025 in Deutschland gerade einmal 11.000 t Conference-Birnen geerntet, entfielen in Belgien 90 % der Gesamtproduktion auf diese Sorte, was im Jahr 2025 einer Menge von 321.000 t entsprach. In den Niederlanden machte Conference 75 % des Anbaus aus (260.000 t). 

Beide Länder haben ihre Anbauflächen in den vergangenen fünf Jahren konsequent erweitert. In der Folge erzielen Belgien und die Niederlande dank hoher Produktivität inzwischen größere Erntemengen als traditionelle südeuropäische Anbauländer, und das trotz deutlich kleinerer Gesamtflächen. Führend ist Belgien mit 36,2 t pro Hektar, die Niederlande folgen mit 35,9 t/ha. 

Im Mittelfeld liegt Frankreich, wo die 152.000 t des Vorjahres bei den auf 6.200 ha gestiegenen Flächen einen durchschnittlichen Ertrag von 24,5 t Birnen pro Hektar ergeben. Das Sortiment ist hier bereits deutlich vielfältiger: Auf den zwischen 2020 und 2025 um 15 % gewachsenen Flächen werden neben Williams auch neuere Sorten wie QTee, Fred, Angys oder Xenia gepflanzt, deren Bäume noch nicht in Vollproduktion seien, erklärte Vincent Guérin (ANPP). Weitere Mengensteigerungen seien daher zu erwarten, auch bei bereits etablierten Sorten wie Conference. 

Flächen- und Produktivitätsrückgang in Südeuropa

Italien, Spanien und Portugal verzeichnen seit fünf Jahren spürbare Flächenrückgänge. 

Italien stellt mit 19.576 ha zwar nach wie vor die größte Birnenanbaufläche Europas, leidet jedoch unter strukturellen und klimatischen Herausforderungen, die sich in geringeren Erträgen niederschlagen - bei 293.377 t in 2025 kommt das Land auf gerade einmal 15 t Ertrag pro Hektar. Das Land präsentiert das vielfältigste Sortenspektrum der sechs Länder, 2025 mit Williams (31 %) und Abate Fetel (28 %) an erster Stelle, gefolgt von Ercolini (12 %), Kaiser (5 %), Conference (4 %) sowie Decana del Comizio (2 %).

In Spanien ist die Vielfalt ähnlich: Zwar hat die Conference mit 51 % einen hohen Anteil, doch auch Ercolini (11 %), Williams (11 %), Blanquilla (10 %) und Guyot (8 %) waren 2025 von Bedeutung. Angesichts der großen Anbauflächen (17.722 ha) liegt der Durchschnittsertrag bei den 2025 geernteten 106.624 t allerdings nur bei 6 t/ha. 

Eine Sonderrolle nimmt Portugal ein, wo auf 10.230 ha fast ausschließlich die heimische Sorte Rocha kultiviert wird, von der 2025 115.990 t geerntet wurden - der Ertrag liegt mit 11,3 t/ha im unteren Bereich der sechs verglichenen Produktionsländer. Weitere Sorten werden im Anbau getestet, was Entlastung von Pflanzenkrankheiten bringen könnte.

Weitere Details zu den erwarteten Mengen und zum allgemeinen Saisonausblick finden Sie hier: Birnenproduktion 2026: „Wir haben keine Glaskugel“ (29.06.26)