Florian Wall ist Co-Autor der Studie „Unterm Strich gesünder“, die von den beiden Organisationen Madre Brava und PATOS Solutions soeben veröffentlicht wurde. Betrachtet wurde dabei, wie sich eine an der sog. „Planetary Health Diet” (PHD, siehe unten) orientierte Ernährung finanziell vom aktuellen Durchschnittskonsum unterscheiden würde.
Derzeit gebe ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt wöchentlich rund 98,36 Euro für Lebensmittel aus. Ein an der PHD orientierter Warenkorb koste dagegen nur etwa 73,14 Euro pro Woche, so die Studie, was aufs Jahr gerechnet eine Ersparnis von rund 1.315 Euro bedeute. Für zwei von zehn Haushalten in Deutschland entspreche das sogar mehr als einem monatlichen Nettoeinkommen. Die geringeren Kosten resultierten vor allem aus einer Verschiebung bei den Proteinquellen: weg von tierischen Produkten wie Fleisch und Milch, hin zu Hülsenfrüchten, Nüssen und pflanzlichen Alternativen. Der Anteil von Obst und Gemüse am Einkauf würde sich mit der Planetary Health Diet ebenfalls erhöhen, von aktuell 14,05 % auf 27,84 %, rechnet die Studie vor.
Vermeidung von knapp 200.000 vorzeitigen Todesfällen und Einsparpotenzial von fast 53 Mrd Euro
Nicht nur finanziell, sondern auch gesundheitlich könne die Veränderung erhebliche Effekte mit sich bringen. Zwei unabhängige wissenschaftliche Modellierungen von Springmann et al. und Seidel et al. kommen laut Studie übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass eine PHD-orientierte Ernährung die Krankheitslast in Deutschland deutlich senken könnte. So könnten laut Springmann et al. jährlich rund 199.000 vorzeitige Todesfälle vermieden werden, was Einsparungen von über 26 Mrd Euro an Gesundheitskosten entspreche. Die Modellierung nach Seidel et al. kommt sogar auf ein Einsparpotenzial von fast 53 Mrd Euro sowie auf fast zwei zusätzliche gesunde Lebensjahre pro Person über ein 80-jähriges Leben.
Bisher, so Florian Wall, liege Fleisch auf Augenhöhe, während Hülsenfrüchte auf Kniehöhe verschwänden. Pflanzliche Alternativen seien „mental wie physisch schwer verfügbar“. Gleichzeitig berichtet er jedoch auch von positiven Entwicklungen: Pflanzliche Produkte werden bei EDEKA über die Eigenmare „Herzstücke“ angeboten, ALDI SÜD habe seit 2021 das pflanzliche Sortiment verdoppelt. REWE kooperiere mit Food-Tech-Startups, während LIDL die Eigenmarke Vermondo zum gleichen oder günstigeren Preis anbiete.
„Was fehlt, ist ein gemeinsames Ziel“, betont der Co-Autor. Aktuell gebe es bei der Koordination hinter dem Wandel zu gesünderer Ernährung einen „blinden Fleck“; ein branchenweites Ziel sei nötig, so Florian Wall, und schlägt vor: „Bis 2035 mindestens 38 % pflanzliche Proteinquellen und 32 % pflanzliche Milchprodukte.“
Details zur Planetary Health Diet finden Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: Planetary Health Diet | DGE
Die Studie von Madre Brava und PATOS Solutions gibt es hier: zur Studie