Hagel richtet großen Schaden im belgischen Obstanbau an
Der Hagelschlag vom vergangenen Wochenende hat bei flämischen Obstbauern große Verwüstungen angerichtet. Unter anderem in den Regionen Dormaal, Borgloon, Lanaken und Rijkel sind Betriebe schwer getroffen worden, berichtet vilt.be.
„Bei einigen Erzeugern ist die gesamte Ernte vom Hagel zerstört worden und es kann nicht mehr geerntet werden“, heißt es bei PC Fruit. Hagel und Schäden im Obstanbau sind zwar nicht ungewöhnlich, doch die Häufigkeit ist außergewöhnlich.
Überflutete Straßen in Leuven, Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle in Malderen: Das Unwetter dieses Wochenendes hat in Flandern viel Unannehmlichkeiten und Schäden verursacht. Auch die Region Haspengouw ist schwer getroffen, und mehrere Obstbauern haben Schäden gemeldet.
„Wir haben noch keinen vollständigen Überblick, aber es ist bereits klar, dass der Hagel in einigen Regionen große Schäden angerichtet hat. Einige Parzellen sind komplett vom Hagel zerstört“, erzählt Dany Bylemans, Geschäftsführer des Proefcentrum Fruitteelt in Sint-Truiden.
Bei BelOrta wagt man sich jedoch an eine Schätzung. „Es gibt sowohl Wasser- als auch Hagelschäden. Durch den starken Regen der vergangenen Wochen hatten einige Sorten bereits Risse zu zeigen begonnen. Der lokale Hagelschaden hat das Ganze noch verschlimmert. Wir rechnen mit etwa 20 Prozent Schaden“, sagt Kris Jans, Obstdirektor bei der genossenschaftlichen Obst- und Gemüseauktion BelOrta.
Vincent Van Kerckvoorde, Berater für den Kirschenanbau bei PC Fruit, bestätigt, dass heftiger Hagel vor der Ernte verheerende Auswirkungen auf den Ertrag der Kirschen hat. Er wurde von Erzeugern aus den Regionen Dormaal, Borgloon und Lanaken kontaktiert. „Manche Erzeuger können nicht mehr ernten, weil der Hagel alles zerstört hat“, heißt es.
Hagelnetze für viele Obstbauern zu kostspielig
Van Kerckvoorde baut selbst auch Kirschen in Landen an, auf einer Fläche von sieben Hektar. In den vergangenen Tagen hat er alles daran gesetzt, so viele Überdachungen wie möglich über seinen Kirschbäumen zu schließen. „Wir haben die Überdachungen an diesen sonnigen Tagen geöffnet, um Süßkirschen anbauen zu können. Am liebsten hätte ich die Überdachungen noch etwas länger offen gelassen, aber das Risiko ist zu groß“, erzählt er. Dieses Wochenende blieb der Erzeuger selbst vom Hagel verschont, „aber am Dienstagnachmittag wird erneut Hagel erwartet“.
Genau wie Van Kerckvoorde haben flämische Obstbauern in den vergangenen Jahren in Hagelnetze investiert. So sind bspw. 38 % der Kirschanbaufläche von BelOrta überdacht und dadurch besser vor starkem Regen oder Hagel geschützt. Da die Netze jedoch mit einer erheblichen Investition verbunden sind, sind bei weitem nicht alle Obstbauern geschützt. Vor allem die begrenzte Rentabilität im Apfelanbau machte eine Investition in Hagelnetze weniger attraktiv. Das bestätigt der Obstbauer Brecht Geerdens aus Diepenbeek. „Die Golden-Delicious-Äpfel stehen bei uns nicht unter Hagelnetzen, unsere Club-Sorten hingegen schon.“
Im Birnenanbau werden Hagelnetze kaum eingesetzt, da sie zu viel Licht abhalten. Außerdem ist eine Birne widerstandsfähiger. „Eine Birne hat eine dickere, rauere Schale und ist auch bei leichten Hagelschäden noch verkaufsfähig. Bei Äpfeln ist das nicht der Fall“, so Geerdens, der diesem Wochenende dem Unwetter entgangen ist. „Vor zwei Wochen hatten wir allerdings einige Schäden durch Hagel.“
Häufigkeit von Hagelschauern stark gestiegen
Laut PC Fruit sind Hagel und Schäden im Obstanbau zwar keine Seltenheit, wohl aber die Häufigkeit, mit der sie heutzutage auftreten. Dany Bylemans von PC Fruit: „Früher gab es Märzschauer und Aprilkapriolen. Danach blieb es oft viele Wochen lang ruhig. Erst im Juli oder August, nach einigen heißen Tagen, kam es zu Hagelschauern. Heutzutage kann es zu jeder Jahreszeit hageln.“
Der Geschäftsführer führt dies auf die Folgen der Klimaerwärmung zurück. „Hagel entsteht vor allem bei großen Temperaturunterschieden, und die sehen wir immer häufiger. Nach einer Phase relativer Kühle wird es plötzlich sehr warm, wie in der vergangenen Woche, woraufhin es schnell wieder abkühlen kann. Bei solch starken Temperaturschwankungen kommt es oft zu Hagel“, heißt es.
Schäden an Gewächshäusern, Ställen und Solaranlagen
Auch der Bauernverband hat Meldungen von Landwirten mit Schäden erhalten. „Es handelt sich um sehr lokal begrenztes Unwetter. So gab es in der Region Londerzeel, Malderen und Buggenhout heftigen Hagel. Dies ist das Grenzgebiet zwischen Ostflandern, Antwerpen und Flämisch-Brabant. Dort sehen wir vor allem Schäden an Stahlkonstruktionen, Sonnenkollektoren und Gewächshäusern. Außerdem wurden Schäden an Kohlpflanzen und Spargelbeeten gemeldet“, heißt es.