Dabei sei das Besondere, dass es nicht einzelne schwere Unwetter gegeben habe, sondern dass es eine Kombination „aus Häufung, großer räumlicher Ausdehnung und dem Zeitpunkt kurz vor oder während der Ernte“ gegeben habe, wie die Vereinigte Hagel erklärt. Schon Ende Mai und im Juni seien „erhebliche Hagelschäden“ aufgetreten, Mitte Juli hätten weitere Unwetter erntereife Bestände beschädigt. Bis Anfang September wurden deutschlandweit rund 600 Hageltage gezählt, was den Durchschnitt der Jahre 2016-2025 um 5 % übertreffe. Noch deutlicher zeige sich die Entwicklung bei den Schadenmeldungen, die um 11 % über Durschnitt lagen: rund 18.000 Meldungen gingen bis Anfang September bei der Vereinigten Hagel ein, wobei der Juli mit 6.765 Meldungen besonders stark vertreten war – eine Zahl, die ca. 56 % über dem Durchschnitt gelegen habe. Die Entschädigungsleistungen belaufen sich auf rund 115 Mio Euro, eine Hochrechnung geht von einem landesweiten Schadenvolumen von bis zu 300 Mio Euro aus.
Altes Land: Drei Hagelereignisse sorgen für über 30 Mio Euro Schaden
Besonders deutlich zeigen sich die Folgen im Alten Land: Drei schwere Hagelereignisse am 4. Juni, 9. Juni und 1. Juli verursachten dort bislang Schäden von mehr als 30 Mio Euro. Von den gut 8.300 ha Apfelanbaufläche waren rund zwei Drittel an mindestens einem der drei Schadentage betroffen, zahlreiche Flächen sogar mehrfach.
Dabei reichten die Folgen der Wetterextreme über reine Ertragsverluste hinaus, merkt die Vereinigte Hagel an, da beschädigte Äpfel teilweise in die Verarbeitung gingen, was Erlöse bedeute, die bis zu 80 % unter den Preisen für Frischobst lägen. Nur etwas weniger als die Hälfte der Obstbaubetriebe im Alten Land verfügten über eine Hagelversicherung, so das Unternehmen.
Bundesweit: Hagel und Dürre zeigen die Notwendigkeit der Vorsorge
Deutschlandweit waren rund 1.100 Betriebe an mindestens zwei verschiedenen Tagen von Hagel betroffen. Dazu kam eine Dürre, die vor allem in Süddeutschland beobachtet wurde – in Bayern habe es sich um den trockensten Zeitraum seit Beginn vergleichbarer Aufzeichnungen 1931 gehandelt. Der DRV schätzt den bundesweiten Dürreschaden 2026 auf rund 600 Mio Euro; die Versicherungsdichte gegen Dürre liegt bundesweit bei unter einem Prozent. Die Vereinigte Hagel sieht 2026 als „Weckruf“.
„Wir sollten nicht nach jedem Extremwetterereignis neu über staatliche (Ad-hoc-)Hilfen diskutieren – es braucht vielmehr eine planbare Vorsorge. Sinnvoll ist eine Kombination aus betrieblicher Eigenverantwortung, leistungsstarken Ernteversicherungen und staatlichen Förderinstrumenten, damit Absicherung wirtschaftlich tragfähig bleibt“, kommentierte Vorstandssprecher Dr. Philipp Schönbach.