Niederlande/Erdbeeren: Chancen und Grenzen eines energieeffizienten Anbaus
Energieeinsparungen im Erdbeeranbau sind möglich, erfordern jedoch ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Klima, Pflanzenbelastung, Produktion und Pflanzengesundheit, berichtet Kas als Energiebron.
Dies zeigte sich während der Informationsveranstaltung am 28. Oktober bei Delphy ISFC in Horst. Dort wurden die Ergebnisse zweier Studien von „Kas als Energiebron“ diskutiert. Die Versuche zeigen, welche Maßnahmen vielversprechend sind, aber auch, wo die Erzeuger an Grenzen stoßen.
Nachtkühlung hilft, stößt aber an Grenzen
In der Studie „Mit einem gekühlten Gewächshaus auf dem Weg zu einem klimaneutralen Erdbeeranbau“ wird untersucht, wie Kühlung und Wärmespeicherung mittels Wärme-Kälte-Speicherung (WKO) zu einem nahezu fossilfreien Anbau beitragen können. Die Nachtkühlung senkte die Mindesttemperatur um 4 °C bis 5 °C. Bei anhaltender Hitze blieb die Temperatur im Gewächshaus tagsüber jedoch zu hoch. Die verfügbare Kühlleistung reichte nicht aus, um diese Wärmebelastung vollständig aufzufangen. Bei einigen Sorten führte die Kühlung während warmer Perioden zu größeren Früchten. Dennoch blieben sowohl die Gesamtzahl der Früchte als auch der Ertrag in Kilogramm hinter den Erwartungen zurück. Die Schlussfolgerung während der Veranstaltung: Eine Klimatechnik sollte niemals isoliert betrachtet werden, sondern es müssen auch Licht, Pflanzenbelastung, Sortierung und Gesamtertrag berücksichtigt werden.
66 Prozent weniger Gasverbrauch beim grünen Dauerkulturanbau
Die zweite Studie mit dem Titel „Energiearme und zu 100 % grüne Dauerkultur mit frischen Dauerkultursorten“ verbindet einen um 66 % geringeren Gasverbrauch mit einer chemiefreien Aufzucht und Produktion. In diesem Versuch setzen die Forscher u.a. Entfeuchtung, Insektengitter, zwei Energietücher, UV-C, Schwefel, grüne Mittel und biologische Schädlingsbekämpfer ein. Die Klima- und Produktionsergebnisse liegen größtenteils im Plan. Das Insektennetz scheine an warmen Tagen dazu beizutragen, den Feuchtigkeitsverlust gering zu halten. Dies liege wahrscheinlich daran, dass das Netz mehr Feuchtigkeit zurückhält, gleichzeitig aber die natürliche Belüftung einschränke. Die Auswirkungen auf den Energieverbrauch und die Kühlung seien noch nicht ermittelt worden.
Produktionsunterschiede werden später deutlicher
Von den drei untersuchten Sorten liege Florice bei der Gesamtproduktion vor Favori und Limore One. Bei Behandlungen, bei denen Trauben entfernt werden, seien Unterschiede in der Pflanzenbelastung sichtbar. Die Unterschiede bei den Ernteerträgen bleiben vorerst begrenzt. Laut Rory McCarthy, Forscher bei Delphy, werden die zweite Ernteperiode und die Frühjahrserntesaison im Jahr 2027 für die endgültige Bewertung ausschlaggebend sein. Ein vorläufiges Zwischenergebnis gebe schließlich keinen vollständigen Überblick. Die Erzeuger müssen die Leistungen über den gesamten Anbauzeitraum hinweg bewerten.
Pflanzengesundheit erfordert genaue Abstimmung
Auch die Pflanzengesundheit bleibe ein wichtiger Schwerpunkt. Blattläuse, Weiße Fliegen und Thripse lassen sich bekämpfen, doch Mehltau stelle nach wie vor das größte Risiko dar. Der Einsatz von UV-C, Schwefel, umweltfreundlichen Mitteln und biologischen Bekämpfungsmitteln erfordere eine sorgfältige Planung. Schwefel kann bspw. den Mehltaudruck verringern, gleichzeitig aber auch die Entwicklung natürlicher Feinde hemmen. Wöchentliche Bestandsbegehungen und rechtzeitige Anpassungen bleiben daher unerlässlich.
Beide Studien unterstreichen dieselbe praktische Erkenntnis: Energieeinsparung muss mit einem gesunden Anbau und einer guten Produktion einhergehen. Indem Maßnahmen auch hinsichtlich Qualität, Arbeitsaufwand und Anbaurisiken bewertet werden, wird deutlich, welche Kombinationen unter niederländischen Bedingungen die besten Perspektiven bieten. Nicht nur in technischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht.