Fehl- und Desinformation zu Ernährung verbreitet sich in sozialen Medien rasant und erreicht dabei vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, wie die Universität Bayreuth mitteilt. Es werde zunehmend schwieriger, verlässliche von irreführenden Nachrichten zu unterscheiden, wenn Social Media zur zentralen Informationsquelle werde und sich dort insbesondere Mythen rund um vermeintliche Wundermittel oder Superfoods deutlich schneller verbreiteten als wissenschaftlich fundierte Fakten.
Das europäische Verbundprojekt FOOD-FRAMES untersucht nun, wie stark junge Menschen in Europa solchen Inhalten ausgesetzt sind, wie sie damit umgehen und welche Folgen dies für Ernährung und psychische Gesundheit hat. Zehn Partnerinstitutionen aus sieben Ländern bündeln dabei ihre Expertise aus Psychologie, Ernährungswissenschaft, Public Health, Rechtswissenschaft, Ökonomie sowie Medien- und Politikforschung.
In Deutschland ist neben der Ludwig-Maximilians-Universität in München auch die Universität Bayreuth beteiligt. Dort hat der Lehrstuhl für Public Health Nutrition von Prof. Dr. med. Peter von Philipsborn vor gerade einmal zwei Wochen die Finanzierungszusage für das Forschungsprojekt erhalten.
„Ernährung ist ein Thema, das die Menschen bewegt. Gerade deshalb kursieren im Netz auch besonders viele falsche und irreführende Informationen darüber“, erklärt er. „Mit FOOD-FRAMES wollen wir besser verstehen, wie junge Menschen dieser Desinformation begegnen, welche Folgen das für ihre Gesundheit hat und wie wir sie besser davor schützen können.“
Nun geht es als erster Schritt des Projekts an eine Bestandsaufnahme, wie Philipsborn gegenüber dem Fruchthandel Magazin erläutert.
Im Mittelpunkt stünden dabei u.a. hochverarbeitete Produkte mit vielen Zusätzen oder auch Nahrungsergänzungsmittel – eben Dinge, die auf Social Media als unerlässlich für die Gesundheit beworben würden. Obst und Gemüse seien also zunächst weniger im Fokus der Forschenden: „Das sind ja eben die gesunden Lebensmittel, von denen wir wollen, dass die Menschen sie mehr essen“, so Philipsborn. Mono-Ernährungsarten wie die immer wieder einmal auftauchende „Ananas-Diät“ oder eine ihrer Varianten werde man ebenfalls nicht berücksichtigen.
Was jedoch durchaus in die Überlegungen der Teams einfließen könnten, seien Themen wie die Wahrnehmung von Auswirkungen bestimmter Produkte auf Umwelt und Gesundheit im Vergleich zu anderen: Avocados, oft in den Medien verteufelt, seien in der CO2-Bilanz pro Kilo vorteilhafter als Fleisch – das wiederum werde jedoch in den Medien nicht so kommuniziert.
Am Campus Kulmbach plant das Team um von Philipsborn im Verlauf des Projektes eine sog. Photovoice-Studie: Junge Social-Media-Nutzerinnen und -Nutzer in Deutschland, Österreich und den Niederlanden dokumentieren dabei mit eigenen Fotos, wie sie die digitale Ernährungsumgebung erleben. Ergänzend will das Bayreuther Team Interviews mit Ernährungs-Influencerinnen und -Influencern zu deren Motivation, Erfahrungen und vertraglichen Rahmenbedingungen führen. Über Apps soll zudem untersucht werden, wie stark 13- bis 18-Jährige Marketing für ungesunde Lebensmittel ausgesetzt sind. Das Team wirkt außerdem an einer systematischen Übersichtsarbeit sowie einer internationalen Delphi-Studie mit, in denen wirksame Gegenmaßnahmen identifiziert werden sollen.
Die Projektlaufzeit beträgt insgesamt drei Jahre, bis Juli 2029, allererste Ergebnisse der europäischen Teams erwartet das Team voraussichtlich im Januar, so Philipsborn.
Seinen persönlichen Ernährungstipp gibt er uns schon jetzt mit auf den Weg und rät, sich an die „Basics“ zu halten: „Viel Gemüse und Obst sowie Vollkorn und Hülsenfrüchte. Möglichst viel Frisches, nichts Verarbeitetes, wenig Zucker – wenn wir uns daran halten würden, wäre schon viel erreicht.“