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Flandern/Niederlande: Bitterstoffe aus Chicorée als natürliches Insektizid einsetzen

Flämische und niederländische Wissenschaftler von ILVO, der Universität Ghent und Wageningen Research untersuchen, ob die natürlichen Bitterstoffe aus Chicorée und Zichorie als nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Insektiziden eingesetzt werden können, berichtet vilt.be.

Chicorée
© mates/AdobeStock

Der Bedarf ist groß, betont ILVO, da die Zahl der zugelassenen synthetischen Pflanzenschutzmittel in Europa rapide sinkt. Unterdessen bleibe der Schädlingsdruck unverändert oder nehme sogar zu.

Der charakteristische bittere Geschmack von Chicorée sei genau das, was viele Erwachsene an diesem Gemüse so mögen, aber diese Bitterkeit hat auch eine Funktion. „Wir wissen, dass Chicorée- und Zichorienpflanzen ihre Bitterstoffe als Abwehr gegen Insekten und Krankheiten einsetzen“, sagt Willem Desmedt von ILVO. „Wir wissen auch, dass diese Bitterstoffe effizient und kostengünstig aus den Wurzeln gewonnen werden können.“

Sesquiterpenlactone, so heißen die Bitterstoffe, die Chicorée von Natur aus produziert, sind also der Schlüssel dazu, was Chicorée für Insekten so ungenießbar macht. Frühere Doktorarbeiten an ILVO, UGent und VIB haben bereits gezeigt, dass Pflanzen, deren Bitterstoffe reduziert sind, schneller zum Ziel von Schädlingen wie Thripsen werden.

„Mit dem vierjährigen Projekt ‚Sesquichic‘ beginnt nun die Suche nach einer Anwendung als Schutzprodukt für andere Kulturen“, sagt Desmedt. Das Projekt ist nach den bitteren Sesquiterpenlactonen benannt. Konkret werden die Forscher diese Bitterstoffe aus Pflanzen isolieren und in verschiedenen Dosierungen, Formen und Umgebungen auf ihre Wirkung gegen Insekten testen.

Konkret will man herausfinden, welche Stoffe genau bei der Insektenabwehr wirksam sind, warum das so ist und wie wir diesen Stoff in größerem Maßstab produzieren können, um eine neue Generation biologischer Insektizide zu entwickeln.

Konkret möchte man herausfinden, welche Stoffe genau bei der Insektenabwehr wirksam sind, warum das so ist und wie wir diesen Stoff in größerem Maßstab produzieren können, um eine neue Generation biologischer Insektizide zu entwickeln. Das Schöne daran sei, dass die Produktion mit Stoffen erfolgen könnte, die derzeit als Reststrom angesehen werden. Sowohl bei der Produktion von Chicorée als auch von Zichorie bleiben Restprodukte mit wertvollen Bestandteilen zurück. Heute werden diese Restströme zu Viehfutter verarbeitet oder landen auf dem Komposthaufen, aber „Sesquichic” möchte herausfinden, wie die aktivsten Bitterstoffe aus dieser Biomasse extrahiert und gereinigt werden können.

„Zirkularität ist ein wichtiger Aspekt des Projekts”, sagt Projektkoordinatorin Katrijn Van Laere (ILVO). „Das würde nicht nur zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft beitragen, sondern auch zu einer effizienteren Nutzung unserer landwirtschaftlichen Rohstoffe.”

Im Konsortium bündeln drei Wissensinstitute ihr komplementäres Fachwissen. ILVO hat eine langjährige Tradition in der Entwicklung neuer Chicorée-Sorten und kombiniert dies mit einem großen praktischen Wissen über Landwirtschaft und Schädlinge. ILVO und Wageningen Research haben darüber hinaus in den vergangenen Jahren Wissen über die Bildung von Bitterstoffen in Pflanzen aufgebaut und entschlüsseln gemeinsam die genetischen Wege, die die Produktion von Bitterstoffen steuern. Die Universität Gent wiederum verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Stoffwechselzusammensetzung von Pflanzen sowie in der chemischen und molekularen Analyse von Naturstoffen und deren Herstellung.

Ein Stakeholder-Beirat mit Unternehmen aus den Bereichen Pflanzenschutz, Biotechnologie, Anbau und Chicorée-Verarbeitung sorge dafür, dass die Ergebnisse des Projekts schnell in die Praxis umgesetzt werden können.