Peru exportiert mehr Ingwer für weniger Umsatz
Der peruanische Ingwer durchläuft eine Saison, die von einem Paradoxon geprägt ist, berichtet agraria.pe: Es wird mehr verkauft, aber der Umsatz pro Kilogramm sinkt.
Dies stellt Sofía del Río, Expertin für internationalen Handel und Agrarwirtschaft, in einer Marktanalyse fest, die auf den Stand vom 15. Oktober 2026 aktualisiert wurde. „Wir können mehr Produkt exportieren und gleichzeitig weniger Wert pro verkauftem Kilogramm erzielen“, fasst sie zusammen.
Nach Angaben von PROMPERÚ auf der Grundlage von Daten der SUNAT exportierte Peru im Jahr 2025 52.423 t Ingwer im Wert von 88,01 Mio US-Dollar FOB. Im Vergleich zu 2024 stieg das Volumen um 9,93 %, während der Wert um 14,86 % sank. Dieser Trend setzte sich zwischen Januar und Juli 2026 fort: 28.741 t, 20,83 % mehr als im gleichen Zeitraum des Jahres 2025, jedoch mit einem Wert von 45,19 Mio US-Dollar, was einem Anstieg von lediglich 1,06 % entspricht.
Die USA sind der wichtigste Bestimmungsmarkt. Nach von FreshFruit veröffentlichten Daten lieferte Peru zwischen Januar und April 2026 rund 11.028 t im Wert von 19,1 Mio US-Dollar, gegenüber 8.339 t im Wert von 21,5 Mio US-Dollar im gleichen Zeitraum des Jahres 2025. Dies entspricht einem Anstieg von rund 32 % beim Volumen und einem Rückgang von etwa 11 % beim Wert. Der durchschnittliche FOB-Preis sank von 2,57 US-Dollar auf 1,73 US-Dollar pro Kilogramm, was einem Rückgang von fast 33 % entspricht.
Del Río stellt klar, dass der durchschnittliche FOB-Preis weder dem Großhandelspreis in den USA noch dem Preis entspricht, den der Landwirt erhält, betrachtet ihn jedoch als Warnsignal. Ihrer Meinung nach geht es im Kern um etwas anderes: „Die strategische Frage lautet nicht nur, wie viel Ingwer wir in die Vereinigten Staaten liefern können, sondern wie viel Wert wir pro exportiertem Kilogramm erhalten können.“ Branchenberichte aus September und Oktober deuten auf eine größere Produktverfügbarkeit sowie auf Konkurrenz durch Brasilien und China hin. „Gestión“ brachte die Schwierigkeiten in Europa zudem mit einer möglichen Umleitung peruanischer Mengen in die USA in Verbindung, was die Expertin jedoch mit Vorsicht zu interpretieren rät.
Europa: Marktzugang hängt von Einhaltung der Vorschriften ab
Auf dem europäischen Markt sei der gesundheitliche Aspekt entscheidend. Die Durchführungsverordnung (EU) 2026/826 lege neue pflanzengesundheitliche Anforderungen für Ingwer- und Kurkuma-Rhizome aus Drittländern fest, wobei die Einhaltung dieser Anforderungen auf Gebieten, die frei vom Bakterium Ralstonia pseudosolanacearum seien, oder auf registrierten und überwachten Produktionsstätten basiere, ergänzt durch Inspektionen, Analysen und Rückverfolgbarkeit. Del Río betont, dass es sich nicht um ein generelles Verbot für peruanischen Ingwer handelt, sondern um Anforderungen, deren Erfüllung nachgewiesen werden muss. „Die Pflanzengesundheit ist keine rein technische Angelegenheit mehr“, erklärt sie. „Sie wird zu einem Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und die Kontinuität des Handels.“
Für die Ingwer- und Kurkuma-Exporteure stellt die Expertin einen grundlegenden Wandel fest: Die Einhaltung der Pflanzenschutzvorschriften und die Rückverfolgbarkeit gewinnen zunehmend an Bedeutung, um den Zugang zu internationalen Märkten zu sichern. Die Einhaltung der Anforderungen und die Vermeidung von Problemen bei den Lieferungen, so warnt sie, hängen von der Koordination zwischen Erzeugern, Qualitätsteams, Labors und Exporteuren ab. „Exportieren bedeutet nicht nur, die Handelsqualität zu erfüllen, sondern auch die Pflanzengesundheit und die Rückverfolgbarkeit vom Feld bis zum Bestimmungsort zu gewährleisten“, betont sie. Unternehmen, die nicht darauf vorbereitet seien, müssen mit Verzögerungen, Mehrkosten oder entgangenen Geschäftsmöglichkeiten rechnen.
Kleiner Akteur in von Giganten dominiertem Markt
Nach Angaben von FAOSTAT belief sich die weltweite Produktion im Jahr 2024 auf rund 4,89 Mio t. Indien lag mit etwa 47,7 % an der Spitze, gefolgt von Nigeria (15,7 %) und China (12 %). Peru trug etwa 81.700 t bei, was rund 1,7 % entspricht. Bei den Exporten im Jahr 2025 stechen laut Weltbank auf Basis von UN Comtrade China (630,4 Mio US-Dollar), Indien, die Niederlande, Thailand und Brasilien hervor. Die Expertin weist darauf hin, dass diese Zahlen aufgrund von Unterschieden in der Zollklassifizierung nicht direkt mit den peruanischen Statistiken vergleichbar seien und dass die Niederlande weitgehend als Reexportzentrum fungieren. Ihr Fazit: „Ein reiner Preiswettbewerb mag zwar einen einmaligen Verkauf erleichtern, schafft aber kaum einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.“
Del Río weist darauf hin, dass die verfügbaren Informationen keine Quantifizierung eines Preisrückgangs ab Hof zulassen, weshalb es falsch wäre anzunehmen, dass der Landwirt aufgrund des Rückgangs des durchschnittlichen FOB-Preises 33 % verloren habe. Dennoch warnt sie, dass sich die Margen verengen könnten, sollten die internationalen Preise nachgeben und die Kosten hoch bleiben, wobei kleine Erzeuger, die über weniger Liquidität und Lagerkapazitäten verfügen, stärker gefährdet wären. Branchenberichte vom Oktober warnen zudem vor Risiken durch Regenfälle und ein mögliches El-Niño-Phänomen für die Produktion, die Straßen und die Logistik – Szenarien, die im Auge behalten werden müssen und nicht als selbstverständlich angesehen werden dürfen.
Die Expertin schlägt vor: das Angebot besser anhand von Informationen über Anbauabsichten, Mengen und Erntezeitpläne zu koordinieren; den Zugang zum europäischen Markt durch verstärkte Pflanzenschutzkontrollen und Rückverfolgbarkeit zu sichern; Absatzmärkte und Vertriebskanäle zu diversifizieren; durch Qualität, Konsistenz und nachprüfbare Zertifizierungen im Wertwettbewerb zu bestehen; sowie nachhaltigere Beziehungen zu den Erzeugern aufzubauen, mit gemeinsamer Planung und realistischen Vereinbarungen. Keine Maßnahme allein garantiere eine Erholung der Preise, stellt sie klar, aber alle trügen dazu bei, der Volatilität zu begegnen.