Streit um Vermarktung: Fünf Gemüseerzeuger wollen eigene Wege gehen
Auf der Gemüseinsel Reichenau bahnt sich eine Trennung an: Fünf große Produktionsbetriebe wollen ihre Ware nicht länger über die genossenschaftliche Vermarktung absetzen. Wie die WELT berichtet, beschäftigt der Konflikt inzwischen die Justiz. Im Kern geht es um die Frage, wer die Ernte 2027 verkaufen darf.
Vor dem Landgericht Konstanz liegt ein Eilantrag der Reichenau-Gemüse-Vertriebs eG. Mit der beantragten einstweiligen Verfügung will die Vertriebsgenossenschaft die fünf Betriebe dazu verpflichten, bis Ende 2027 ihre komplette marktfähige Produktion weiterhin exklusiv über sie zu liefern. Den vorläufigen Streitwert beziffert das Gericht auf etwa 420.000 Euro.
Die betroffenen Erzeuger betreiben gemeinsam einen großen Gewächshausstandort in Singen-Beuren, wo sie vor allem Paprika, Gurken und Tomaten kultivieren. Ihre Mitgliedschaft in der Erzeugergenossenschaft Reichenau-Gemüse eG haben sie zum Jahresende aufgekündigt. Daneben existiert jedoch ein Rahmenliefervertrag mit der Vertriebsgesellschaft. Weil Erzeuger- und Vertriebsgenossenschaft rechtlich eigenständig sind – die eine organisiert die Produzenten, die andere kümmert sich um den Absatz –, ist nun strittig, welche Lieferpflichten nach den Kündigungen noch gelten.
Kostenfrage als Auslöser
Als zentralen Grund für ihren Rückzug führen die Betriebe die aus ihrer Sicht zu hohen Kosten an. Die Genossenschaft widerspricht: Ein Wechsel des Vermarktungspartners bringe nicht zwangsläufig Einsparungen. Für die Erzeugerorganisation steht viel auf dem Spiel, denn auf die fünf Betriebe entfallen etwa 40 % ihres Umsatzes.
Um die Erzeuger zu halten, soll die Genossenschaft angeboten haben, ihnen auch 2027 Hallen, Büroflächen und Kühlkapazitäten zu günstigen Konditionen zu überlassen – unter der Bedingung, dass die vereinbarten Mengen vollständig über die Genossenschaft laufen. Zu einer Einigung ist es bislang nicht gekommen.
Welche alternativen Vermarktungswege die Erzeuger künftig verfolgen könnten, ist bislang offen. Von Brancheninsidern erfuhr das Fruchthandel Magazin jedoch, dass sich die Erzeuger in engem Kontakt mit der Gemüsering-Gruppe befinden sollen.