Traditionell orientiert sich die Sortenentwicklung stark an den Anforderungen des Anbaus. Neue Sorten werden gezüchtet, in Anbauversuchen getestet und anschließend gemeinsam mit Erzeugern weiter erprobt. Dieses Vorgehen werde nun um eine weitere Perspektive ergänzt: die der Konsumenten. „Wir müssen auch schauen: Was möchte denn der Konsument haben? So können wir den Prozess beschleunigen und zielgenauer züchten“, sagte Lachmann. Erfolgreiche Sorten könnten letztlich nur entstehen, wenn Züchter, Anbauer und Lebensmitteleinzelhandel eng zusammenarbeiteten und zugleich die Bedürfnisse der Verbraucher berücksichtigt würden.
Bekanntheit und Präsentation prägen den Tomatenkauf
Für die Studie wurden im Sommer 2026 in Deutschland 1.102 Personen befragt. Vergleichbare Untersuchungen fanden auch in Großbritannien und den Niederlanden statt. Die deutschen Ergebnisse, so erklärte Ruth Heiter, würden u.a. einen deutlichen Zusammenhang zwischen Bekanntheit und Kauf zeigen. So waren Rispentomaten 87 % der Befragten bekannt und wurden von 85 % gekauft. Bunte Kleintomaten kamen dagegen auf einen Bekanntheitsgrad von 68 % und eine Kaufreichweite von 58 %.
Besonders interessant ist aus Sicht von Heiter, wann die Kaufentscheidung fällt. 49 % der Befragten entscheiden bereits vor dem Einkauf, dass sie Tomaten kaufen möchten, 51 % erst im Geschäft. Bei der Wahl des konkreten Tomatentyps ist der Point of Sale noch entscheidender: Rund zwei Drittel treffen diese Entscheidung erst am Regal. „Das zeigt, dass es nicht nur um Warenpräsentation geht, sondern dass dort tatsächlich im Moment entschieden wird, welcher Tomatentyp gekauft wird“, erklärte Heiter.
Bei den Kaufkriterien liegt der Tomatentyp vorn, dicht gefolgt vom Preis. Geschmack erreicht mit 14 % lediglich Rang drei. Gleichzeitig zeigt sich ein scheinbarer Widerspruch: Gefragt nach den Gründen für den Tomatenkauf nennen 56 % den guten Geschmack. „Genuss spielt für die Konsumenten eine große Rolle, obwohl sie, wenn sie vor dem Regal stehen, Typ und Preis bevorzugen“, so Heiter. Auffällig sei zudem die starke Wahrnehmung der Rispe. Verbraucher verbänden Tomaten an der Rispe besonders mit Frische, Qualität und gutem Geschmack.
Neue Perspektiven für Sortiment und Züchtung
Auch die Verwendung liefert Hinweise für Sortimentsgestaltung und Züchtung. 72 % der Befragten verwenden Tomaten roh, insbesondere im Salat oder als Snack. Große Tomaten werden häufiger zum Kochen genutzt, kleinere eher als Snackgemüse. Dennoch seien viele Segmente aus Verbrauchersicht bislang nur schwach voneinander abgegrenzt.
Darin sieht Enza Zaden Potenzial. Tomatentypen könnten stärker über Geschmack und konkrete Verwendungszwecke differenziert und diese Unterschiede am Point of Sale sichtbarer gemacht werden. So ließen sich Kaufanreize schaffen, die über den Preis hinausgehen. Für Lachmann verändert dies zugleich die Perspektive auf die Sortenentwicklung: „Die Zukunft der Tomatenzüchtung liegt nicht nur im Gewächshaus, wie das früher der Fall war, sondern im Verständnis des gesamten Systems.“