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„Wir sind stark beunruhigt."

Um den Verlauf der Saison 2026 besser einschätzen zu können, hat das Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände e. V. vom 4. bis 24. Juli 2026 eine Online-Umfrage unter Spargel- und Erdbeerbetrieben durchgeführt. Insgesamt nahmen 204 Betriebe teil. Die Ergebnisse zeigen eine insgesamt verhaltene Einschätzung der Saison sowie wirtschaftliche Herausforderungen für viele Betriebe.

Frische rote Erdbeeren in Holzkisten auf einem Erdbeerfeld mit Arbeitern im Hintergrund unter blauem Himmel
© VSSE/Jürgen Rösner

17,4 % der Spargelbetriebe und 22,7 % der Erdbeerbetriebe bewerteten die Saison als gut. 46 % der Spargelbetriebe und 37,3 % der Erdbeerbetriebe stuften sie als vergleichbar mit dem Vorjahr ein. Für 36,6 % der Spargelbetriebe und 40 % der Erdbeerbetriebe fiel die Saison schlechter aus als im Vorjahr.

Betriebsnachfolge vielfach offen

48 % der befragten Betriebe gaben an, dass die langfristige Fortführung ihres Unternehmens derzeit ungewiss sei. 8 % planen, den Spargel- beziehungsweise Erdbeeranbau innerhalb der kommenden ein bis drei Jahre einzustellen. 38 % sehen die Fortführung ihres Betriebes langfristig als gesichert an. Das Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände bewertet diese Ergebnisse mit Sorge. „Wir sind angesichts dieser Ergebnisse stark beunruhigt. Jeder zwölfte Betrieb will in den nächsten ein bis drei Jahren den Anbau aufhören. Bei knapp der Hälfte der Spargel- und Erdbeerbetriebe ist die Zukunft aufgrund mangelnder Rentabilität oder ungeklärter Nachfolge ungewiss. Das bringt den Produktionsstandort Deutschland und mit ihm die Versorgungssicherheit ins Wanken. Doch die Situation ist nicht nur für den Spargel- und Erdbeeranbau kritisch, sondern für den Obst- und Gemüsebau in Deutschland. Die europaweiten großen hitzebedingten Ertragsausfälle zeigen deutlich, dass gute Ernten keine Selbstverständlichkeit sind“, erklärt Simon Schumacher, Vorstandsmitglied des Netzwerks der Spargel- und Beerenverbände e. V. 

Produktionskosten steigen stärker als die Verbraucherpreise

Nach Angaben des Netzwerks steigen die Produktionskosten seit Jahren kontinuierlich, während sich die Verbraucherpreise deutlich weniger dynamisch entwickeln. Bei Bleich- und Grünspargel erhöhten sich die durchschnittlichen Verbraucherausgaben in der Saison 2026 laut Verband nur leicht. Für in Deutschland erzeugte Erdbeeren lagen die Durchschnittspreise über weite Strecken der Saison unter dem Vorjahresniveau. Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) lagen die Durchschnittspreise für deutsche Erdbeeren im ersten Halbjahr 2026 im Discount unter dem Vorjahreswert, während sie sich im Lebensmitteleinzelhandel geringfügig erhöhten.

Einschätzungen zu Preisaktionen im Handel

Im Rahmen der Umfrage wurden die Betriebe auch nach ihrer Einschätzung zu Preisaktionen im Lebensmitteleinzelhandel befragt. 62 % der Erdbeererzeuger gehen davon aus, dass Discounter entsprechende Aktionen nutzen, um Kundinnen und Kunden in die Märkte zu ziehen und bei fehlender deutscher Ware verstärkt Importerdbeeren zu vermarkten. 72 % sehen dadurch einen preisdämpfenden Effekt entlang der Vermarktungskette. Rund 49 % gaben an, dies wirke sich auch auf die Preisgestaltung in der Direktvermarktung aus.

