von Michael Schotten 2 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Fruchthandel im Fokus: Klimawandel erhöht Anpassungsdruck im Obst- und Gemüsebau

Die europaweite Hitzewelle im Juni hat den Anpassungsdruck für die Landwirtschaft erneut deutlich gemacht. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Europa auf extreme Klimaereignisse unzureichend vorbereitet. Gleichzeitig warnen die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), dass zunehmende Hitze, Dürre und Wetterextreme die Agrarproduktion und die Ernährungssicherheit immer stärker gefährden. Aktuelle Klimadaten bestätigen die Entwicklung.

Salat wird bewässert
© Studio Nova/AdobeStock

Der Bericht Indicators of Global Climate Change beziffert die menschengemachte Erderwärmung für das Jahr 2025 auf 1,37 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Gleichzeitig erreicht das Ungleichgewicht im Wärmehaushalt der Erde einen historischen Höchststand. Klimaforschende warnen, dass bei anhaltend hohen Treibhausgasemissionen die 1,5-Grad-Grenze bereits innerhalb weniger Jahre überschritten werden könnte.

Für den deutschen Obst- und Gemüsebau sind die Folgen bereits spürbar. Neben längeren Hitze- und Trockenperioden nehmen auch Starkregen, Hagel und Spätfröste zu. Durch die steigenden Durchschnittstemperaturen beginnen Austrieb und Blüte vieler Obstarten deutlich früher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Dadurch erhöht sich das Risiko von Frostschäden während der Blüte erheblich. 

Als Reaktion investieren viele Betriebe in Hagelschutznetze, Frostschutzberegnung, Heizsysteme sowie moderne Bewässerungstechnik. Diese Maßnahmen verursachen jedoch erhebliche Mehrkosten, die nach Einschätzung der Branche häufig nicht über die am Markt erzielbaren Erzeugerpreise refinanziert werden können. Gleichzeitig erfordern langfristige Investitionen in Obstanlagen eine hohe Planungssicherheit, während klimatische Risiken immer schwieriger kalkulierbar werden.

Verschiebungen auf der Produktionslandkarte

Nach Ansicht des Fruchthandelsexperten Hans-Jürgen Kirsch, den ich für das Fokus-Thema befragte, besteht zudem Nachholbedarf bei der Absicherung klimabedingter Risiken. Während Spanien über ein staatlich unterstütztes öffentlich-privates Versicherungssystem verfüge, seien entsprechende Instrumente in Deutschland deutlich weniger entwickelt, so Kirsch. Der Klimawandel verändert nach Einschätzung von Hans-Jürgen Kirsch außerdem die europäische Produktionslandkarte. So verlagere sich der Anbau verschiedener Steinobstarten zunehmend aus traditionellen Anbauländern wie Frankreich oder Italien in klimatisch günstigere Regionen wie Spanien oder die Türkei. 

Gleichzeitig entstehen aber auch in Deutschland neue Anbaupotenziale für wärmeliebende Kulturen wie Pfirsiche, Aprikosen oder Nektarinen. Bei alldem kommt der Absicherung der Wasserverfügbarkeit künftig eine Schlüsselrolle zu. In diesem Zusammenhang gewinnt die Wasser-Resilienz-Strategie der Europäischen Kommission an Bedeutung. Sie setzt auf eine effizientere Wasserbewirtschaftung sowie auf Forschung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. 

Feststehen dürfte schon jetzt: Sensorbasierte Bewässerungssysteme, digitale Wassersteuerung und intelligente Prognosemodelle werden zukünftig in erheblichem Maße dazu beitragen, Wasser zielgerichteter einzusetzen und die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.

Lesen Sie das vollständige Fokus-Thema in Ausgabe 16/2026 des Fruchthandel Magazins.