von Michael Schotten 3 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

DOGK 2026: Neue Zielgruppen und Konsumchancen in schwierigen Zeiten

Der Deutsche Obst & Gemüse Kongress (DOGK) richtete den Blick in diesem Jahr auf die großen Veränderungen, vor denen die Obst- und Gemüsebranche aktuell und in den kommenden Jahren steht. Im Mittelpunkt standen dabei u.a. neue Konsum- und Zielgruppenpotenziale, die Entwicklung des Obst- und Gemüsemarktes, Qualität und Frische, Digitalisierung, künstliche Intelligenz sowie die wachsenden Anforderungen an Nachhaltigkeit und Verpackungen. 

Teilnehmende des Deutschen Obst- und Gemüsekongresses (DOGK) 2026 im Veranstaltungsraum in Düsseldorf im Gespräch an Stehtischen und Ausstellerständen.
© M. Schotten

Zum Auftakt des Kongresses rückte die Zielgruppe ‚50 plus‘ in den Fokus. Ines Imdahl, Inhaberin und Geschäftsführerin des rheingold salon, hinterfragte gängige Vorstellungen über Verbraucherinnen und Verbraucher zwischen 50 und 69 Jahren. Die Gruppe werde im Marketing häufig mit Eigenschaften wie Hilfsbedürftigkeit, Bescheidenheit und ausgeprägter Markentreue verbunden. Während des Kongresses wurde dagegen das bislang ungenutzte Potenzial einer kaufkräftigen und konsumfreudigen Zielgruppe beleuchtet. Gerade die „Generation 50 plus“ könnte angesichts der demografischen Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten erheblich an Bedeutung gewinnen, schätzte Imdahl ein. „Mit 50 plus verschwindet man in der Werbung derzeit praktisch in der Versenkung und taucht erst als Oma und Opa wieder auf. Hier werden große Potenziale nicht genutzt“, sagte Imdahl. Die kaufkräftigste, anspruchsvollste und konsumfreudigste Zielgruppe werde so unnötigerweise verfehlt.

Anschließend ging es um den Markt für Obst und Gemüse in Deutschland. Niklas Bergmann von YouGov CP Germany gab einen Überblick über Mengen- und Preisentwicklungen sowie aktuelle Konsumtrends und die Faktoren, die den Markt künftig prägen könnten. „Insgesamt ist der Konsum von Obst und Gemüse gestiegen. Besonders positiv haben sich zuletzt Melonen, Steinobst und Exoten, insbesondere Avocados, entwickelt. Kernobst stand hingegen trotz des deutlich rückläufigen Preisniveaus stark unter Druck“, sagte Bergmann in Düsseldorf.

Karin Gorree von Normec Innovative Fresh ging der Frage nach, welche Erwartungen Verbraucher an Obst und Gemüse haben und wie sich diese erfüllen lassen. Besonders dann, wenn Klimaereignisse wie ein Super-El-Niño ihre Schatten vorauswerfen. Vor allem gehe es darum, Geschmack und Qualität, Knackigkeit und eine lange Haltbarkeit zu gewährleisten. Denn bei mehligen oder zu weichen Früchten griffen die Verbraucher nicht zu und seien schon gar nicht bereit, einen höheren Preis zu bezahlen. Die Branche müsse deshalb proaktiv handeln, die Risiken auf mehrere Herkunftsländer, Logistikrouten und Lieferanten verteilen und mit allen Partnern in der Lieferkette kooperieren.

Damit spannte der DOGK mit seinem veränderten Flächenkonzept, das von den Teilnehmenden gut angenommen wurde, auch in diesem Jahr einen weiten Bogen: von veränderten Verbrauchergruppen und neuen Vermarktungskonzepten über Qualität und Frische bis hin zu künstlicher Intelligenz, Automatisierung, Energieversorgung und regulatorischen Anforderungen. Deutlich wurde dabei vor allem eines: Die Zukunft des Obst- und Gemüsehandels wird nicht allein auf dem Feld entschieden, sondern zunehmend auch durch Daten, Technologie, Verbraucherwissen und die Fähigkeit, neue Bedürfnisse in konkrete Produkte und Vermarktungskonzepte zu übersetzen.

Lesen Sie mehr dazu demnächst im Fruchthandel Magazin.