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Studie: Kaufkraft wächst in der EU – Süd- und Osteuropa holen auf

Die europäische Einzelhandelslandschaft der Jahre 2025 und 2026 ist von einem Paradoxon geprägt: Die Kaufkraft ist weiter gestiegen, die Inflation hat sich dem Zielwert der Europäischen Zentralbank angenähert und die Arbeitsmärkte erwiesen sich als robust. Dennoch blieb die Verbraucherstimmung verhalten. Zu diesem Ergebnis kommen die Analysten von Nielsen IQ in ihrer Studie zu den wichtigsten Einzelhandelsindikatoren in Europa.

Einkaufswagen im Supermarkt
© benjaminnolte - AdobeStock

Die Einzelhandelsumsätze legten demnach zwar zu, konnten jedoch mit dem Einkommenswachstum nicht Schritt halten, da sich die Haushalte an mehrere Jahre wirtschaftlicher Unsicherheit angepasst haben. Die anhaltenden Auswirkungen der Pandemie, der Inflation, geopolitischer Spannungen und von Lieferkettenstörungen haben das Konsumverhalten nachhaltig verändert. Trotz einer Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben viele Europäer preissensibel und achten zunehmend auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Neben einem attraktiven Preis gewinnen Qualität, Komfort, Funktionalität und vertrauenswürdige Marken weiter an Bedeutung. 
Im Jahr 2025 stieg die Kaufkraft in der EU trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten und erhöhter Inflation in Teilen Europas weiter an. Die durchschnittliche Kaufkraft pro Einwohner erreichte 22.425 Euro und lag damit nominal um 3,3 % über dem revidierten Wert von 2024. Insgesamt standen den Einwohnern der 27 Mitgliedstaaten rund 10,1 Billionen Euro für Ausgaben wie Lebensmittel, Einzelhandelseinkäufe, Wohnen, Dienstleistungen, Energiekosten, private Altersvorsorge, Versicherungen, Urlaubsreisen und Mobilität zur Verfügung. Die stärksten Zuwächse wurden in Polen (+8,8 %), Litauen (+8,3 %), Rumänien (+7,7 %) und Bulgarien (+7,3 %) verzeichnet. „Die stärkeren Zuwächse in Süd- und Osteuropa zeigen, dass sich die Einkommensunterschiede innerhalb Europas weiter verringern“, so die Studie.  

Einzelhandelsumsatz

Nach einem deutlichen Anstieg von 5,5 % im Jahr 2023 und einem Wachstum von 3 % im Jahr 2024 verlangsamte sich das Wachstum des Einzelhandelsumsatzes in der EU im Jahr 2025 auf 2,1 %. Dies deutet auf eine fortschreitende Normalisierung des Konsumverhaltens nach der Erholung von den Auswirkungen der Pandemie hin. Besonders dynamisch entwickelten sich die Einzelhandelsumsätze in Nord- und Osteuropa. Angeführt wurde das Ranking von Norwegen (+13,1 %) und Litauen (+10,5 %), gefolgt von Schweden (+8,9 %), Bulgarien (+8,2 %) und der Slowakei (+8 %). „Steigende Löhne und eine verbesserte Kaufkraft unterstützten die Einzelhandelsausgaben in diesen Märkten. Im Gegensatz dazu bleiben die großen westeuropäischen Märkte schwach und bremsen weiterhin das Gesamtwachstum. Das Vereinigte Königreich verzeichnete sogar einen Rückgang von 0,6 %.“
Der Anteil des Einzelhandels an den gesamten privaten Konsumausgaben in der EU sank 2025 das vierte Jahr in Folge und fiel auf 31,9 %. Während die Kaufkraft um 3,3 % zunahm und die Einzelhandelsumsätze um 2,1 % stiegen, verwendeten die Verbraucher weiterhin einen größeren Teil ihres Budgets für Dienstleistungen, Reisen, Freizeit und Gastronomie. Gleichzeitig bestehen innerhalb der EU weiterhin deutliche regionale Unterschiede. Den höchsten Einzelhandelsanteil verzeichnete Kroatien mit 48,3 %, gefolgt von Litauen (45,7 %), Bulgarien (44 %) und Ungarn (43,2 %). Deutschland belegte mit lediglich 22,2 % den letzten Platz, sodass weniger als jeder vierte Euro der Konsumausgaben in den Einzelhandel floss.