Frühe Erdbeersaison sorgt für zusätzliche Luftfrachtkapazität zwischen Ägypten und Europa
Das ägyptische Charterunternehmen AirMaster (MR) hat in der vergangenen Woche (KW 47) damit begonnen, Erdbeeren von Kairo zum Flughafen Hahn zu fliegen. Das Unternehmen, so teilt der englische News-Dienst Cargo Forwarder Global mit, betreibe zwei B737-800BCF, die pro Flug 22 t transportieren können.
Die meisten Sendungen sind demnach an DHL Food Logistics und die belgische Tulpin Group adressiert. Während DHL deutsche Großhändler wie die Supermarktketten Rewe und Edeka beliefert, fahren die Lkw der Tulpin Group vom Hahn aus über den Ärmelkanal ins Vereinigte Königreich, um dort lokale Großhändler zu versorgen. Zusätzlich landen die A330F von Egyptair Cargo zweimal pro Woche in Hahn oder am Flughafen Ostende und unterstützen die Erdbeer-Shuttles von AirMaster.
Nach Angaben von Tulpin-CEO Alain Tulpin begann die Erdbeersaison in Ägypten in diesem Jahr rund zwei Wochen früher als im Vorjahr. Zudem sehen die Erträge bereits jetzt vielversprechender aus als 2024. Dies habe die Nachfrage nach Hauptdeckkapazitäten für den Transport der verderblichen Waren von den Feldern zu den Verbrauchermärkten in Mittel- und Westeuropa verstärkt. Während Egyptair in der Vergangenheit seine eigene Frachterflotte für den Transport der Waren einsetzte, kann die Fluggesellschaft in dieser Saison nur eine begrenzte Zahl von Frachtflugzeugen nutzen, da ein Teil der Flotte vertraglich für den Transport von E-Commerce-Sendungen von China nach Europa gebunden ist. Die frühe Erdbeersaison sei für Händler und Luftfrachtunternehmen eine echte Überraschung gewesen, erklärt Alain Tulpin. Ab dem 25. Dezember werde Egyptair jedoch wieder mehr Hauptdeckkapazitäten bereitstellen.
Aufgrund der herausfordernden Situation habe sich die Fluggesellschaft entschieden, Frachter des Newcomers AirMaster zu chartern. Laut Lotfi Zekkour, COO des Abfertigungsunternehmens Hahn Cargo, werden die MR-Shuttles bis Weihnachten fortgeführt und bedienen den Flughafen Hahn mindestens einmal, meist zweimal täglich. Der Kontakt zwischen beiden Seiten sei über ein Telefongespräch zustande gekommen. Die Egyptair-Cargo-Zentrale in Kairo habe ihn kontaktiert und gefragt, ob der Bodenabfertiger Hahn Cargo das Geschäft mit den verderblichen Waren reibungslos bewältigen könne.
„Da ich in Nordafrika geboren wurde und daher Arabisch spreche, gab es vom ersten Telefonat an eine sprachliche und kulturelle Verbindung zwischen uns“, erinnert er sich, was offensichtlich beim Aufbau der Erdbeer-Transportkette half. Nach weiteren Telefonaten sei eine Landung auf einem anderen Flughafen in Deutschland oder im Benelux-Raum für das Management von AirMaster nicht mehr in Frage gekommen, sagte Lotfi gegenüber CargoForwarder Global. „Das liegt auch daran, dass unsere Abfertigungsgeschwindigkeit extrem hoch ist. Selbst an sehr kalten Tagen besteht keine Gefahr von Frostschäden, was die Produktintegrität gewährleistet. Wir erzielen außerdem hohe Umschlagsgeschwindigkeiten, weil die lokalen Pflanzenschutzdienste uns enorm unterstützen.“
Rund 60 % der in Hahn entladenen Sendungen verbleiben in Deutschland, während die Tulpin Group einen erheblichen Teil über den Kanaltunnel ins Vereinigte Königreich transportiert. Ergänzt wird dies durch eine kleinere Anzahl an Erdbeersendungen, die vom Flughafen Hahn aus durch den französischen Spediteur Sotracom nach Frankreich gebracht werden.