von Daniel Schmidt 4 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Dürre setzt Österreichs Kartoffelproduktion unter Druck

Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich und die InteressenGemeinschaft Erdäpfelbau (IGE) ziehen traditionell im Herbst Bilanz über das Kartoffeljahr. Beim diesjährigen Erntegespräch in Niederfellabrunn fiel diese ernüchternd aus: Nach zunächst guten Bedingungen beim Legen im Frühjahr, ab Juni kam dann Hitze und Trockenheit. 

viele Kartoffeln mit Erdresten

Ab Juli setzten den Beständen neuerlich extreme Hitze und hohe Temperaturen zu. Erst im September brachten Niederschläge Entspannung – für das Wachstum der Kartoffeln kamen sie jedoch zu spät.

Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, betont: „Das heurige Jahr zeigt sehr deutlich, unter welchem Druck die Landwirtschaft steht. Wo Wasser fehlt, können wir Bäuerinnen und Bauern selbst mit bestem Know-how keine Erträge herbeizaubern. Kommt gleichzeitig der Drahtwurm hinzu und fehlen ausreichend wirksame Möglichkeiten zur Bekämpfung, wird die Situation doppelt schwierig.“

Hitze und Trockenheit drücken die Erträge

Die Haupternte der Speisekartoffeln ist auf den meisten Betrieben bereits abgeschlossen, während spätere Sorten für die Speiseindustrie und Stärkeproduktion noch geerntet werden. Schon jetzt steht fest: Die Ernte fällt deutlich kleiner aus als im Vorjahr. Im Jahr 2025 lag die Gesamterntemenge bei rund 813.000 t, für das Jahr 2026 zeigen die von der Statistik Austria veröffentlichten Ernteschätzungen eine Erntemenge von insgesamt 468.000 t. In einem durchschnittlichen Jahr liegt die Gesamterntemenge bei Kartoffeln um die 700.000 t.

Hauptgrund dafür sind die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen während entscheidender Wachstumsphasen. Für die Betriebe bedeutet das weniger vermarktbare Ware bei gleichzeitig hohen Produktionskosten. Zusätzlich verschärft der Drahtwurm die Situation. Fraßschäden führen dazu, dass ein Teil der ohnehin knappen Ernte nicht vermarktet werden kann. Befallene Partien müssen zudem mit hohem Personal- und Kostenaufwand aufbereitet und sortiert werden, um einwandfreie Ware für den Markt bereitzustellen. „Wenn in einem ohnehin ertragsschwachen Jahr zusätzlich ein erheblicher Teil der Kartoffeln aufgrund von Fraßschäden aussortiert werden muss, trifft das die Betriebe doppelt. Auch für diese Kartoffeln wurden Boden, Wasser, Energie, Betriebsmittel und Arbeitszeit eingesetzt“, so Mayr.

Heimische Ware darf nicht durch billigere Importe verdrängt werden

IGE-Obmann Michael Bachl fordert: „Wir erwarten von den Abnehmern, dass die Erzeugerpreise für heimische Ware zumindest auf dem Niveau möglicher importierter Kartoffeln liegen. Gerade in einem Jahr wie diesem darf nicht jetzt schon auf ausländische Ware gesetzt werden, solange noch ausreichend heimische Kartoffeln verfügbar sind.“ Wie lange Österreich mit heimischen Kartoffeln versorgt werden kann, ist derzeit noch offen. Entscheidend ist, wieviel der eingelagerten Ware nach Waschen und Sortierung tatsächlich vermarktungsfähig bleibt. Ein klareres Bild erwartet die Branche erst im Laufe des Winters.

Apell an Handel und Konsumenten

Bachl appelliert deshalb auch an den Handel und die Konsumentinnen und Konsumenten: „Auch kleinere Knollen schmecken genauso gut wie große. Wir sollten wertvolle heimische Lebensmittel nicht allein deshalb aussortieren, weil sie optisch nicht einem gewohnten Ideal entsprechen. Entscheidend sind Geschmack und einwandfreie Lebensmittelqualität.“ Beim Einkauf empfiehlt die IGE, gezielt auf die österreichische Herkunft und das AMA-Gütesiegel zu achten. Damit könne jede und jeder dazu beitragen, die heimische Kartoffelproduktion zu unterstützen.

Wasser wird zur zentralen Zukunftsfrage

Neben dem Pflanzenschutz rückt nach dem Dürrejahr 2026 die Wasserversorgung noch stärker in den Mittelpunkt. Die Betriebe investieren bereits in wassersparende Bewirtschaftung, effiziente Bewässerungssysteme, neue Sorten, Digitalisierung und Prognosemodelle. Für Mayr reicht die einzelbetriebliche Anpassung allein jedoch nicht aus. „Wir dürfen beim Wasser nicht von einem Extremjahr zum nächsten denken. Wir brauchen eine langfristige Strategie – von effizienten Lösungen auf den Betrieben über regionale Projekte bis hin zu einer überregionalen Wasserinfrastruktur. Wer auch in zehn oder zwanzig Jahren Lebensmittel aus Niederösterreich will, muss heute die Voraussetzungen dafür schaffen“, unterstreicht Mayr.

Heimische Produktion langfristig absichern

„Wenn wir auch künftig heimische Lebensmittel im Regal haben wollen, müssen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie in Österreich produziert werden können. Versorgungssicherheit gibt es nur mit wirtschaftlich lebensfähigen Betrieben“, sind sich Mayr und Bachl einig.