Erfassung von Geodaten in Apfelanlagen am Versuchszentrum Laimburg
Anlässlich des Open Day LIDO 2026 wurden innovative Technologien vorgestellt, die nicht nur die präzise Lokalisierung jeder einzelnen Pflanze ermöglichen, sondern auch die Erfassung wichtiger Daten für die Bewirtschaftung von Obstanlagen und Weinbergen, so das Versuchszentrum Laimburg.
Ziel ist die Erstellung hochauflösender Karten, die als Grundlage für die Präzisionslandwirtschaft dienen, etwa für gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen, die Überwachung der Kulturen und das autonome Fahren landwirtschaftlicher Maschinen. LIDO, das digitale Freilandlabor des Versuchszentrums Laimburg, stellt interessierten Unternehmen und Forschungseinrichtungen eine Infrastruktur zur Verfügung, um innovative Technologien unter realen Bedingungen zu testen – ein konkreter Schritt hin zu einer zunehmend nachhaltigen, effizienten und datengestützten Landwirtschaft.
In der Präzisionslandwirtschaft bilden genaue Daten die Grundlage für agronomische Entscheidungen. Besonders wichtig sei es dabei, Daten zur Position einzelner Pflanzen zu integrieren, um Obst- und Weinanlagen bedarfsgerecht bewirtschaften zu können. Daher stehe in diesem Jahr die präzise Geolokalisierung der Pflanzen im Mittelpunkt der Aktivitäten des digitalen Freilandlabors LIDO – Laimburg Integrated Digital Orchard des Versuchszentrums Laimburg.
Beim Open Day, der am 13. Oktober 2026 in Pfatten stattfand, präsentierten Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen ihre innovativen Technologien und führten sie direkt im Feld unter realen Bedingungen vor. „Ziel ist es, die landwirtschaftlichen Maßnahmen an den tatsächlichen spezifischen Bedarf jeder einzelnen Pflanze anzupassen. Die genaue Kenntnis der Position der einzelnen Pflanzen unterstützt dabei verschiedene Technologien, beispielsweise die gezielte Behandlung von Krankheiten (precision spraying), die Präzisionsausdünnung (precision thinning), die Überwachung von Krankheiten, die Erkennung fehlender Pflanzen sowie das autonome Fahren landwirtschaftlicher Maschinen“, erklärt Francesco Panzeri, Forscher der Arbeitsgruppe Pomologie am Versuchszentrum Laimburg. „Diese räumlichen Daten sind somit nicht das Endergebnis des Prozesses, sondern die Grundlage für die Entwicklung weiterer Anwendungen.“
Smarte Drohnen und Rover
Um neue Technologien zur Erfassung von Geodaten unter realen Bedingungen zu bewerten, hat das Versuchszentrum Laimburg die Position jeder einzelnen Pflanze in zwei Apfelanlagen und zwei Weinbergen in Pfatten kartiert. Mithilfe einer Antenne wurde manuell und mit großem Aufwand eine Kartierung erstellt, die zentimetergenaue Daten liefert. Sie bilde eine verlässliche Referenz, mit der die Ergebnisse anderer Systeme verglichen werden können. Die kartierte Gesamtfläche beträgt rund zwei Hektar und entspricht damit in etwa der Fläche eines Südtiroler Landwirtschaftsbetriebs.
Acht verschiedene Akteure – darunter Start-ups, Unternehmen und Forschungseinrichtungen – testen ihre Technologien, Drohnen und Rover direkt auf den Versuchsflächen von LIDO: Arbor Insight, Aurea Imaging, Eurac Research, EvoPilot, Fondazione Edmund Mach, Naturamon, Prospecto und das Projekt PHENET. Dabei sollen die Genauigkeit der Daten und die benötigten Erfassungszeiten bewertet werden. Gegenüber manuellen Erhebungen bieten diese Technologien den Vorteil, dass sie Daten im Feld wesentlich schneller erfassen können. Gleichzeitig können damit weitere Informationen erhoben werden wie beispielsweise Schätzungen zum Ertrag oder zur Blühintensität.
LIDO: Technologie im Dienste der Landwirtschaft
Das 2023 gestartete Netzwerk LIDO – Laimburg Integrated Digital Orchard umfasst heute 44 lokale und internationale Partner, die die Plattform nutzen, um ihre Technologien in der digitalen Apfelanlage und im digitalen Weinberg zu installieren, zu testen und zu präsentieren. In den vergangenen vier Jahren wurden mehr als 1.500 Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland empfangen. Neben Geolokalisierungssystemen werden auch innovative intelligente Fallen für Insekten und Krankheitserreger, automatische Bewässerungssysteme, Sensoren sowie fortschrittliche Prognosemodelle für das Fruchtwachstum getestet.
Das Ziel von LIDO ist es, angewandte Forschung zum Nutzen landwirtschaftlicher Betriebe durchzuführen. Durch die Einbindung innovativer technologischer Lösungen sollen die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft verringert und der Agrar- und Lebensmittelsektor auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet werden. „LIDO bietet unseren Partnern einen einzigartigen Raum, um ihre Sensoren, Roboter und Prototypen zu testen und weiterzuentwickeln. Die Technologien werden unter realen Bedingungen erprobt, Forschung und Praxis treffen aufeinander. Die gewonnenen Ergebnisse fließen direkt in die Optimierung ein und sind ein wichtiger Schritt hin zu einer digitalen, effizienten und nachhaltigen Landwirtschaft“, erklärt Walter Guerra, Koordinator von LIDO und Leiter des Instituts für Obst- und Weinbau am Versuchszentrum Laimburg.