von Inga Detleffsen 3 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

Hitzewelle in Frankreich: Obst- und Gemüsebau meldet deutliche Ernteausfälle

Der französische Obst- und Gemüsebau leidet nach zwei Hitzewellen im Mai und Juni unter erheblichen Ernteschäden, wie mehrere Branchenverbände gegenüber dem Fachmedium Réussir berichten. 

Äpfel mit Sonnenbrand am Baum
© Thomas - AdobeStock

Das französische Landwirtschaftsministerium beziffere den Schaden allein im Obstbau auf rund 20 %.

Besonders betroffen seien Kernobstplantagen: Die erste Hitzewelle Mitte Mai habe laut der Vereinigung der französischen Apfel- und Birnenproduzenten (Association Nationale Pommes Poires, ANPP) zu einem erneuten Blattlausbefall geführt, der zuvor als eingedämmt gegolten habe; Blätter und Früchte seien dabei zerstört worden. Die zweite Hitzewelle Ende Juni habe zudem Früchte verbrannt und deren Wachstum gestoppt. Ernteverluste seien laut ANPP nun unausweichlich, das genaue Ausmaß werde über eine Mitgliederbefragung ermittelt.

Bei Steinobst fällt die Aussage zu hitzebedingten Schäden bisher vorsichtig aus: Man beobachte leicht verminderte Größen und zunehmenden Befall durch Schädlinge, erklärt Raphaël Martinez, Direktor der Vereinigung französischer Pfirsich- und Aprikosenproduzenten AOP Pêches et Abricots de France. Es sei aktuell „unmöglich“, die Schäden zu beziffern, so Martinez.

Für französische Pflaumen wagt André Graglia, Direktor der Pflaumenproduzenten-Vereinigung AOPn Prune, eine optimistische Schätzung: Er geht derzeit davon aus, dass das Gesamtpotenzial der diesjährigen Ernte nicht von der Hitze beeinträchtigt werde. Einige Schäden durch Sonnenbrand habe man zu verzeichnen, doch die Brix-Werte seien „hoch wie nie“, und geringere Kaliber könne man bisher nur bei einigen Sorten beobachten. Langfristig gelte es, insbesondere bei jüngeren Bäumen sorgfältig auf Auswirkungen dieser Hitzewellen zu achten. Vor allem, wenn sich derartige Extreme wiederholen, stellt er fest.

Weniger optimistisch sieht die Lage für französische Kirschenproduzenten aus, wo die Ausfälle laut der Vereinigung FNP Fruits über 80 % erreichen; lokal erwarten einige Produzenten gar komplette Ernteausfälle. 

Nicht-perfekte Ware kaufen und Klimarisiko besser verteilen

Auch im Gemüsebau seien die Folgen spürbar: In einem gemeinsamen Schreiben an das Landwirtschaftsministerium berichteten die Verbände Légumes de France, FNP Fruits, Gefel und Felcoop von verschlechterter Keimung und Anwuchs etwa bei Karotten und Lauch sowie von Ernteverlusten bei Salat von bis zu 50 % im Raum Nantes. Die Wasserknappheit sei den Angaben zufolge inzwischen flächendeckend spürbar, selbst auf bewässerten Flächen reichten die Kapazitäten oft nicht mehr aus, erklärten die Verbände. 

„Hitzewellen machen eine oft unsichtbare Realität deutlich: Am stärksten betroffen sind die Erzeuger“, erklären die vier Verbände in einer gemeinsamen Mitteilung und wandten sich direkt an den Handel und die Konsumenten: Durch Verbrennungen, unterschiedliche Kaliber, vorzeitige Reifung oder zerstörte Anbauflächen habe die Hitze direkte Auswirkungen auf die Produkte sowie die Arbeit der Obst- und Gemüseproduzenten. „Dennoch behalten kleinere Früchte oder von der Sonne gezeichnete Gemüsesorten alle ihre geschmacklichen und ernährungsphysiologischen Eigenschaften“, betonen die Verbände. Wer die nicht perfekten Erzeugnisse kaufe, trage dazu bei, „das Klimarisiko besser zu verteilen und eine widerstandsfähigere französische Landwirtschaft zu unterstützen“, heißt es abschließend.