von Inga Detleffsen 4 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

„Keine Oberkronenberegnung von 6 bis 21 Uhr“: Südtirol reagiert auf anhaltende Trockenheit

Nach einer außergewöhnlich langen Trockenperiode mit hohen Temperaturen, fehlenden Schneereserven und unzureichenden Niederschlägen und einer Empfehlung des Wassernotstandskomitees vom 16. Juli hat der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher am 20. Juli per Dekret mehrere Maßnahmen erlassen, um die Wasserversorgung Südtirols in den kommenden Wochen zu sichern.

Tropfbewässerung bei Apfelbäumen
„Jeder Liter Wasser, den wir heute einsparen, hilft mit, die Versorgung in den kommenden Wochen zu sichern.“
© Südtiroler Apfelkonsortium

Wie die Landesverwaltung mitteilt, hatten sich die verfügbaren Wasserressourcen im Einzugsgebiet der Etsch zuletzt deutlich reduziert. Der Ablauf der Etsch im Unterlauf habe wiederholt unter dem Richtwert von 80 m³ pro Sekunde gelegen, was nötig sei, um das Eindringen von Salzwasser aus dem Meer in die Trinkwasserressourcen zu verhindern.

„Jeder Liter Wasser, den wir heute einsparen, hilft mit, die Versorgung in den kommenden Wochen zu sichern“, erklärte der Südtiroler Landesrat für Natur-, Umwelt- und Klimaschutz Peter Brunner. Die derzeitige Situation erfordere einen „bewussten und sparsamen Umgang mit der Ressource Wasser“. Es handele sich um eine „notwendige Reaktion auf eine außergewöhnliche Trockenperiode”, erklärte Brunner.

Die nun beschlossenen Maßnahmen sollen dazu führen, den Wasserverbrauch zu reduzieren und die verfügbaren Ressourcen gezielt einzusetzen, um die Trinkwasserversorgung zu sichern und die Auswirkungen der Trockenheit auf Landwirtschaft, Umwelt und Wirtschaft möglichst gering zu halten, erklärte die Landesverwaltung.

Sämtliche Nutzer von Wasser, „insbesondere in der Landwirtschaft“, werden „auf das Dringlichste“ aufgefordert, „äußerst sparsam, nachhaltig und effizient“ mit Wasser umzugehen und den Verbrauch „auf das notwendige Minimum“ zu beschränken, heißt es zu Beginn des Dekrets. 

Keine Oberkronenberegnung zwischen 6 und 21 Uhr

Laut der Südtiroler Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz stellt die Landwirtschaft mengenmäßig und auch nach Anzahl der Anlagen die größte Nutzung in Südtirol dar: Pro Jahr verwende sie rund 150 Mio m³ Wasser, es gebe insgesamt über 8.000 Beregnungsanlangen, die aus 6.200 Tiefbrunnen gespeist würden. Die Oberkronenberegnung sei in Südtirol noch weit verbreitet, da sie auch für den Frostschutz verwendet werden könne. Zunehmend setzten sich jedoch auch alternative Techniken wie die Tropfbewässerung durch, vor allem in wasserärmeren Gebieten der Region, heißt es seitens der Agentur. 

Das Dekret untersagt nun die Bewässerung mittels Oberkronenberegnung zwischen 6 und 21 Uhr, sofern die Anlagen nicht an einen Turnus gebunden oder mit Tropfern ausgestattet sind. 

Apfelkonsortium: 80 Prozent über Tropfbewässerung

Das klingt zunächst dramatisch - ist es dann aber doch (noch) nicht: Die Südtiroler Apfelwirtschaft habe „in den vergangenen Jahrzehnten konsequent in wassersparende Bewässerungssysteme investiert”, erklärt Harald Weis, Obmann des Südtiroler Apfelkonsortiums, gegenüber dem Fruchthandel Magazin. „Heute erfolgen rund 80 % der Bewässerung über effiziente Tropfbewässerung, während die Oberkronenbewässerung in Ausnahmefällen eingesetzt wird, beispielsweise im Frühjahr im Rahmen der Frostberegnung”, fährt er fort. Dank dieser Maßnahmen könne man „verantwortungsvoll mit der Ressource Wasser umgehen” und gleichzeitig „die gewohnt hohe Qualität unserer Äpfel sicherstellen”, betont Weis.

Gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten

Die Betreiber der strategischen Staubecken Vernagt, Reschen, Zoggler und Zufritt werden im Dekret aufgefordert, den sog. pulsierenden Abfluss (Hydro-Peaking), also die durch den Kraftwerksbetrieb verursachten Schwankungen im Wasserabfluss der Etsch, durch geschicktes Produktionsmanagement zu reduzieren.

Wasserableitungen sollen künftig verstärkt kontrolliert werden, insbesondere im Hinblick auf genehmigte Ableitungszeiträume und vorgeschriebene Restwassermengen. Ein besonderes Augenmerk gelte Entnahmen aus Kanälen oder Gräben zur Gartenbewässerung. 

Weitere Bereiche betreffen die Bewässerung von privaten, öffentlichen oder touristisch genutzten Grünflächen. Nicht explizit erwähnt werden allerdings die Hotelbetreiber - für Südtiroler Anwohnende ein Dorn im Auge, wie die Kommentarspalte einer Südtiroler Tageszeitung unter einem entsprechenden Artikel zeigt. "So lang die Wellnesstempel mit ihren Pools ungehindert laufen, erzählt mir niemand was vom Wasser sparen", heißt es da unter anderem. 

Wasser wird in den kommenden Wochen eine noch wertvollere Ressource sein. Die Landwirtschaft ist darauf angewiesen, gleichzeitig trägt sie aber auch Verantwortung für einen sparsamen Umgang mit dem verfügbaren Wasser. Die beschlossenen Maßnahmen sind Ausdruck einer gemeinsamen Anstrengung aller Sektoren”, bewertet Landwirtschafts-Landesrat Luis Walcher den Schritt.

Die Einhaltung der Bestimmungen im Bereich landwirtschaftliche Bewässerung überwachen laut Dekret die Forststationen und Gemeinden; Übertretungen sollen dem Amt für nachhaltige Gewässernutzung gemeldet werden. Man werde die Entwicklung fortlaufend beobachten, um bei Bedarf nachsteuern zu können, heißt es in der Mitteilung der Südtiroler Landesregierung abschließend.

Wie sich Südtirols Apfelspezialisten von VOG und VIP zum Thema Wasser äußern, lesen Sie hier: zum Artikel

Tropfbewässerung bei Apfelbäumen
„Heute erfolgen rund 80 % der Bewässerung über effiziente Tropfbewässerung", erklärt Harald Weis, Obmann des Südtiroler Apfelkonsortiums
© Matthias Kottersteger - Südtiroler Apfelkonsortium