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Avocado-Markt wächst weiter – Europa bleibt wichtiger Absatzmarkt

Die weltweite Avocado-Branche erwartet weiteres Wachstum, steht insbesondere in Europa aber zugleich vor zunehmend komplexen Marktbedingungen. Das wurde beim Avocado-Kongress 2026 deutlich, den die World Avocado Organisation (WAO) gemeinsam mit Asociafruit und AECAM in Kooperation mit der Fruit Attraction in Madrid veranstaltete. 

Avocados am Baum
© Fruchthandel Magazin

Mehr als 700 Teilnehmer aus der weltweiten Wertschöpfungskette diskutierten über die Entwicklung des Angebots, das Potenzial des europäischen Marktes, veränderte Verbraucheranforderungen und die Rolle der verschiedenen Erzeugerländer.
 
Nach den auf dem Kongress vorgestellten Zahlen hat sich der globale Avocado-Markt innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt. Das durchschnittliche jährliche Wachstum lag demnach bei rund 7 %. Mehr als 80 % des weltweiten Handels mit Hass-Avocados entfallen auf Nordamerika sowie die EU27 und das Vereinigte Königreich. Diese beiden Regionen dürften nach Einschätzung von Eric Imbert, Forscher am CIRAD und Experte für den internationalen Fruchtmarkt, auch mittelfristig die wichtigsten Wachstumstreiber bleiben. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Herkunftsländer zu, sodass sich die Lieferkalender auf dem europäischen Markt stärker überschneiden. „Avocados zeigen weltweit weiterhin ein sehr dynamisches Wachstum. Der Markt hat sich in nur zehn Jahren verdoppelt, und die Aussichten bleiben positiv“, so Imbert.

Gleichzeitig verwies Imbert auf die zunehmende Komplexität des europäischen Marktes. Durch die wachsende Zahl von Herkünften und Überschneidungen bei den Lieferzeiträumen werde die Sicherung einer konstanten Qualität wichtiger. Auch die Verbraucheransprache spiele eine zentrale Rolle für die weitere Entwicklung der Kategorie. 

Europäischer Verbrauch weiter gestiegen

2025 wuchs der europäische Avocado-Markt dem Beitrag zufolge mengenmäßig um 16 %. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch in der EU27+ erreichte 1,8 kg. Gleichzeitig hat sich das gesamte Avocado-Angebot in der Europäischen Union seit 2012 verfünffacht und lag 2025 bei rund 1 Mio. t.
 
David Magaña, SVP und Senior Analyst bei der Rabobank, stellte darüber hinaus die Entwicklung der globalen Exporte heraus. Diese haben sich innerhalb von 15 Jahren vervierfacht. Auch die Zahl der exportierenden Länder steigt: 2014 exportierten zwölf Länder mehr als 5.000 t Avocados, 2024 waren es bereits 22. Bis 2030 könnte diese Zahl nach Einschätzung der Rabobank auf 30 Länder steigen. Für Europa sieht Magaña weiterhin Wachstumspotenzial. Eine Steigerung des jährlichen Pro-Kopf-Verbrauchs um lediglich 100 g könnte die Gesamtnachfrage bis 2035 auf 1,47 Mio. t erhöhen. Gleichzeitig könnten Faktoren wie Preisentwicklungen und Wetterereignisse, insbesondere El Niño, die Entwicklung des Angebots beeinflussen. 

Unterschiedliche Verbraucher in den europäischen Märkten

Ein Schwerpunkt des Kongresses lag auf der Frage, welche Verbrauchergruppen die weitere Nachfrageentwicklung bestimmen. Shelly Vorster, Managing Director der WAO, präsentierte dazu die Ergebnisse einer Studie mit mehr als 500.000 Befragten. Demnach unterscheiden sich die für das Kategoriewachstum relevanten Verbrauchergruppen teilweise deutlich von Land zu Land. Einkommen allein sei kein ausreichender Faktor, um den Avocadokonsum zu erklären. Vorster: „Die Daten zeigen uns, dass es nicht den einen europäischen Avocado-Verbraucher gibt.“

Vorster verwies darauf, dass Alter, Haushaltstyp, Lebensphase und Verzehrsgewohnheiten zwischen den Märkten variieren. In Schweden zählen beispielsweise Alleinerziehende zwischen 40 und 49 Jahren mit Kindern im Schulalter zu den Gruppen, die das Wachstum der Kategorie vorantreiben. Im Vereinigten Königreich spielen junge Familien eine wichtige Rolle. In den Niederlanden werden Avocados unter anderem von jüngeren Verbrauchern und Haushalten vor der Familienphase als Snack oder zum Abendessen konsumiert. In Polen wiederum zeigt sich laut Studie ein starkes Wachstum bei Verbrauchern über 50 Jahren mit Jugendlichen oder erwachsenen Kindern. 

Über die untersuchten Märkte hinweg bleibt Gesundheit laut der Studie der wichtigste Grund für den Kauf von Avocados. Gleichzeitig zeigen sich Verbraucher offen für unterschiedliche Produkt- und Verwendungsformen, darunter Guacamole, Mayonnaise, Öle, Eiscreme oder Babynahrung.

Qualität und Verfügbarkeit als zentrale Faktoren

In einer Podiumsdiskussion zur Wertschöpfungskette ging es anschließend um die Frage, wie sich das wachsende Interesse an Avocados in regelmäßigen Konsum überführen lässt. Als wichtige Faktoren wurden eine gleichbleibende Qualität, der passende Reifegrad und eine ganzjährige Verfügbarkeit genannt. Produktinnovationen und verarbeitete Avocado-Erzeugnisse könnten zusätzliche Verzehranlässe schaffen.
 
Auch auf der Angebotsseite standen die Veränderungen der globalen Lieferstruktur im Mittelpunkt. Vertreter verschiedener Erzeugerländer diskutierten die Entwicklung der laufenden Saison, die Erwartungen für das kommende Jahr und mögliche Auswirkungen von Wetterereignissen. Neben der Produktion beeinflussen demnach auch Treibstoffkosten, Logistik, Vertrieb und das allgemeine wirtschaftliche Umfeld die Mengen und Qualitäten, die letztlich den europäischen Markt erreichen.
 
Trotz der Unsicherheiten bei einzelnen Produktionsprognosen bleiben die Erzeugerländer laut Beitrag hinsichtlich ihrer Lieferfähigkeit zuversichtlich. Langfristig wird mit weiter steigenden weltweiten Avocado-Volumina gerechnet. Gleichzeitig sei eine engere Abstimmung zwischen den verschiedenen Herkunftsregionen notwendig, um eine kontinuierliche Versorgung und gleichbleibende Qualität zu gewährleisten.