von Inga Detleffsen 2 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

„Bis zum totalen Ertragsausfall“: Bauernpräsident Rukwied schlägt wegen Dürre Alarm

Der vergangene Juli war weltweit der wärmste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Dabei zeigte sich ein klares Gefälle: Im Südwesten Deutschlands war es am trockensten, heißesten und sonnigsten, während der Nordosten näher am langjährigen Mittel blieb, wie es im monatlichen Klimastatus des Deutschen Wetterdienstes (DWD) heißt. 

Erdbeeren mit Sonnenbrand
Erdbeeren seien vielerorts „verbrannt“, berichtet der DWD im monatlichen Klimastatus.
© Сергей Дудиков - AdobeStock

Niederschlag fiel meist schauerartig oder gewittrig, vereinzelt begleitet von Orkanböen und sogar Tornados, etwa am Bodensee und vor Fehmarn. Zur Monatsmitte kam mehrfach Hagel hinzu, der unter anderem Kartoffeln und Zuckerrüben beschädigte - hier hatten wir über die Hagelschäden im Juli berichtet. Die Bodenfeuchte sank im Monatsverlauf immer weiter ab, besonders in der Südwesthälfte. Temperaturrekordwerte von 30 °C bis 41 °C hätten zum Monatsende „für Mensch, Tier und Pflanze eine sehr hohe Wärmebelastung“ erzeugt, so der DWD.

Die anhaltende Trockenheit sorgte vielerorts für extremes Niedrigwasser in den Flüssen. Für den Obst- und Gemüsebau bedeutete das zunehmenden Hitze- und Trockenstress: Erdbeeren seien vielerorts „verbrannt“, Ernten von Kartoffeln, frühen Äpfeln, Pflaumen und Aprikosen fanden statt, wurden jedoch teils vorzeitig beendet; an Obst habe sich Sonnenbrand gezeigt. 

Rukwied: Ertragsminderungen absehbar

„Bei uns hat es im Juli elf Millimeter geregnet, im August bisher acht“, erklärte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Es kommen Ertragsminderungen bei Kartoffeln, Körnermais, Silomais und Zuckerrüben auf uns zu. Das trifft die Betriebe massiv.“ Bei Getreide gehe er von „einer unterdurchschnittlichen Ernte“ aus, bei Herbstkulturen sei „mit erheblichen Eintragseinbußen“ zu rechnen. „In südlichen Teilen Deutschlands könnte das bis zum totalen Ertragsausfall gehen“, so Rukwied, während die Bestände weiter nördlich „noch akzeptabel“ aussähen. Problematisch sei auch, dass aufgrund der Trockenheit kein Futter nachwachse.

Bewässerung spielt eine wichtige Rolle, auch wenn laut Bauernverbands-Präsident nur rund drei Prozent der landwirtschaftlichen Flächen bewässert werden können. Kartoffeln oder Gemüse zu beregnen sei zwar teuer, helfe aber, Menge und Qualität zu halten. Jungpflanzen würden häufiger storniert, da die Landwirte aufgrund des Wassermangels keine Aufzuchtmöglichkeiten sähen. 

Dass der Klimawandel stattfindet, steht für ihn nicht zur Diskussion. „Wir (...) müssen unseren Anteil daran reduzieren, etwa durch CO2-Reduktion und CO2-Speicherung“, so Rukwied. Statt Klimakrisen-Untergangsstimmung wirbt er für Klimaanpassung, z.B. durch vielfältigere Fruchtfolgen, wasserschonende Verfahren wie Mulch- oder Direktsaat oder Baumstreifen. „Was wir brauchen, ist mehr Freiheit und weniger Reglementierung. Man muss uns machen lassen und Innovationen ermöglichen.“