von Michael Schotten 2 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Studie: Klimawandel eröffnet neue Chancen für tropische Früchte in Europa

Während u.a. die Erzeuger und Anbieter von Kern- und Steinobst immer stärker die Folgen des Klimawandels zu spüren bekommen, könnte dieser den Anbau tropischer und subtropischer Früchte in Europa in den kommenden Jahrzehnten deutlich attraktiver machen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse von RaboResearch. 

Thermometer vor glühendem orangefarbenem Himmel
© Günter Albers - AdobeStock

Insbesondere für ausgewählte Regionen in Südeuropa ergeben sich demnach neue Perspektiven für Kulturen wie Avocados und Mangos. Gleichzeitig betonen die Autoren, dass die Chancen regional begrenzt bleiben und der Klimawandel allein noch keinen wirtschaftlich erfolgreichen Anbau garantiert. Die Nachfrage nach tropischen Früchten in Europa sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Besonders Avocados und Mangos hätten sich zu wichtigen Wachstumssegmenten entwickelt. Gleichzeitig bleibe Europa in hohem Maße auf Importe angewiesen: Rund 90 % der in der EU konsumierten tropischen Früchte stammen derzeit aus Ländern außerhalb der EU. Für europäische Erzeuger eröffnet diese Abhängigkeit laut den Analysten von RaboResearch Möglichkeiten, einen Teil des Angebots durch regionale Produktion zu ergänzen.

Avocados und Mangos besonders interessant

Die wirtschaftliche Attraktivität tropischer Früchte ergibt sich nicht allein aus der wachsenden Nachfrage. Auch die durchschnittlichen Importwerte liegen den Informationen von RaboResearch zufolge deutlich über denen der Kategorie frisches Obst insgesamt. Zwischen 2022 und 2024 lag der durchschnittliche EU-Importwert für frisches Obst bei rund 1,26 Euro pro Kilogramm. Tropische Früchte ohne Bananen und Ananas erreichten laut Studie dagegen durchschnittlich 2,54 Euro pro Kilogramm. Damit böten sie grundsätzlich interessante Wertschöpfungsperspektiven, insbesondere für kleinere und mittlere landwirtschaftliche Betriebe, die nach Alternativen zu traditionellen Kulturen suchen, so RaboResearch. Während beispielsweise Ananas sowie teilweise auch Avocados in wichtigen Produktionsländern außerhalb Europas bereits sehr kostengünstig erzeugt würden, könnten europäische Produzenten bei höherwertigen Produkten mit Frische, Qualität, Rückverfolgbarkeit und regionaler Herkunft punkten. Vor allem Avocados haben sich zu einem wichtigen Wachstumstreiber entwickelt. Die EU-Importe sind seit 2010 nahezu auf das Fünffache gestiegen. Gleichzeitig ist das Angebot saisonal unterschiedlich verfügbar. Während die Versorgung in den europäischen Sommermonaten traditionell stärker durch Lieferungen aus der südlichen Hemisphäre geprägt ist, kann es im Winter zu einer knapperen Verfügbarkeit kommen. Dies eröffne Möglichkeiten für europäische Anbieter, sofern sie zuverlässig hochwertige Ware liefern können, schlussfolgern die Autoren der Studie. Bei Mangos sei die Situation ähnlich, allerdings sei die Produktion stärker auf bestimmte Mikroklimata angewiesen. Wiederkehrende Angebotsengpässe zeigten zugleich, dass die Versorgung nicht immer stabil sei. So führten geringere Ernten in wichtigen Exportländern wie Peru zuletzt zu erheblichen Einschränkungen bei der Verfügbarkeit.