Europas Äpfel/WAPA: Zweistelliges Ernteminus erwartet - Polen und Frankreich am stärksten betroffen
Die europäische Apfelernte wird in der kommenden Saison 2026/27 voraussichtlich auf rund 9,5 Mio t sinken. Das entspricht einem Rückgang von 15,6 % gegenüber der laufenden Saison 2025/26 (11,254 Mio t) und liegt 14,3 % unter dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre.
Die Zahlen präsentierte Philippe Binard von WAPA (World Apple and Pear Association) auf der heutigen Prognosfruit 2026 in Konstanz. Es wäre die zweitkleinste Ernte der vergangenen zehn Jahre. „Seit einem halben Jahrhundert versuchen wir, der Realität so nahe wie möglich zu kommen. Wir wissen, dass sich bei einem verderblichen Produkt wie Äpfeln die Situation bis zur Ernte weiterentwickeln kann. Wenn man die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre betrachtet, erkennt man ein Muster: Etwa alle zehn Jahre gibt es einen deutlichen Produktionseinbruch auf rund neun Millionen Tonnen“, sagte Binard.
Deutliche Unterschiede zwischen Erzeugerländern
Am stärksten falle der Rückgang in Polen aus, dem mit prognostizierten 2,665 Mio t weiterhin größten EU-Erzeuger: Hier rechne WAPA mit einem Minus von 29,9 %. Auch Frankreich (1,162 Mio t, -24,2 %), Deutschland (1,013 Mio t, -10,9 %) und Ungarn (135.000 t, -20,6 %) müssten deutliche Einbußen hinnehmen. Italien als zweitgrößter Erzeuger komme mit -2,2 % auf 2,269 Mio t vergleichsweise glimpflich davon. Spanien (525.000 t, +7,5 %) und Griechenland (291.000 t, +53,6 %) verzeichneten dagegen ein Plus. Bei den Sorten dominierten weiterhin Golden Delicious (1,81 Mio t, -11,1 %) und Gala (1,363 Mio t, -8,9 %), während Red Jonaprince (-37,7 %) und Jonagored (-33,0 %) prozentual am stärksten zurückgingen.
Die EU-27-Anbaufläche für Äpfel sei von 522.530 ha im Jahr 2015 auf 456.350 ha im Jahr 2025 gesunken. Das sei ein Rückgang von rund 12,7 % innerhalb einer Dekade.
„Interessant ist, dass auf solche schwachen Erntejahre in der Vergangenheit häufig eine deutliche Erholung folgte. Wir werden sehen, ob sich dieses Muster auch diesmal wiederholt.“
Witterung als möglicher Faktor
Die Wetterdaten für das erste Halbjahr 2026 zeigen: großflächige Niederschlagsdefizite (teils -50 bis -70 % gegenüber dem Referenzzeitraum 1991-2025) in Teilen West- und Südeuropas im Juli, Spätfrostereignisse im April und Mai insbesondere in Mittel- und Osteuropa während der Apfelblüte sowie vermehrte Hitzetage im Juni. Die Blüte in Frankreich wird als „knapp“ (scarce) und in Deutschland als „normal/knapp“ eingeschätzt, während sie in Polen als „normal/reichlich“ bis „reichlich“ gilt. „Wir hatten Überschwemmungen im Süden Europas, späte Fröste und inzwischen deutliche Hinweise auf anhaltende Dürre. All diese Faktoren haben die diesjährige Ernte beeinflusst“, erklärte Binard. „Wir erwarten überwiegend kleinere Fruchtgrößen – mit Unterschieden zwischen den Ländern –, wobei sich das in den kommenden Wochen noch entwickeln kann.“
Handel: mehr Export, weniger Import
Die EU-Apfelexporte legten im Vergleich zur Vorsaison um 19 % auf rund 1,12 Mio t zu, bei einem Wertzuwachs von 13,3 %; der Durchschnittspreis sank um 4,8 %. Wichtigste Zielmärkte seien Ägypten (17 %) und das Vereinigte Königreich (11 %). Die Importe gingen dagegen deutlich zurück (-30,2 % Volumen, -37,5 % Wert), wichtigste Lieferanten seien Chile (29 %) und Südafrika (20 %).
Bei den Preisen zeige sich im Juni 2026 ein EU-Durchschnitt von 87,5 Euro/100 kg. Das entspreche einem Rückgang von 18,5 % gegenüber Juni 2025, mit erheblichen Länderunterschieden: Während die Preise in Deutschland um 54,8 % einbrachen, legten sie in Italien um 5,3 % zu.
Die Bio-Apfelmenge werde für 2026 auf 544.000 t geschätzt (-13,7 % gegenüber 2025), die Verarbeitungsmenge auf 2,862 Mio t (-24,9 %). „Italien, Deutschland und Frankreich bleiben die führenden Erzeugerländer.“
Anstieg bei Birnen erwartet
Demgegenüber wird die Birnenernte in der EU für das Jahr 2026 im Vergleich zum Vorjahr auf 1.946.482 t geschätzt, was einem Anstieg von 5,5 % entspricht. Die Gesamtmenge liegt zudem um 9,9 % über dem Dreijahresdurchschnitt, bleibt jedoch hinter dem Potenzial der Obstplantagen zurück. Die Produktion in Italien wird voraussichtlich um 17,4 % auf 347.325 t steigen, während die Schätzungen für die Niederlande um 9,6 % über denen der vergangenen Saison liegen. Die Birnenprognose für Belgien liegt hingegen um 7,2 % unter der der Saison 2025/26. Für 2026 wird die Erzeugung der Sorte „Conference“ auf 905.693 t (+2,1 %) geschätzt. Die Erzeugung der Sorte „William BC“ dürfte ebenfalls um 1,1 % auf 211.606 t steigen.
Politische Agenda 2026
Binard sprach zudem verschiedene politische Themen an, die die Branche beschäftigen und beeinflussen, dazu gehören die laufende GAP-Reform und den EU-Finanzrahmen (MFF), das „Omnibus X“-Paket, die Verpackungsverordnung PPWR mit Stichtag 12. August 2026, neue genomische Techniken (NBT) mit Blick auf eine mögliche Marktzulassung ab 2028, Sorgen um Kürzungen bei EU-Absatzförderprogrammen sowie die Positionierung von Obst und Gemüse in der Ernährungs- und Gesundheitsdebatte.
Global bleibe die Nordhalbkugel mit rund 57,7 Mio t nahezu stabil (+0,5 %), während die Südhalbkugel um 4,3 % auf 4,5 Mio t zulege.