Besonders die belgischen Obstbauern sind demnach besorgt. Laut Dany Bylemans vom Forschungszentrum für Obstbau (Pcfruit) werden die Folgen möglicherweise nicht auf diese Saison beschränkt bleiben. Durch den langanhaltenden Wassermangel können Baumwurzeln absterben, wodurch Obstbäume und Bäume in der Natur auch in den kommenden Jahren geschwächt bleiben, so der renommierte Experte. Seit Mitte Juni ist dem Bericht zufolge in Belgien kaum nennenswerter Regen gefallen. Im Juni registrierte das KMI in Uccle lediglich 10,6 mm Niederschlag – etwa siebenmal weniger als üblich. Auch der August hat die Trockenperiode bislang nicht beendet. Für den Obstbau bedeutet das u.a. eine beschleunigte Reifung, einen früheren Erntetermin und kleinere Früchte, konstatiert der Bericht von VILT. Obwohl die Früchte kleiner bleiben, kann ihr Geschmack laut Bylemans dennoch gut sein. Durch die intensive Sonneneinstrahlung entsteht mehr Zucker. Außerdem befinden sich viele Aromastoffe in der Schale, sodass eine kleinere Frucht im Verhältnis mehr Schale besitzt.
Beim Birnenanbau bleibt der Schaden in Haspengau vorerst begrenzt. Der schwere Lehmboden kann Bylemans zufolge relativ viel Feuchtigkeit speichern. Auf Parzellen mit leichteren Böden sind die Birnen jedoch deutlich kleiner. Vor allem die Sorte Conference leide unter den hohen Temperaturen. Aber auch Apfelbäume haben mit den Bedingungen zu kämpfen. Die Früchte bleiben kleiner und die Färbung setzt langsamer ein. Für eine gute Ausfärbung sind kalte Nächte wichtig, die derzeit jedoch fehlen. Laut Bylemans kann sich die Situation im kommenden Monat allerdings noch verändern.
Sorgenvolle Zukunft
Die größte Sorge bereitet laut dem Obstbauexperten allerdings nicht die aktuelle Ernte, sondern die kommenden Jahre. Wenn Baumwurzeln über längere Zeit ohne Wasser bleiben, können sich Luftblasen im Saftstrom bilden. Dadurch können Wurzeln absterben. Der Baum selbst kann zunächst weiterleben, verfügt anschließend jedoch über ein kleineres Wurzelsystem. Muss er im folgenden Jahr erneut eine volle Ernte tragen, kann dies zu erheblichen Problemen führen. „Die Auswirkungen dieser Trockenheit werden wir wahrscheinlich erst in ein oder zwei Jahren sehen“, warnt Bylemans gegenüber VILT.