von Inga Detleffsen 3 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Birnenproduktion 2026: „Wir haben keine Glaskugel“

Auf der Interpera 2026 ging es heiß her – aber vor allem im Hinblick auf die Temperaturen: Bei 37 Grad Celsius trafen in Ferrara Fachleute der internationalen Birnenbranche zusammen, um Ein- und Ausblicke auszutauschen, Wissen zu vertiefen und natürlich auch, um erste Schätzungen zur diesjährigen Kampagne zu veröffentlichen.

Ernteschätzungen für Birnen auf der Interpera 2026 in Ferrara
v.l.: Mark Vermooij, Vincent Guérin, Joan Serentill, Tomas Bosi, Luc Vanoirbeek, Vitor Fonseca, Manel Simon
© Inga Detleffsen

Vier Länder wagten sich an Prognosen, wobei Portugal den optimistischen Blick auf die Saison hatte und mit einem Produktionsanstieg auf 130.500 t rechnet, rund 13 % über dem Vorjahr mit 115.990 t. Die portugiesischen Produzenten bauen ausschließlich Rocha-Birnen an – ein Alleinstellungsmerkmal in Europa, wo ansonsten teils deutlich stärkere Diversifizierung vorherrscht. Trotz der positiven Entwicklung liegt Portugal weiter unter dem Vollpotenzial, das Vitor Fonseca (Ferreira da Silva SA) auf rund 200.000 t bezifferte. Dass dieses nicht erreicht werde, sei neben der Hitze auch dem Generationenwandel sowie dem Schädlingsdruck geschuldet, erklärte er.

Für die Niederlande stellte Mark Vermooij (Urfruit/FreshProduce Center) fest, dass aktuell viele Früchte an den Bäumen hängen, so dass die bevorstehende Saison besser als die vorhergehende ausfallen könnte. Genaue Aussagen konnte er jedoch nicht machen. 

Optimistischer zeigte sich Tomas Bosi (CSO Italy) bezüglich der in Italien erwarteten Mengen, auch wenn er ebenfalls keine Details nannte. Mit 19.576 ha bleibt das Land trotz des Rückgangs gegenüber den Vorjahren das größte Birnenanbauland Europas – zumindest in der Fläche, denn mit 293.377 t lag die italienische Ernte 2025 deutlich unter den Ergebnissen Belgiens (392.519 t) und der Niederlande (358.000 t), obwohl beide Länder mit 10.834 ha bzw. 9.979 ha nur rund halb so große Anbauflächen bewirtschaften.

Die belgische Birnenproduktion rechnet für dieses Jahr mit rund 363.875 t Birnen (-7 %), wie Luc Vanoirbeek (VBT) erklärte. Allerdings könne trotz der guten Blüte noch einiges passieren, von Sonnenbrand bis zu Hagel, was die finale Menge beeinträchtigen könnte, so dass Schwankungen um zehn oder gar 15 % nicht auszuschließen seien, gab er zu bedenken. 

Frankreich lag 2025 auf Platz 4 der Erntemengen (152.000 t). Für dieses Jahr sei es „SEHR schwierig“, Aussagen zu treffen, betonte Vincent Guérin (ANPP). Nach einer guten Ernte im Vorjahr habe man mit Alternanz gerechnet, doch derzeit gute Mengen an den Bäumen hätten „positiv überrascht“. Dennoch gehe man von einem Rückgang von 6 % auf 143.000 t aus. Bei einigen Sorten, darunter Guyot oder Angys, rechne man mit einer vollen Erreichung des Produktionspotenzials. Die Ernte starte in Frankreich temperaturbedingt etwas verfrüht, Mitte Juli, so Guérin. Trotz des Rückgangs ist die Grundstimmung in Frankreich positiv: Im Gegensatz zu den anderen Produktionsländern Europas haben sich einzig in Frankreich die Anbauflächen vergrößert, 15 % sind sie in den vergangenen fünf Jahren gestiegen und liegen nun bei 6.200 ha. 

In Spanien geht man für diese Kampagne ebenfalls von einem Rückgang von 6 % zum Vorjahr (106.624 t) aus. Auch hier ist ein Flächenrückgang zu beobachten, -12,4 % in den Jahren 2020-2025, so dass von ursprünglich über 20.000 ha inzwischen noch 17.722 ha übrig sind, auf denen in Spanien Birnen angebaut werden. Birnenanbau sei etwas „für Mutige“, wie Joan Serentill, Präsident des Kernobst-Komittees bei Fepex, treffenderweise feststellte.

So unterschiedlich die Prognosen der einzelnen Länder auch ausfielen – in einem Punkt herrschte bei den Anwesenden Einigkeit: Die extreme Hitzewelle der vergangenen Tage könnte die Ernteaussichten noch erheblich verändern. „Wir haben keine Glaskugel", brachte es Luc Vanoirbeek auf den Punkt. Unvorhersehbarkeit sei inzwischen die neue Konstante.