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Wie Dachgärten die Lebensmittelversorgungskette stärken können

„Schatz, holst du mir bitte etwas Brokkoli vom Dach?“ Das könnte in Zukunft Realität werden. Der Ökologe Pengxuan Xie hat an der Universität Leiden untersucht, ob der Anbau auf Dächern zur Lebensmittelproduktion in Städten beitragen kann. Dies ist wichtig, da traditionelle Lebensmittelversorgungsketten anfällig für Störungen sind.

zahlreiche Lauchstangen
© Image'in/AdobeStock

Extremwetter, geopolitische Spannungen und logistische Engpässe machen die Lebensmittelketten zunehmend anfällig. Dachgärten können einen Teil dieser Kette stärken, sagt Xie, der seine Dissertation Anfang April verteidigte. Sie würden frische Produkte in der Nähe des Wohnortes liefern und die Ernährungssicherheit erhöhen. Gleichzeitig würden sie auch der Biodiversität zugutekommen, städtische Wärmeinseln bekämpfen und Regenwasser sammeln.

Xie wollte herausfinden, wie viele Dächer für den Gemüseanbau geeignet sind und wie sie zur Nahrungsmittelproduktion beitragen könnten. Er begann seine Forschung in Amsterdam. Mithilfe eines Geografischen Informationssystems (GIS), mit dem man Daten auf einer Karte anzeigen und analysieren kann, untersuchte er, wie viele Dächer für den Gemüseanbau geeignet wären. Er berücksichtigte Faktoren wie Dachneigung, Gebäudehöhe, Dachgröße und ungenutzte Fläche auf dem Dach und kam zu dem Schluss, dass Amsterdam über 396 ha geeignete Dächer verfügt: 15,8 % der gesamten Dachfläche.

Mithilfe eines Simulationsmodells untersuchte Xie anschließend die städtische Nahrungsmittelautarkie (das Verhältnis zwischen Nahrungsmittelproduktion und -bedarf) auf diesen Dächern. Indem er sorgfältig festlegte, welche Pflanzen wo angebaut werden sollten, berechnete er, dass die Dächer 12,4 % des Gemüseverbrauchs in Amsterdam decken könnten. Der Gemüseverbrauch basiert auf der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen täglichen Aufnahme von Obst und Gemüse (400 g).

Zu den geeigneten Kulturen zählen Zwiebeln, Salat, Lauch, Blumenkohl, Kohl und Brokkoli. „Ich habe bewusst Gemüse ausgewählt, das vor Ort verzehrt wird“, sagt Xie. „Und die Bodenschicht auf einem Dach ist in der Regel nicht dicker als 20 cm, weshalb Pflanzen mit flachen Wurzeln besonders gut für den Dachanbau geeignet sind.“

Nach der Untersuchung von 626 weiteren europäischen Städten stellte Xie fest, dass Dächer, auf denen Lebensmittel angebaut werden, nicht überall die gleichen Ergebnisse liefern würden. „Die Selbstversorgung der Stadt mit Lebensmitteln hängt vom lokalen Klima, der Bevölkerungsdichte, der Größe der Stadt und der Anzahl geeigneter Dächer ab“, erklärt er. Im Durchschnitt können begrünte Dächer – mit zusätzlicher Bewässerung – zwischen 30 % und 40 % des in einer europäischen Stadt benötigten Gemüsebedarfs decken.

Xie stellt fest, dass zwischen seinen Simulationen und der Praxis vor Ort nach wie vor eine Lücke besteht. So fehlen bspw. oft klare Regeln und Richtlinien für die großflächige Umsetzung von Gründächern. Auch gibt es kaum Informationen darüber, wie viel Gewicht Dächer tragen können, obwohl dies für die Sicherheit entscheidend ist. Eine Schicht aus Erde und Vegetation macht ein Dach schwerer, und nicht alle Gebäude sind dafür geeignet.

Aber es gibt bereits einige gute Beispiele, sagt Xie. In Basel wurden die von der European Federation of Green Roofs and Walls festgelegten Ziele – wie bspw. 5 m² Gründach pro Einwohner bis 2030 – bereits teilweise erreicht. „Das zeigt, dass es möglich ist, aber dass weitere Schritte nötig sind, bevor Gründächer in großem Maßstab Realität werden.“

Zu diesen Schritten gehören die Erprobung der Simulation in Pilotprojekten auf echten Dächern, die Durchführung weiterer Forschungen zu technischen Einschränkungen wie der Tragfähigkeit von Dächern sowie die Information von politischen Entscheidungsträgern und Stadtplanern über die Ergebnisse. Dies würde dazu beitragen, die Lücke zwischen Simulation und praktischer Umsetzung zu schließen.“

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