BayWa Obst bezieht Solarstrom direkt von der Plantage
Äpfel und Energie aus einer Partnerschaft: BayWa Obst bezieht künftig Solarstrom aus der Agri-Photovoltaikanlage des Obsthofs Bernhard in Kressbronn am Bodensee.
Grundlage dafür ist ein Power Purchase Agreement (PPA) zwischen dem Erzeugerbetrieb und BayWa Obst. Der auf den Apfelplantagen erzeugte Strom wird über eine Direktleitung zum nahegelegenen BayWa Obst-Standort in Kressbronn geführt, so BayWa.
Die neue Agri-PV-Anlage verbinde die Produktion von Tafelobst mit der Gewinnung von Solarstrom und verfüge laut Projektentwickler über eine Leistung von 2,4 Megawattpeak und sei derzeit Europas größte Anlage ihrer Art. Die Entfernung zum nächsten Lager- und Packbetrieb von BayWa Obst beträgt rund 500 m. Damit liegen landwirtschaftliche Erzeugung, Stromproduktion und die Nutzung der Energie für die weitere Wertschöpfung von Äpfeln in unmittelbarer räumlicher Nähe.
„Unsere Zusammenarbeit mit den Erzeugern endet nicht bei der Vermarktung ihrer Äpfel. Wir wollen gemeinsam Strukturen schaffen, die dem Obstbau am Bodensee eine langfristige Perspektive geben. Das Projekt in Kressbronn macht diese Partnerschaft sehr konkret: Auf den Flächen unseres Erzeugerpartners wachsen Äpfel und gleichzeitig entsteht Solarstrom, den wir wenige hundert Meter entfernt an unserem Standort nutzen“, sagt Christian Rothfuss, Geschäftsführer bei BayWa Obst.
Vom Pilotprojekt zur größeren Agri-PV-Anlage
Der Obsthof Bernhard beschäftige sich bereits seit mehreren Jahren mit Agri-PV. 2022 wurde dort im Rahmen der Modellregion Agri-Photovoltaik Baden-Württemberg eine 0,4 ha große Pilotanlage mit einer Leistung von gut 230 Kilowattpeak eröffnet.
Auf diesen Erfahrungen baue die nun fertiggestellte Erweiterung auf. Auch hier werden Apfelanbau und Solarstromerzeugung auf derselben landwirtschaftlichen Fläche miteinander verbunden. Mit der BayWa Obst erhalte das Konzept durch die direkte Abnahme des Stroms eine zusätzliche Dimension: Erzeuger und Vermarkter arbeiten nicht nur beim Obst, sondern auch bei der Energieversorgung entlang der regionalen Wertschöpfungskette zusammen.
„Mit der Agri-PV schaffen wir ein zusätzliches Standbein für unseren Betrieb und investieren gleichzeitig in die nächste Generation. Dass der Strom direkt bei unserem Vermarktungspartner nebenan genutzt wird, macht das Projekt für uns besonders schlüssig: Äpfel und Energie bleiben Teil derselben regionalen Wertschöpfung“, sagt Hubert Bernhard.
Die Erfahrungen mit der Pilotanlage zeigen zugleich Potenziale für den Obstbau. Die Überdachung kann die Apfelbäume u.a. vor Hagel und extremer Witterung schützen. Der Obsthof berichte darüber hinaus von einem geringeren Wasserbedarf und reduziertem Pflanzenschutz unter der Anlage.
Partnerschaft für den deutschen Apfel
Der Standort Kressbronn am Bodensee stehe bei BayWa Obst für die enge Zusammenarbeit mit dem regionalen Obstbau und die Vermarktung deutscher Äpfel. Mit dem PPA soll diese Verbindung um einen weiteren Baustein ergänzt werden.
„Für uns gehören leistungsfähige Erzeugerbetriebe und eine verlässliche Vermarktung zusammen. Wir sind überzeugt, dass die Zukunft des deutschen Apfels auch davon abhängt, gemeinsam mit unseren Erzeugern neue und wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu entwickeln. Genau diese Zusammenarbeit wollen wir am Bodensee weiter stärken“, sagt David Asmelash, Vertriebsleiter und Exportbeauftragter.
Kurz vor der offiziellen Eröffnung erhielt das Agri-PV-Projekt zusätzliche Anerkennung: Beim erstmals vergebenen Zukunftspreis Deutsche Energie erreichte der Projektentwickler mit dieser Anlage am 6. Oktober 2026 den zweiten Platz. Bei der Bewertung des Wettbewerbs spielten unter anderem gesellschaftlicher Nutzen und regionale Wertschöpfung eine Rolle.
Die feierliche Eröffnung der erweiterten Agri-PV-Anlage findet am 25. Oktober 2026 in Kressbronn am Bodensee statt.