Angesichts historischen Drucks auf Landwirtschaft muss Europa handeln, anstatt Verschärfung der Krise zuzusehen
Die Spitzenvertreter von Copa Cogeca trafen sich in den vergangenen zwei Tagen in Brüssel zu einem für die europäische Landwirtschaft entscheidenden Zeitpunkt, so der Verband.
Nach Gesprächen mit der Europäischen Kommission, dem Generaldirektor der GD AGRI, Pierre Bascou, und dem Präsidenten des American Farm Bureau, Zippy Duvall, fassten die europäischen Landwirtschaftsverbände wichtige Beschlüsse zu zentralen Themen, vom zunehmenden Druck auf den Sektor bis hin zur Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik zusammen.
Die sich in der Landwirtschaft abzeichnende Situation sei beispiellos. Die Rückmeldungen aus der Praxis seien alarmierend. In ganz Europa werden Landwirte und Genossenschaften zu unmöglichen Entscheidungen gezwungen, da die Kosten für Kraftstoff, Düngemittel, Verpackungen, Futtermittel und Logistik weiter steigen. Viele reduzieren nun ihre Anbauflächen, stellen auf andere Kulturen um oder verzichten ganz auf die Aussaat, einfach weil die Produktion selbst wirtschaftlich unrentabel wird. Dies sei eine Situation, die derzeit alle Produktionssektoren in einem angespannten Marktumfeld betreffe.
Eine Beeinträchtigung der derzeitigen Produktionskapazitäten wird langfristige Folgen haben und letztlich die europäischen Verbraucher treffen, wenn auf EU-Ebene keine raschen und entschlossenen Maßnahmen ergriffen werden.
Alle führenden Vertreter der Landwirtschaft seien sich einig, dass die Kommission äußerst langsam begreife, was vor sich gehe, und bislang keine konkreten Maßnahmen vorgelegt hat. Die Kommission rede, aber es mangele weiterhin an Taten. Angesichts zweier großer Konflikte in der Nachbarschaft Europas benötige die EU dringend eine entschlossene, koordinierte Reaktion, die dem Ausmaß der Maßnahmen während der Covid-19-Pandemie und nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine entspricht. Diese Reaktion muss die Nahrungsmittelproduktion sichern, die Energiesicherheit gewährleisten und die Integrität des Binnenmarkts wahren.
In diesem Zusammenhang müssen der Entwurf des befristeten Krisen-Energierahmens und der in dieser Woche veröffentlichte „AccelerateEU“-Plan dringend in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden, um die am stärksten betroffenen Sektoren zu unterstützen und die Energieversorgung anzukurbeln, wobei der Landwirtschaft eine Schlüsselrolle zukomme.
Zu einem weiteren entscheidenden Thema haben die Mitglieder von Copa Cogeca drei wichtige Positionspapiere zum künftigen EU-Haushalt und zur GAP verabschiedet:
- Der MFR, der Leistungsrahmen, die NRPP und die GAP
- Die gemeinsame Marktorganisation
- Der Europäische Fonds für Wettbewerbsfähigkeit
Im aktuellen geopolitischen Kontext würde eine Schwächung der Gemeinsamen Agrarpolitik nicht nur die Landwirtschaft schwächen, sondern auch die strategische Autonomie Europas untergraben. Dies wäre ein schwerwiegender und historischer Fehler in einer Zeit, in der Frieden, Stabilität sowie die Erschwinglichkeit und Sicherheit von Lebensmitteln nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden können.
Die europäische Landwirtschaft stehe geschlossen hinter einer einzigen Botschaft an die Mitgesetzgeber: Die GAP muss eine wahrhaft gemeinsame Politik bleiben, mit einem eigenen, zweckgebundenen und geschützten Haushalt. Sie muss mindestens auf dem derzeitigen Niveau beibehalten und für den Zeitraum 2021–2027 an die Inflation angepasst werden.
In den kommenden Wochen werden sich Copa Cogeca intensiv für diese beiden zentralen Themen einsetzen. Die europäischen Entscheidungsträger dürfen nicht tatenlos zusehen, wo die EU doch über die Mittel verfüge, um zu handeln und ihrem Lebensmittelsektor die dringend benötigte Entlastung zu verschaffen.