von Inga Detleffsen 2 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Kirschen zum Selbstpflücken: mehr Konsumenten-Kontakt, weniger Kosten

Immer wieder ist der Kontakt zum Konsumenten ein Thema: Informationen sollen übermittelt werden, zum Produkt, der Marke dahinter, dem Nährwert, dem Mehrwert. Manchmal werde eigens jemand eingestellt, um in der Obst- und Gemüseabteilung mit hilfreichen Details den Kauf anzuregen - doch das kostet Geld, genauso wie besondere Verpackungen, stellt Gian Basilio Nieddu auf myfruit.it fest.

Kirschen selbst pflücken
© CiliegiaMI.it

Doch der Trend zu QR-Codes oder der Einbindung von KI, um mehr Informationen zu vermitteln, zeigt: die Konsumenten möchten mehr wissen - das aber gezielt. Es gehe also nicht darum, Werbebotschaften zu vermitteln, sondern immer stärker auch um Aufklärung und Transparenz, so Nieddu.

Wie könnten Konsumenten also noch näher an die tatsächliche Produktion herangeholt werden? Nicola Micheletti und Matteo Locatelli, zwei junge Landwirte aus Bergamo, haben das Selbstpflück-Prinzip - hierzulande meist bei Erdbeeren bekannt und beliebt - für sich entdeckt. Ihr Projekt heißt "CiliegiaMI", das MI steht für die nahe Metropole Mailand: Knapp eine halbe Stunde vom Mailänder Dom entfernt liegt ihr 10 ha großer Obstgarten, auf dem 6.000 Bäume mit 20 unterschiedlichen Sorten zu finden sind, was nicht nur Geschmacksvielfalt, sondern längere Erntezeiträume ermöglicht. 

Mehr erleben, mehr lernen - und mehr sparen

Die verschiedenen Kirschenvarietäten sorgen für ein "immersives Lernerlebnis", das die eigene Erfahrung mit Wissensvermittlung rund um den Anbau, die Sorten und die Region verknüpft. Die Möglichkeit, Kirschen aus nächster Nähe zu erleben und einen direkten Kontakt zu den Erzeugern zu knüpfen sei nicht nur ein touristisches Erlebnis, sondern eine Gelegenheit, Wissen über Obst und Gemüse zu vermitteln, so Nieddu. Konsumenten zu informieren sei längst nicht mehr Nebensache, sondern "zentraler Bestandteil der Beziehung zwischen Erzeugung, Handel und den Menschen", betont er. 

Angesichts steigender Kosten für Logistik und Arbeitskräfte ist das Konzept natürlich zusätzlich interessant - so zahlen die Konsumenten laut ihrer Webseite 10 Euro pro gepflücktem Kilo, ohne dass weitere Ausgaben für die Vermarktung entstehen. Eine Idee, die aufzugehen scheint: Auf ihrer Instagram-Seite teilten die beiden Landwirte bereits zum Wochenstart mit, dass alle aktuell reifen Kirschen bereits gepflückt seien und vertrösteten Selbstpflücker auf die Folgewoche.