von Inga Detleffsen 3 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Produzenten aufgebracht: „Lidl ist nicht mehr Partner der französischen Landwirtschaft“

Die Vereinigung französischer Fruchtproduzenten (Fédération Nationale des Producteurs de Fruits, FNP Fruits) hat sich mit einer Meldung an die Öffentlichkeit gewandt, in der die Branche ihren Unmut sehr deutlich zeigt: Lidls Aussagen zur Unterstützung der französischen Landwirtschaft entsprächen nicht den Tatsachen, heißt es dort.

Türkische Aprikosen in Plastikverpackungen
© FNP Fruits

„Mit dem Verkauf von türkischen Aprikosen minderer Qualität zu hohen Preisen, mitten in der französischen Produktionssaison, bestätigt die Kette LIDL, DASS SIE NICHT MEHR PARTNER DER FRANZÖSISCHEN LANDWIRTSCHAFT IST“, erklärt die FNP Fruits - und ja, die Großbuchstaben sind im Original so enthalten. 

Seit mehreren Monaten werde der deutsche Discounter von den französischen Obst- und Gemüseproduzenten der Kategorien Tomaten, Erdbeeren und Birnen kritisiert. Nun gehe die Kette „noch einen Schritt weiter in Richtung 'inakzeptabel'“ und biete türkische Aprikosen „von sehr schlechter Qualität zu hohen Preisen an“, heißt es in der Mitteilung.

FNP Fruits begründet ihre Aussage wie folgt:

Die Früchte seien größtenteils „unreif und geschmacklich uninteressant“, generell „sehr klein“ - mehrere Früchte wiesen Kaliber unterhalb des erlaubten Mindestdurchmessers auf. Aufgrund ihrer Herkunft profitierten die Aprikosen von „deutlich weniger strengen technischen Auflagen“ als jene aus französischem Anbau. Die CO2-Bilanz der Früchte sei „bedauerlich“ und „weit entfernt“ von dem umweltfreundlichen Engagement, mit dem sich die Kette „häufig brüstet“. 

Der Kilopreis von knapp 6 Euro (bzw. 1,98 Euro/350-g-Schale) entspreche dem Doppelten der aktuellen Konkurrenzpreise.

„Es bleibt dennoch Konkurrenz“

Unter diesen Umständen „werden die französischen Landwirt:innen es nicht länger hinnehmen“, dass Lidl sich als „Partner der französischen Erzeuger“ rühmt, wie es insbesondere anlässlich der französischen Landwirtschaftsmesse Salon de l'Agriculture geschehen sei. „Das nennt man irreführende Werbung!“, so das Statement seitens FNP Fruits.

Dabei sei die Tatsache, dass es sich um ein tendenziell anderes Segment handele, nebensächlich: „Es handelt sich zwar nicht um optisch identische Produkte, aber es bleibt dennoch Konkurrenz“, erklärte die Vereinigung auf Nachfrage des Fruchthandel Magazins, schließlich sei die Saison für französische Aprikosen aktuell in vollem Gange. „Unsere Regierung rühmt sich, die französische Produktion zu fördern, um die französische Ernährungssouveränität zu stärken, und die Handelsketten führen dieselbe Rhetorik“, hieß es in der Reaktion abschließend. 

„Es schadet dem Vertrauensverhältnis“

Raphaël Martinez und Alexi Bois, Direktor und Präsident der französischen Steinobstvereinigung AOP Pêches et Abricots de France, zeigten sich vom Verhalten des Discounters „überrascht“. Es sei „schwer verständlich“, warum türkische Aprikosen in den Regalen westeuropäischer Supermärkte zu finden seien, kommentierten sie auf unsere Nachfrage. In Bezug auf Lidl erklärten sie, das Preis-Leistungsverhältnis der türkischen Aprikosen, wie oben erwähnt bei knapp 6 Euro pro Kilo, sei für die Kunden des Discounters alles andere als vorteilhaft.

Zudem, wie auch seitens FNP Fruits hervorgehoben, entsprächen die Früchte nicht vollständig den geltenden europäischen Vorschriften. Der Händler gehe so das Risiko ein, von der Behörde für Betrugsbekämpfung belangt zu werden. Zudem könnten sich Erzeuger aus Frankreich, Spanien, Italien und Griechenland fragen, was dies hinsichtlich der an sie gestellten Forderungen im Anbau bedeute, vor allem im Bereich Pflanzenschutz. 

„Sicher ist, dass diese Art von Vorgehen dem Vertrauens- und Treueverhältnis, das die Kette zu ihren landwirtschaftlichen Partnerbetrieben aufgebaut hat, schadet“, stellten sie fest. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Angelegenheit weiter entwickele, so Martinez und Bois.