Brasilien: Obstanbau im Südosten des Landes binnen zehn Jahren kräftig gewachsen
Der brasilianische Bundesstaat Minas Gerais hat seine Obstanbaufläche innerhalb eines Jahrzehnts deutlich ausgeweitet. Besonders stark wuchs laut einem Bericht des Branchenverbandes Abrafrutas der Avocado-Anbau. Obwohl Minas Gerais vor allem für Kaffee und Getreide bekannt ist, gewinnt auch der Obstbau in der Landwirtschaft des brasilianischen Bundesstaates zunehmend an Bedeutung.
Zwischen 2015 und 2025 stieg dem Verband zufolge die Anbaufläche für Obst um 29 % von 138.000 ha auf 179.000 ha. Abrafrutas beruft sich dabei auf Daten, die das staatliche Institut für technische Beratung und ländliche Entwicklung von Minas Gerais (Emater-MG) veröffentlicht hat. Damit entwickelte sich der Obstbau stärker als einige traditionelle Kulturen. Während die Kaffeeanbaufläche im gleichen Zeitraum um 17 % zunahm, ging die Maisfläche um 15 % zurück. Nach Einschätzung von Deny Sanábio, Koordinator für Obstbau bei Emater-MG, spiegelt das Wachstum auch veränderte Ernährungsgewohnheiten wider. „Die Menschen achten zunehmend auf ihre Gesundheit, und Obst gehört dabei zu den empfohlenen Lebensmitteln. Der Obstbau kann für die Erzeuger eine zusätzliche Einkommensmöglichkeit darstellen, ohne zwangsläufig mit anderen Betriebszweigen zu konkurrieren“, erklärte er in einer Pressemitteilung der Branchenorganisation.
Staatliche Förderprogramme
Jaqueline Santos, Expertin für technische und betriebswirtschaftliche Fragestellungen, verweist in diesem Zusammenhang auf staatliche Förderprogramme, die die Nachfrage gesteigert haben. Sie sieht sowohl auf Erzeuger- als auch auf Verbraucherseite wichtige Wachstumstreiber: Die landwirtschaftlichen Betriebe profitierten von den geografischen und klimatischen Voraussetzungen, während Verbraucher zunehmend eine gesündere Ernährung nachfragten, so Santos. Hinzu komme die strategisch günstige Lage von Minas Gerais in der Nähe großer Verbrauchszentren. Sechs Großmärkte der CeasaMinas erleichtern zudem die Vermarktung und Verteilung der Erzeugnisse. Die unterschiedlichen Klimazonen des Bundesstaates ermöglichen den Anbau tropischer, subtropischer und gemäßigter Obstarten. Im Norden von Minas Gerais sind insbesondere Bananen und Zitronen verbreitet. Im Triângulo Mineiro dominieren Orangen und Ananas. In Regionen wie dem Süden von Minas Gerais, der Zona da Mata, der Zentralregion sowie Campos das Vertentes und dem Osten ist das Obstangebot vielfältiger. Besonders dynamisch entwickelte sich der Avocado-Anbau. Zwar ist die Fläche mit 12.900 ha deutlich kleiner als bei Orangen und Bananen, doch verzeichnete keine andere Obstart eine vergleichbare Expansion. Innerhalb von zehn Jahren wuchs die Anbaufläche um 374 %.