von Inga Detleffsen 3 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Wenn Vertical Farming Früchte trägt: Projekt der TH Köln untersucht modulares Indoor Farming

Aktuell leben 8,3 Mrd Menschen auf der Erde – Hochrechnungen der Vereinten Nationen zufolge werden es 2050 etwa 9,7 Mrd sein, die größtenteils in Städten wohnen. 

Frau kümmert sich um Pflanzen beim Projekt GreenFarmTEC
© Costa Belibasakis, TH Köln

„Gleichzeitig werden landwirtschaftliche Flächen knapper, Wetterextreme nehmen zu, Wasser wird zunehmend zur begrenzten Ressource und der Druck auf globale Lieferketten nimmt zu“, sagt Prof. Dr. Mohieddine Jelali vom Cologne Lab for Artificial Intelligence and Smart Automation (CAISA) der TH Köln. Er ist Leiter des Projekts „GreenFarmTEC", bei dem gemeinsam mit der NourTec GmbH neue Technologien für den nachhaltigen, regionalen Anbau in vertikalen Indoor-Farmanlagen entwickelt werden.

Schon häufiger haben wir über Dachgärten berichtet, wo vorwiegend Salate und Kräuter angebaut werden. Das Forschungsteam widmet sich nun der Produktion von fruchttragenden Pflanzen wie Erdbeeren, Tomaten, Gurken, Paprika oder Chilis. 

„Mit Vertical Indoor Farming können Lebensmittel direkt dort produziert werden, wo sie gebraucht werden – ressourcenschonend, wetterunabhängig und ganzjährig verfügbar. Das System, das wir im Rahmen unseres Projekts entwickeln, soll eine nachhaltige und regionale Lebensmittelproduktion ermöglichen, Wasser und Fläche einsparen sowie Transportwege verkürzen, wodurch Obst und Gemüse länger frisch bleiben“, erklärt Jelali. Ziel sei, dass sich die Technologie nach Projektende flexibel auf unterschiedliche Standorte übertragen lasse. Dank des modularen Baukasten-Systems könne es insbesondere dort eingesetzt werden, wo Anbauflächen begrenzt sind.

Dabei gehe es nicht darum, die traditionelle Landwirtschaft zu ersetzen, sondern vielmehr, sie zu ergänzen, wie der Projektpartner Dr. Al-Shrouf im Interview mit der WAZ betonte. 

Das Ziel: optimale Wachstumsbedingungen bei niedrigen Kosten

Neben den aufsteck- und stapelbaren Boxen gehören eine energieeffiziente LED-Beleuchtung, Sensorik und unterschiedliche hydroponische Anbaumethoden zum System des Projekts. Visuelle und technologische Unterstützung gehören ebenfalls dazu: Kameras erfassen den Status der Pflanze, der durch KI analysiert wird – so soll das System die Wasser- und Nährstoffversorgung automatisch an die Pflanzen anpassen. Auch eine Beleuchtung, die individuell auf die einzelnen Wachstumsphasen abgestimmt wird, ist Teil des Forschungsprojekts. „Unser Ziel ist es, optimale Wachstumsbedingungen bei möglichst niedrigen Betriebs- und Energiekosten zu schaffen“, so Jelali. Dass das System erste Erfolge aufweist, zeigen die Fotos der Projektanlage. "Und die sind echt, das ist keine KI - kommen Sie gerne vorbei und überzeugen Sie sich", betont Prof. Dr. Mohieddine Jelali, als ich ihn zum Projekt anrufe. 

Dabei stellt es sich auch heraus, dass es sich bei „GreenFarmTEC“ nicht nur um ein Projekt handelt – aus der Idee wurde inzwischen ein Unternehmen, das er gemeinsam mit Dr. Loui Al-Shrouf gegründet habe, erklärt Jelali weiter.

Derzeit entwickle man industrienahe Prototypen, die bereits von Restaurants oder Schrebergärten getestet werden könnten, auch kleinere Landwirtschaftsbetriebe, die „etwas Neues probieren wollen“, seien willkommen. Spätestens 2028 zum Projektende wolle man dann ein industriell einsetzbares System anbieten können, so Jelali. 

Neben Dr. Loui Al-Shrouf als Projektpartner und Koordinator ist auch Vladisvlav Vlasuk an „GreenFarmTEC“ beteiligt. Gefördert wird das bis 2028 laufende Vorhaben mit rund 725.000 Euro im Rahmen der NRW-Förderinitiative „Grüne Gründungen.NRW".

Tomaten aus dem Vertical Farming-Projekt von GreenFarmTEC
Vertical-Farming-Tomaten - zu schön, um wahr zu sein? "Die Fotos sind echt", betont Prof. Dr. Jelali.
© Costa Belibasakis, TH Köln