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HS Osnabrück und Fachgruppe Obstbau entwickeln Richtlinie für nachhaltigen Obstbau

Drei Männer stehen nebeneinander, der in der Mitte hat einen Ordner, auf dem IP steht.
v.l.: Claus Schliecker, Vorsitzender Bundesfachgruppe Obstbau, Prof. Dr. Werner Dierend, Hochschule Osnabrück, Projektleiter und Nico Sachs, Hochschule Osnabrück, Projektmitarbeiter
© Magnus Contzen | projekt m/c GmbH

Wenn im Herbst die Äpfel geerntet werden, steckt darin weit mehr als die Arbeit am Baum. Wie viel Wasser wurde benötigt? Wie wurde der Boden geschützt? Welche Rolle spielen Nützlinge und Biodiversität? Und wie lässt sich der Anbau an die zunehmende Hitze und Trockenheit anpassen? Diese und ähnlichen Fragen haben sich Forschende der Hochschule Osnabrück gemeinsam mit der Bundesfachgruppe Obstbau im Rahmen des Projekts „IP 2030“ gestellt. Das Ergebnis ist eine Richtlinie für die integrierte Produktion von Obst (IP), die sich sowohl an Personen aus dem Obstbau als auch an Politik, Handel, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die interessierte Öffentlichkeit richtet. Das Projekt „IP 2030“ startete im April 2021 und wird durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert. Anlässlich des Projektendes Ende September stellte Prof. Dr. Werner Dierend, Professur für Obstbau, bei der Sommertagung der Bundesfachgruppe Obstbau in Jork die Ergebnisse der Forschung vor.

Ganzheitlicher Blick auf den Obstbau

Die Richtlinie nimmt den Obstbau als Ganzes in den Blick. Sie zeigt, wie ein nachhaltiger Anbau mit Wasser, Energie und anderen Ressourcen sowie der Erzeugung hochwertiger Lebensmittel zusammenhängt. Ein Schwerpunkt liegt auf den Themen, die für den Obstbau und die Gesellschaft gleichermaßen wichtig sind. Dazu gehören der Umgang mit den Folgen des Klimawandels, der Erhalt der biologischen Vielfalt sowie der Schutz von Böden, Gewässern und Grundwasser. „Die Anlage von Blühstreifen und Sandflächen für Insekten in der Obstanlage, Hecken, Nisthilfen für Vögel, torfreduzierender Anbau oder eine wassersparende Tropfbewässerung sind beispielsweise wichtige Maßnahmen“, führt Prof. Dr. Werner Dierend an. Darüber hinaus behandelt die Richtlinie Fragen zu Energie- und Treibhausgasbilanz, zum Abfallaufkommen und zu Lebensmittelverlusten bei der Erzeugung von Obst. Zudem bietet sie aktuelle fachliche Erkenntnisse für die Obstbaupraxis und gibt Orientierung bei Fragen rund um Anbau und Pflanzenschutz. „Eine zentrale Rolle in der Richtlinie nimmt der integrierte Pflanzenschutz ein. Er steht beispielhaft für die Weiterentwicklung der integrierten Produktion: Pflanzenschutz wird nicht als einzelne Maßnahme verstanden, sondern als differenzierter Entscheidungsprozess“, erläutert Joerg Hilbers, Geschäftsführer Fachgruppe Obstbau. Vorrang haben vorbeugende anbau- und kulturtechnische Maßnahmen – etwa Standort-, Sorten- und Unterlagenwahl, die Förderung der Pflanzengesundheit und die Nutzung natürlicher Regulationsmechanismen. Erst wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, kommen direkte Verfahren in Betracht. Dabei werden u.a. Befallsentwicklung, Schad- und Eingreifschwellen, Witterung, Kulturzustand, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit sowie mögliche Auswirkungen auf Umwelt, Nützlinge und Produktqualität gegeneinander abgewogen.
Der Anlass für die Neufassung waren veränderte rechtliche Rahmenbedingungen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse sowie die Auswirkungen des Klimawandels auf den Obstbau. Die Hochschule hat hier nicht einfach einen wissenschaftlichen Leitfaden am Schreibtisch entwickelt, sondern Wissenschaft, Beratung und Obstbaupraxis zusammengebracht. Die Richtlinie stellt die gelebte Praxis der Obstbaubetriebe in Deutschland im Rahmen der IP dar. Im Unterschied zu einer gesetzlichen Vorgabe versteht sich die Richtlinie als fachlicher Leitfaden für die Praxis.