Pfalzmarkt: Faire Erzeugerpreise werden zur Existenzfrage
Ein schwieriges Marktumfeld, hoher Preis- und Wettbewerbsdruck sowie steigende Kosten haben das Geschäftsjahr 2025 von Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG geprägt. Rückläufige Warenmengen und niedrigere Durchschnittspreise belasteten den heimischen Gemüseanbau in der Pfalz.
Gleichzeitig blickt die Genossenschaft nach vorne: Der Start in die Saison 2026 verlief positiv. Die Erzeugerpreise reichen nach Angaben von Pfalzmarkt jedoch weiterhin vielfach nicht aus, um die gestiegenen Produktionskosten zu decken.
Die Umsatzerlöse des Konzerns beliefen sich im Geschäftsjahr 2025 auf insgesamt 274,4 Mio Euro. Gegenüber 322 Mio Euro im Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von 14,8 %. Der reine Warenumsatz sank von 264 Mio Euro auf 232 Mio Euro. Als Gründe nennt Pfalzmarkt insbesondere die geringere Warenmenge sowie einen über alle Produkte hinweg um 3,4 % niedrigeren Durchschnittspreis.
Insgesamt verringerte sich die über Pfalzmarkt vermarktete Warenmenge gegenüber dem Vorjahr um 11,8 %. Nach 230.000 t im Geschäftsjahr 2024 wurden 2025 rund 203.000 t vermarktet. Trotz insgesamt günstiger Anbaubedingungen war das Jahr für den Obst- und Gemüseanbau in der Pfalz wirtschaftlich anspruchsvoll. Bereits der Saisonstart gestaltete sich schwierig. Günstige Wetterbedingungen in Südeuropa sorgten für ein hohes Warenangebot, sodass der Lebensmitteleinzelhandel seine Sortimente laut Pfalzmarkt erst verzögert auf deutsche Produkte umstellte.
Als die Vermarktung heimischer Ware an Fahrt aufnahm, hatten auch andere deutsche Anbauregionen ihre produktive Phase erreicht. Der klimatische Vorsprung der Pfalz konnte deshalb nicht im gewohnten Umfang genutzt werden. Die erhofften Erlöse zu Saisonbeginn blieben aus und konnten im weiteren Jahresverlauf nicht aufgeholt werden.
Witterung erschwert Vermarktung
Nach einer sommerlichen Phase mit erhöhtem Wettbewerbs- und Preisdruck sorgte im frühen Herbst feuchte Witterung für zusätzliche Herausforderungen. Diese begünstigte insbesondere pilzliche Erreger und führte bei verschiedenen Kulturen zu Qualitätseinbußen und Vermarktungsproblemen. Hohe Reklamationsquoten und damit verbundene Erlösausfälle belasteten die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich. Nach Angaben von Pfalzmarkt standen zudem für verschiedene Kulturen geeignete Pflanzenschutzmittel nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung. Bei einzelnen Kulturen musste die Saison deshalb früher beendet werden.
Gleichzeitig trafen rückläufige Erlöse auf weiter steigende Produktions- und Personalkosten. „Wenn Warenmengen und Erlöse zurückgehen, gleichzeitig aber die Kosten für unsere Erzeuger weiter steigen, geraten die Betriebe von zwei Seiten unter Druck“, erklärt Christian Deyerling, Aufsichtsratsvorsitzender von Pfalzmarkt eG. Entscheidend sei daher, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Erzeugung zu sichern.
Steigende Kosten belasten Betriebe
Eine zentrale Herausforderung sieht Pfalzmarkt in der Entwicklung der Erzeugerpreise. Die Betriebe produzierten unter hohen Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards, stünden jedoch gleichzeitig im Wettbewerb mit Importware, die teilweise unter anderen Kostenstrukturen erzeugt werde. Hinzu kommen steigende Lohnkosten. Der gesetzliche Mindestlohn stieg von 12,41 Euro im Jahr 2024 auf 12,82 Euro im Jahr 2025. Seit dem 1. Januar 2026 beträgt er 13,90 Euro und zum 1. Januar 2027 steigt er auf 14,60 Euro brutto je Zeitstunde. Für den arbeitsintensiven Obst- und Gemüsebau bedeutet dies nach Einschätzung von Pfalzmarkt erhebliche zusätzliche Kosten.
