Schweiz: Breites ‚Nein-Komitee‘ warnt vor Ernährungsinitiative
Am 27. September 2026 stimmt die Schweiz über die Ernährungsinitiative ab. Ein breit zusammengesetztes ‚Nein-Komitee‘ hat laut einem Bericht des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes LID in Bern seinen Abstimmungskampf lanciert.
Es befürchtet weitreichende Eingriffe in die landwirtschaftliche Produktion und den Lebensmittelkonsum. Die Ernährungsinitiative verlangt u.a., dass die Schweiz ihren Netto-Selbstversorgungsgrad auf mindestens 70 % erhöht. Gleichzeitig soll der Bund Rahmenbedingungen für eine ressourcenschonende, überwiegend pflanzliche Ernährung schaffen. Das ‚Nein-Komitee‘ argumentiert, dass diese Ziele nur mit starken Veränderungen bei Produktion, Angebot und Konsum erreicht werden könnten. Im Rahmen einer Medienkonferenz äußerten sich Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Politik, Ernährungswirtschaft, Gewerbe, Berggebieten und Gastronomie. Sie stellten die grundsätzlichen Anliegen einer nachhaltigeren Ernährung nicht infrage, kritisierten jedoch die geforderten Instrumente und die vorgesehene Umsetzungsfrist.
Sorgen um Landwirtschaft und Berggebiete
Bauernverbandspräsident Markus Ritter verwies auf die langfristigen Investitionen der Landwirtschaftsbetriebe. Ställe und andere Infrastrukturen würden über Jahrzehnte finanziert. Ein grundlegender Umbau des Ernährungssystems innerhalb von zehn Jahren könne deshalb zahlreiche Betriebe wirtschaftlich unter Druck setzen. „Wer Ernährungssicherheit will, muss die Menschen stärken, die täglich für unsere Ernährung sorgen“, sagte Markus Ritter. Die grüne Nationalrätin Christine Badertscher unterstützt nach eigenen Angaben grundsätzlich das Ziel, den Anteil pflanzlicher Lebensmittel zu erhöhen. Die Initiative sei dafür jedoch der falsche Weg. Insbesondere in den Hügel-, Berg- und Alpgebieten sei die Tierhaltung wichtig: Mehr als zwei Drittel der Schweizer Landwirtschaftsflächen könnten nicht für den Ackerbau genutzt werden. Auch Vertreterinnen und Vertreter der Lebensmittelindustrie, des Gewerbes und der Gastronomie warnten vor zusätzlichen Vorschriften und höheren Kosten. Petra Gössi, Präsidentin der Föderation der Schweizerischen Nahrungsmittelindustrien, befürchtet neue Regulierungen und handelspolitische Unsicherheiten. Nachhaltige Veränderungen sollten nach ihrer Auffassung stärker über Innovation, Forschung und unternehmerische Initiative vorangetrieben werden. SP-Ständerätin Franziska Roth warnte zudem vor sozialen Folgen. Steigende Lebensmittelpreise würden Haushalte mit tiefen und mittleren Einkommen besonders stark belasten. „Eine nachhaltige Ernährung darf nicht zum Privileg für Gutverdienende werden“, sagte sie.
Das ‚Nein-Komitee‘ will im Abstimmungskampf vor allem auf mögliche Zielkonflikte zwischen Selbstversorgung, Konsumfreiheit, Tierhaltung, Biodiversität und Wirtschaftlichkeit aufmerksam machen. Die Befürworterinnen und Befürworter der Initiative versprechen sich davon hingegen ein nachhaltigeres Ernährungssystem und eine stärkere Nutzung pflanzlicher Lebensmittel.