Anteil importierter Erdbeeren leicht gestiegen

Nach einer Analyse der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) auf Basis des Haushaltspanels von YouGov CP Germany entfielen in den Kalenderwochen 16 bis 26 rund 64 % der Erdbeerkäufe privater Haushalte auf Ware aus Deutschland und 36 % auf Importe. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum lagen die Anteile bei 65 % beziehungsweise 35 %. Die Daten beziehen sich ausschließlich auf Einkäufe privater Haushalte und berücksichtigen nicht den Außer-Haus-Markt.

Veränderungen beim Spargelkauf

Für die Spargelsaison (KW 13 bis KW 26) ermittelte die AMI leicht rückläufige Einkaufsmengen privater Haushalte gegenüber dem Vorjahr. Bei Bleichspargel entfielen rund 87 % der Käufe auf deutsche Ware und 13 % auf Importe; damit blieb die Marktverteilung nahezu unverändert. Beim Grünspargel stiegen die gesamten Einkaufsmengen, während die Käufe von deutscher Ware leicht zurückgingen. Der Anteil von Grünspargel aus Deutschland sank dadurch von 38 % in der Saison 2025 auf 34 % im Jahr 2026. Auch diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Einkäufe privater Haushalte.

Auswirkungen gestiegener Produktionskosten

72 % der Spargelbetriebe gaben an, dass sich die gestiegenen Produktionskosten spürbar negativ auf ihren Betrieb auswirkten. 16 % stuften die Auswirkungen als existenzbedrohend ein. Für 9 % seien die Kostensteigerungen kaum spürbar.
Bei den Erdbeerbetrieben berichteten 68 % von spürbar negativen Auswirkungen. Mehr als 17 % sehen in den gestiegenen Produktionskosten eine existenzielle Belastung. 7 % gaben an, die Auswirkungen seien gering.

Anbauflächen überwiegend rückläufig

Für die kommende Saison planen 33,5 % der Spargelerzeuger, ihre Anbaufläche leicht zu reduzieren, weitere 6,3 % beabsichtigen eine stärkere Verringerung. Die Hälfte der Betriebe will die Fläche unverändert beibehalten. 9,5 % planen eine leichte Ausweitung, 0,6 % eine deutliche Erweiterung. Bei den Erdbeererzeugern wollen rund 13 % ihre Anbaufläche deutlich und 31 % leicht reduzieren. Rund 44 % beabsichtigen keine Veränderungen, während etwa 11 % ihre Flächen leicht ausweiten möchten.

Investitionen bleiben zurückhaltend

Nach Angaben des Netzwerks planen die Betriebe derzeit nur verhaltene Investitionen. Bei den Spargelbetrieben stehen vor allem Maßnahmen zur Verfrühung, neue Kulturen und die Direktvermarktung im Fokus. Erdbeerbetriebe nennen insbesondere Investitionen in Verfrühung, Tunnelanbau, Direktvermarktung und Unterkünfte.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen verbessern

Nach Auffassung des Netzwerks erschweren steigende Kosten, Bürokratie sowie die Rekrutierung von Saisonarbeitskräften die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe. Zudem wird darauf verwiesen, dass Arbeitskosten im Spargelanbau bis zu 40 % und im Erdbeeranbau bis zu 60 % der Produktionskosten ausmachen und seit 2021 deutlich gestiegen seien. Vor diesem Hintergrund setzt sich die Bundesfachgruppe Obstbau, in der die Verbände des Netzwerks engagiert sind, gegenüber Bundestag und Landtagen für verschiedene Maßnahmen ein. Dazu zählen aus Sicht der Verbände wettbewerbsfähigere Rahmenbedingungen für Saisonarbeitskräfte, vereinfachte und rechtssichere Rekrutierungsverfahren für Saisonarbeitskräfte aus Drittstaaten sowie eindeutige gesetzliche Regelungen für kurzfristige Beschäftigungen.