von Inga Detleffsen 2 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

„Das ist eine strukturelle Krise“: Klimawandel setzt italienischer Fresh-Cut-Branche zu

Der Klimawandel bringt Italiens Branche für vorgeschnittenes, verzehrfertiges Obst und Gemüse zunehmend in Bedrängnis. Laut Daten von NielsenIQ hat der Markt für verzehrfertiges Obst und Gemüse in Italien einen Wert von rund 1,2 Mrd Euro, die Marktdurchdringung liegt bei 85 %. 

Junge Salatköpfe in der Züchtung
© Inga Detleffsen

Von den Schwierigkeiten berichtet die zuständige Fachgruppe im italienischen Lebensmittelverband Unione Italiana Food. Seit Juli sei die Verfügbarkeit wichtiger Rohstoffe um bis zu 30 bis 40 % zurückgegangen. Bei den am stärksten betroffenen Ernten kämen durch verstärkte Aussortierung Ertragsverluste von 10 bis 20 % hinzu. 

Besonders betroffen seien Chicorée, Endivien, Salate und Spinat, aber auch Feldsalat, Baby-Leaf-Salate, Rucola und Kohl zeigten deutliche Anzeichen von Stress. Ursache sei eine Kombination aus hohen Temperaturen, anhaltender Trockenheit, unregelmäßiger Wasserverfügbarkeit und unvorhersehbaren Wetterereignissen, die derzeit zahlreiche Anbaugebiete in Italien und Europa gleichzeitig träfen.

Kein saisonales, sondern strukturelles Problem

„Was wir gerade erleben, kann nicht mehr nur als saisonales Problem betrachtet werden, sondern ist eine strukturelle Krise", erklärt Simone Zerbinati, Vorsitzender der Fachgruppe. Die Unternehmen der Branche täten, was möglich sei, um Lieferkontinuität und Qualitätsstandards zu sichern, doch die Branche müsse sich auf ein grundlegend verändertes Marktumfeld einstellen.

Die Folgen zeigten sich bereits im Handel: Einige Supermarktketten in Italien hätten Hinweisschilder zu vorübergehend fehlenden Produkten aus diesem Segment angebracht, was auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten sei. 

Der Verband fordert angesichts der Prognosen für 2027 und die Folgejahre einen engeren Schulterschluss entlang der gesamten Lieferkette, d.h. von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zur Logistik, um Engpässe frühzeitig zu kommunizieren und die Beschaffung besser zu planen.