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Erdbeeranbau in Sachsen weiter unter Druck

Mit dem Beginn der Erdbeersaison in Sachsen macht der Obstbauverband Sachsen & Sachsen-Anhalt auf die schwierigen Rahmenbedingungen im heimischen Erdbeeranbau aufmerksam. Frisch geerntete Erdbeeren aus regionalem Anbau stünden zwar weiterhin für kurze Transportwege und Qualität, zugleich gerate die Produktion jedoch zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. 

Reife Erdbeeren in verschiedenen Größen, rot mit grünen Blättern, eng beieinander liegend, mit sichtbaren Samen auf der Oberfläche.
© PixelPower/AdobeStock

Nach Angaben des Verbands reagiert insbesondere die Erdbeere sensibel auf veränderte Rahmenbedingungen im Obstbau. Als arbeitsintensive Kultur sei sie stark von steigenden Kosten betroffen. Jede Erdbeere werde von Hand geerntet, weshalb der Personalaufwand besonders hoch sei. Inzwischen entfielen 50 bis 60 % der gesamten Produktionskosten auf Löhne. Durch die kontinuierlich steigenden Arbeitskosten in Deutschland wachse der Wettbewerbsdruck gegenüber Importware aus Ländern mit niedrigeren Kostenstrukturen. 

Darüber hinaus verweist der Verband auf weitere Herausforderungen für die Betriebe. Dazu zählten zunehmende Wetterextreme, eingeschränkte Möglichkeiten im Pflanzenschutz, Bürokratie, fehlende Wasserverfügbarkeit sowie geringe Auszahlungspreise. Diese Faktoren erschwerten nach Verbandsangaben einen wirtschaftlich tragfähigen Anbau zusätzlich. Gleichzeitig seien die Anbauflächen und der Selbstversorgungsgrad in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Der Verband verweist auf Zahlen, wonach die Erdbeeranbaufläche in Sachsen von knapp 500 ha im Jahr 2006 auf rund 155 ha im Jahr 2026 gesunken sei. Auch die Erntemengen hätten sich im gleichen Zeitraum deutlich reduziert. 

Mit der diesjährigen Saisoneröffnung wolle der Obstbauverband daher nicht nur den Beginn der Ernte markieren, sondern auch auf die Bedeutung regionaler Kaufentscheidungen aufmerksam machen. Viele einzelne Kaufentscheidungen hätten Einfluss auf die Zukunft heimischer Anbauflächen und Betriebe, so der Verband. Verbraucher werden dazu aufgerufen, die neue Erdbeersaison bewusst mit regional erzeugter Ware zu begleiten. 

Auch auf Bundesebene wird die wirtschaftliche Situation vieler Erdbeerbetriebe kritisch bewertet. Die Bundesfachgruppe Obstbau kritisierte erst kürzlich aktuelle Preisaktionen im Lebensmitteleinzelhandel und verwies dabei unter anderem auf ein Angebot des Discounters Netto mit 500-g-Schalen für 2,49 €. Nach Angaben der Bundesfachgruppe deckten solche Preise die tatsächlichen Produktionskosten deutscher Erdbeererzeuger nicht. Andere Händler würden vergleichbare Preisaktionen durchführen, wodurch der Druck auf die Betriebe zusätzlich steige. Claus Schliecker, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau bezeichnete diese Entwicklung als „völlig unverantwortlich“ und betonte: „Wer regionale Erdbeeren will, muss akzeptieren, dass faire Löhne und hohe Umweltstandards ihren Preis haben.“