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Spargel-Roboter-Treff: Die Technik ist da, man muss sie nur richtig einsetzen

Der Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro - Tendenz steigend. Gleichzeitig wird es zunehmend schwierig, motivierte, leistungsfähige Erntehelfer und Erntehelferinnen zu finden, die die gesamte Spargelsaison über im Betrieb arbeiten. 

Menschen sehen sich Spargel-Ernteroboter an
© VSSE e.V./Isabelle Bohnert

Das Interesse am Spargel-Roboter-Treff bei der OGA in Bruchsal und online war deswegen groß: Über 140 Spargelanbauer und Spargelanbauerinnen aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Österreich und Frankreich nahmen an der Veranstaltung teil. Die umfassende Praxisstudie wurde vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE) in Auftrag gegeben mit dem Ziel, den Spargelproduzenten eine unabhängige und fundierte Entscheidungsgrundlage zu einem frühen Zeitpunkt zu bieten. Im Mittelpunkt standen die Spargel-Ernteroboter von AvL Motion und Lommers, aber auch die Maschinen von Prefiro und Sylektis waren vor Ort zu sehen. 

„Wir sehen, dass die Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften zunehmend zum Problem wird. Der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten, und wir sind sehr dankbar für die Innovationskraft in diesem Bereich. Der Vorstand hat nicht gezögert, die Untersuchung mit einem fünfstelligen Betrag zu finanzieren. Die Erzeuger brauchen jetzt eine unabhängige Entscheidungsgrundlage. – Dazu wollte der VSSE seinen Beitrag leisten“, erklärt Simon Schumacher, VSSE-Vorstandssprecher. 

Ernte mit Spargel-Roboter: Technik ist nicht das Problem

Der erfahrene Spargelerzeuger Rolf Meinhardt (VSSE) und die Arbeitswirtschaftlerin Monika Schulz (ratiochron) haben die Ernteroboter, die bereits am Markt sind, im Realeinsatz in den Niederlanden, Belgien und Deutschland intensiv untersucht und ihre methodische Vorgehensweise sowie die Ergebnisse auf dem Spargel-Roboter-Treff vorgestellt. Anhand der Kriterien wie Stangenanzahl, Qualität und Zeitaufwand haben sie die beiden Maschinen der Handernte gegenübergestellt. Sie haben aufgezeigt, dass die Maschinenleistung stark von Faktoren wie Folienzustand, Dammqualität, Reihenlänge und Stangendichte abhängt.

Die Ergebnisse der Analysen machen deutlich: Wenn es Probleme gab, dann nicht aufgrund unausgereifter oder anfälliger Technik, sondern vor allem wegen schlechter Feldbedingungen sowie mangelhaftem Folieneinsatz. Es gab Felder, die zuvor von Hand beerntet wurden und ein ungleiches Dammniveau und Löcher aufwiesen, zu weit herausgewachsener Spargel, eine starke Verunkrautung des Dammes oder eine unzureichende Qualität der eingesetzten Schwarz-Weiß-Folie (z. B. Löcher in der Folie) und ungleichen Folienlängen (Folie auf der einen Seite des Damms zu kurz oder zu lang). 

Maßgebliche Unterschiede zwischen AvL und Lommers

In dem 4,5 t schweren Spargel-Ernteroboter von AvL sei eine komplexere Technik verbaut als bei Lommers. Die Investitionskosten liegen etwa doppelt so hoch. Die drei bis vier robusten Stechgeräte stechen den Spargel von oben. Die Anforderungen an den Damm seien hoch: Das Dammniveau muss überall gleich sein, der Boden darf nicht zu hart sein. Die Spargelstangen werden hinten entgegengenommen, und zu kurze Stangen oder Spargelbruch können gleich aussortiert werden. Alles, was als weiß gesehen wird, wird für Spargel gehalten. Deswegen sollte der Damm möglichst frei von Unkraut gehalten werden.

Die 2,7 t schwere Maschine von Lommers sei kompakter, kleiner und sehr wendig. Sie funktioniere auch bei Spargeldämmen mit Minitunnelfolie. Der Stechvorgang funktioniere von beiden Seiten seitlich, so dass auch Spargelstangen an den Seiten des Dammes geerntet werden können. Die Spargelstangen werden von einer Person eingesammelt, die hinten seitlich an der Maschine sitze. Die Maschinen kann auch auf Dämmen arbeiten, auf denen zuvor von Hand geerntet wurde, sei weniger anspruchsvoll als die Maschine von AvL.

