Neue Gefahr für Bienen: Tropilaelaps stellt Imkerei vor neue Herausforderungen
Eine neue Bedrohung für die europäischen Honigbienen ist auf dem Vormarsch: Die Tropilaelaps-Milbe kann die Entwicklung und das Überleben ganzer Bienenvölker massiv beeinträchtigen.
Der ursprünglich auf asiatische Riesenhonigbienen spezialisierte Parasit befällt inzwischen auch die Westliche Honigbiene und hat bereits den Osten und Südosten Europas erreicht. Seither hat sie ihr Verbreitungsgebiet kontinuierlich erweitert. Funde in Westasien und Osteuropa zeigen, dass sie inzwischen auch Regionen mit gemäßigtem Klima erreicht hat und dort überleben kann. Nach Einschätzung eines internationalen Teams von Experten könnte sie Deutschland innerhalb der nächsten drei bis sieben Jahre erreichen. Eine Übersichtsarbeit unter Leitung von Dr. Kirsten Traynor, Leiterin der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim zeigt nun: Tropilaelaps unterscheidet sich grundlegend von der bekannten Varroamilbe, weshalb angepasste Strategien für Monitoring, Diagnostik und Bekämpfung erforderlich sind.
Schwere Schäden an Brut und Volk
Tropilaelaps befalle die Brut von Honigbienen und verursache bereits während der Larven- und Puppenentwicklung erhebliche Schäden. Die Milben ernähren sich von der Körperflüssigkeit, der Hämolymphe, der sich entwickelnden Bienen und hinterlassen zahlreiche Einstichstellen. Die Folgen reichen von Missbildungen an Antennen, Flügeln und Beinen über ein geringeres Körpergewicht bis hin zu einer eingeschränkten Flug- und Lernfähigkeit der schlüpfenden Bienen. Zudem übertrage Tropilaelaps verschiedene Krankheitserreger.
Die Auswirkungen beschränken sich jedoch nicht auf einzelne Bienen: „Befallene Völker entwickeln sich deutlich schwächer, produzieren weniger Honig und weisen eine erhöhte Sterblichkeit sowohl bei der Brut als auch bei erwachsenen Tieren auf“, beschreibt Dr. Traynor die Folgen. „Imker aus bereits betroffenen Regionen Asiens und Russland berichten von erheblichen Völkerverlusten und einem andauernd hohen Aufwand für die Bekämpfung. Die neue Milbe erfordert eine Anpassung des Völkermanagements, insbesondere durch regelmäßige vollständige Brutpausen im Abstand von zwei bis drei Monaten. Dies dürfte nicht nur erhebliche Auswirkungen auf den Honigertrag haben, sondern auch den Arbeits- und Kostenaufwand für Imkerinnen und Imker deutlich erhöhen.“
Frühzeitige Erkennung entscheidend
Besonders problematisch sei die außergewöhnliche Biologie von Tropilaelaps mercedesae. Anders als die weltweit verbreitete Varroamilbe verbringe sie nur eine sehr kurze Phase auf erwachsenen Bienen. Stattdessen halte sie sich überwiegend in der verdeckelten Brut auf und wechsele bereits nach wenigen Tagen von einer Brutzelle in die nächste. Dadurch kann Tropilaelaps neue Fortpflanzungszyklen wesentlich schneller durchlaufen als Varroa destructor.
„Die Gefahr liegt nicht nur in den direkten Schäden an der Brut, sondern auch in der Geschwindigkeit, mit der sich dieser Parasit vermehren und ausbreiten kann“, sagt die Expertin: „Unter günstigen Bedingungen vermehrt sich Tropilaelaps innerhalb eines Monats etwa um den Faktor 2,7, während sich die Population der Varroamilbe im gleichen Zeitraum etwa verdoppelt.“
Hinzu komme, dass die Symptome einem Varroabefall ähneln. Deshalb wird Tropilaelaps häufig mit Varroa verwechselt oder erst spät erkannt. „Weil die Milbe auf erwachsenen Bienen kaum auffällt, bleibt sie oft lange unentdeckt“, so Dr. Traynor. Gleichzeitig erschwert ihre kurze Aufenthaltszeit auf erwachsenen Bienen sowohl die Überwachung als auch die Bekämpfung.
Eigenständige Strategien erforderlich
Nach Einschätzung des internationalen Forschungsteams wird Tropilaelaps innerhalb der nächsten drei bis sieben Jahre auch Deutschland erreichen. Warum sich die Milbe in den vergangenen Jahren so schnell ausgebreitet hat, sei noch nicht geklärt. Die Experten befürchten jedoch, dass sie dann in der Imkerei größere Schäden verursachen könnte als Varroa und damit auch die Bestäubungsleistung beeinträchtigen.
„Tropilaelaps kann nicht als ‚weitere Varroa‘ betrachtet werden“, warnt die Bienenkundlerin. „Ihre Biologie unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der der Varroamilbe. Umso wichtiger ist es, Überwachungs- und Bekämpfungsstrategien frühzeitig weiterzuentwickeln und Maßnahmen international abzustimmen, bevor sich die Milbe in weiteren Regionen etablieren kann“, sagt Dr. Traynor.
Als besonders geeignet gelten Untersuchungen der verdeckelten Brut sowie das Sammeln natürlich abgefallener Milben auf Bodeneinlagen. Darüber hinaus entwickeln Forschende neue Nachweismethoden auf Basis von Umwelt-DNA (eDNA), die insbesondere in tropischen Regionen vielversprechende Ergebnisse liefern.