Vorstand Reinhard Oerther sieht deshalb insbesondere wirtschaftlich tragfähige Erzeugerpreise als entscheidend an: „Wenn unsere Kosten dauerhaft steigen, die Erzeugerpreise diese Entwicklung aber nicht nachvollziehen, geht es irgendwann nicht mehr um einzelne Kulturen, sondern um die wirtschaftliche Existenz unserer Mitgliedsbetriebe. Und damit schlussendlich um die Zukunft des heimischen Obst- und Gemüseanbaus in der Pfalz und ganz Deutschland.“
Pfalzmarkt will Kosten reduzieren
Auf die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen reagiert Pfalzmarkt mit einem Kostensenkungsprogramm. Strukturen und Geschäftsprozesse sollen überprüft und weiter optimiert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Genossenschaft und ihrer Mitgliedsbetriebe langfristig zu stärken. „Wir können nicht darauf warten, dass die Politik unsere Probleme für uns löst. Wir müssen uns selbst helfen“, erklärt Pfalzmarkt-Vorstand Hans-Jörg Friedrich. Dazu gehöre, die eigenen Kostenstrukturen konsequent zu überprüfen und effizienter zu werden. Gleichzeitig müssten gemeinsam mit den Partnern im Handel Lösungen für eine wirtschaftlich tragfähige heimische Produktion gefunden werden.
Parallel zur Kostenoptimierung soll das Dienstleistungsgeschäft als zusätzliches Standbein weiterentwickelt werden. Mit der Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems hat die Genossenschaft 2025 zudem einen weiteren Schritt zur Digitalisierung und Optimierung zentraler Geschäftsprozesse vollzogen. Auch die internen Strukturen wurden angepasst. Die Generalversammlung hatte im Frühjahr 2025 beschlossen, den Beirat als eigenständiges Genossenschaftsgremium nicht weiter zu bestellen. Dessen Aufgaben übernahm im Laufe des Jahres der Aufsichtsrat. Im Zuge einer Bereinigung des Mitgliederbestands reduzierte sich die Zahl der Mitglieder auf 370, darunter 90 aktive Erzeugerbetriebe.
Rund 120 Frischeprodukte im Sortiment
Pfalzmarkt bietet seinen Handelspartnern aktuell rund 120 verschiedene Frischeprodukte mit insgesamt etwa 15.000 Artikelvarianten an. Die klimatische Lage und die Möglichkeiten zur bedarfsgerechten Bewässerung sieht die Genossenschaft weiterhin als wichtige Standortvorteile der Pfalz. Das Geschäftsjahr 2025 habe jedoch gezeigt, dass diese Vorteile zunehmende wirtschaftliche Wettbewerbsnachteile gegenüber internationalen Anbietern nicht vollständig kompensieren könnten. Zu den drei meistverkauften Gemüsesorten bei Pfalzmarkt zählten 2025 Radieschen, Suppengrün und Bundzwiebeln.
Positiver Start in die Saison 2026
Nach dem schwierigen Geschäftsjahr 2025 ist Pfalzmarkt nach eigenen Angaben gut in die Saison 2026 gestartet. Die ersten Wochen verliefen positiv, die Geschäftsentwicklung lag etwas über dem vergleichbaren Vorjahresniveau. Während Anbieter aus Südeuropa und anderen Teilen Deutschlands ihre Produktion aufgrund einer langanhaltenden Hitzeperiode teilweise aussetzen oder einstellen mussten, konnte die Pfalz weiterhin Obst und Gemüse liefern. Die wirtschaftliche Situation der Erzeuger bleibe dennoch angespannt. Die Erzeugerpreise könnten die Kostensteigerungen weiterhin nicht vollständig auffangen. Infolge der Hitze sei insbesondere der Aufwand für Personal, Wasser und Energie nochmals gestiegen.
„Ein guter Saisonstart ist wichtig und gibt uns Rückenwind. Er darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für unsere Erzeuger grundlegend verändert haben“, sagt Friedrich. Entscheidend werde sein, für heimische Qualität Preise zu erzielen, die eine wirtschaftlich nachhaltige Produktion ermöglichten. Für 2026 und 2027 will Pfalzmarkt deshalb den Fokus auf Effizienz, Kostenkontrolle und wirtschaftlich tragfähige Erzeugerpreise legen.
Neben der Optimierung eigener Prozesse sollen neue Geschäftsmöglichkeiten erschlossen und gemeinsam mit dem Handel Lösungen entwickelt werden. Dabei gehe es nach Einschätzung der Genossenschaft auch grundsätzlich um die Zukunft der regionalen Produktion. „Wenn wir auch in Zukunft Obst und Gemüse aus heimischem Anbau haben wollen, müssen unsere Erzeuger wirtschaftlich existieren können“, betont Oerther. Dafür seien faire Wettbewerbsbedingungen und auskömmliche Erzeugerpreise erforderlich.