Heftige Kritik an EU-Marokko-Abkommen – während Marokkos Beerenexporte boomen
Mit der Entscheidung, ein reformiertes Handelsabkommen mit Marokko ohne Zustimmung des EU-Parlaments und kurz vor Ablauf einer wichtigen Gerichtsfrist vorläufig anzuwenden, steht die EU-Kommission unter heftiger Kritik. Aus Parlament und Landwirtschaft kommt scharfer Protest, berichtet Jeremias Lin für Euractiv.com.
Marokkos Beerensektor auf Wachstumskurs
Während die politische Debatte anhält, entwickelt sich der marokkanische Agrarsektor dynamisch weiter. Laut Oumaima Moho Amerby auf Morocco World News hat das Land in der Saison 2024/25 Rekordmengen an Himbeeren und Blaubeeren exportiert – insgesamt rund 64.400 t Himbeeren im Wert von 487 Mio. US-Dollar (+13,8 %) und 67.300 t Blaubeeren (+25 %). Großbritannien bleibe dabei wichtigster Abnehmer, gefolgt von Spanien, den Niederlanden, Deutschland und Frankreich. Damit seien Himbeeren inzwischen das zweitwichtigste Exportprodukt Marokkos nach Tomaten, so Amerby.
Der Erdbeeranbau hingegen schrumpfe deutlich – von 3.700 ha (2022) auf 2.300 ha (2025). Produzenten nennen geringere Rentabilität, Konkurrenz aus Ägypten sowie witterungsbedingte Risiken als Gründe. Laut Nabil Belmkaddem, Direktor der Genossenschaft BestBerry, gehe es dabei nicht nur um den Fruchtwechsel, sondern um strategische Anpassung und Resilienz in einem sich wandelnden Markt.
Neue Anbaugebiete wie Dakhla (mit Entsalzungsprojekten) und die Atlas-Region verlängern die Saison, die sich bei Himbeeren nun von September bis Juni, bei Blaubeeren von Oktober bis Juni erstreckt. So könne Marokko Lieferlücken in Europa schließen. Trotz Herausforderungen wie Wasserknappheit, Arbeitskräftemangel und steigenden Kosten bleibe die Dynamik positiv. Investitionen in Bewässerung, Jungpflanzenproduktion und Technologie sollen den Standort langfristig sichern. Der Wandel von Erdbeeren zu Him- und Blaubeeren ist für Amerby mehr als ein Trend – er stehe für wirtschaftliche Pragmatik und Klimaanpassung in einem Land, das zunehmend als wichtiger Partner im europäischen Fruchthandel gilt.
Weiterführende Links:
→ zum Artikel von Jeremias Lin: Euractiv.com
→ zum Artikel von Oumaima Moho Amerby: Morocco World News
→ Unser Artikel zum Thema Marokko vom 2. Oktober 2025: Marokko zwischen Kooperation und Kontroverse