Die Ernteroboter von AvL habe bessere Ernteergebnisse erzielt, aber hatte auch bessere Grundvoraussetzungen. Beim Wenden kann man bei beiden Maschinen, wenn man die Länge der Dämme entsprechend wählt, und ausreichend Vorgewende hat, bis zu 20 % Zeit einsparen. 

Bei Stech- und Dammqualität schlägt Ernteroboter Handernte

Richtig eingestellt und auf gut geformten Dämmen machen die beiden Ernteroboter einen guten Job: Die Spargelstangen haben die optimale Länge und einen glatten Schnitt. Ausgefranste Stangen, angeschälte Stangen oder viel zu lange Stangen gibt es bei einer Durchfahrt mit dem Spargel-Ernteroboter weniger als bei der Handernte. Hinzu komme, dass der Ernteroboter so gut wie alle Stangen ernte, und die Auswertung alle Spargelstangen umfasse, währenddessen bei der Handernte die ein oder andere Spargelstange auf dem Feld bleibe, um zu einem besseren Ernteergebnis zu kommen. Ein weiterer Vorteil des Robotereinsatzes sei, dass die Dammqualität besser sei als bei der Handernte, was dem Boden und den Spargelpflanzen zugutekomme. 

Ist-Zustand mit Kennzahlen der Handernte und Wirtschaftlichkeitsberechnung

Monika Schulz betont, wie wichtig es sei, erst einmal die Ist-Situation zu kennen sowie die Kennzahlen der Handernte im eigenen Betrieb vorliegen zu haben und auch eine Vollkostenrechnung mit allen anfallenden Kosten der Saisonarbeitskräfte aufzumachen. Auch gilt es zu priorisieren, welches Ziel man mit der Anschaffung eines Spargel-Ernteroboters verfolge: wie bspw. Arbeitskräfte einsparen, Arbeitskosten reduzieren, Erntekapazität erhöhen, Ernte bei schwieriger Erntekräfteverfügbarkeit absichern oder Erntequalität verbessern.

Ernteroboter-Einsatz erfordert Anpassungen im Anbau

Nur vom Ernteertrag her gesehen lohnt sich laut Rolf Meinhardt der Einsatz eines Spargel-Ernteroboters ab 5.000 Stangen bzw. 350 kg bis 400 kg Spargel pro Hektar. Er sieht sie nur als rentabel an, wenn sie im Drei-Schicht-System laufen. Am Ende muss sich jeder Spargelanbauer und jede Spargelanbauerin laut Rolf Meinhardt die Frage stellen: „Will man sich mit den Leuten herumärgern oder mit dem Ernteroboter?“

Klar wurde bei den Präsentationen: So leicht wird die Entscheidung für und gegen den Roboter nicht. Ein intensives Auseinandersetzen mit der Thematik und bei der Entscheidung für einen der Ernteroboter mit dessen Technik und Erfordernissen sei unerlässlich. 

Spargel-Ernteroboter: Die Entwicklungen gehen weiter

Die Entwicklungen gehen bei den Spargel-Ernterobotern immer weiter: 

Die Spargel-Ernteroboter von AvL motion und Lommers erreichen jetzt schon wieder eine schneller Fahrtgeschwindigkeiten.

Prefiro zeigt auf der expoSE 2026 eine leichtere Version des Spargelroboters, der über einen Traktor angetrieben wird. In der Saison 2026 war das Unternehmen bei acht Betrieben im Testeinsatz. Dabei wurden noch weitere Entwicklungen und Verbesserungen durchgeführt. Prefiro wird 2027 mit einem Mietmodel bei zehn Betrieben starten und mit der Maschine 2028 an den Markt gehen. 

Sylektis hat zwei Maschinen: Eine Maschine für weißen Spargel und Grünspargel, wenn ein Umbau erfolgt. Eine Person kann mehrere Maschinen gleichzeitig bedienen. Die Maschinen arbeiten komplett autonom. Eine andere Maschine, die über mehrere Reihen, Grünspargel ernten kann. Sylektis plant 20 Maschinen in den nächsten drei Jahre zu verkaufen.

„Die Maschinen werden besser, und irgendwann, ich denke mal in zehn Jahren, wenn wir uns wieder treffen, wird die Hälfte, garantiere ich, nicht mehr da sein, die andere Hälfte wird Maschinen haben. Wenn man das mit den Löhnen akkurat sieht, dann sind wir dazu einfach gezwungen“, schließt Rolf Meinhardt.