von Daniel Schmidt 3 Min Lesezeit X Facebook LinkedIn

„Verpackung wird plötzlich zu einem Datenobjekt“

Mit der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) steigen nicht nur die Anforderungen an das Design von Verpackungen. Auch die Menge der Informationen, die Unternehmen über ihre Verpackungen erfassen, bewerten und entlang der Lieferkette austauschen müssen, nimmt deutlich zu. Darauf machte Alina Ott, Manager Sustainability bei GS1 Germany, in ihrem Vortrag „Fit für die PPWR: Effizienter Datenaustausch entlang der Lieferkette“ beim Deutschen Obst & Gemüse Kongress (DOGK) aufmerksam.

Alina Ott von der GS1 Germany GmbH während ihres Vortrags beim diesjährigen DOGK
Alina Ott von der GS1 Germany GmbH während ihres Vortrags beim diesjährigen DOGK

Neben Vorgaben etwa zu Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteilen und Volumenminimierung sieht Ott deshalb vor allem das Datenmanagement als zentrale Herausforderung. „Verpackung wird plötzlich zu einem Datenobjekt“, brachte sie die Entwicklung auf den Punkt. Für Konformitätserklärungen müssten künftig unter anderem Informationen zu Materialien, Gewichten, Volumen, Rezyklatanteilen und Recyclingfähigkeit vorliegen und entsprechend nachgewiesen werden. Aus dem Verpackungsdesign werde damit „Verpackungsdesign plus Datenmanagement“.

Vom Datendschungel zur klaren Struktur

Die Herausforderung: Die benötigten Informationen entstehen an unterschiedlichen Stellen der Lieferkette. Am Beispiel einer Erdbeerschale mit Etikett, Banderole oder Siegelfolie zeigte Ott, wie schnell Daten verschiedener Lieferanten zusammengeführt werden müssen. Verpackungsdaten würden damit zu einem Kollaborationsthema. Individuelle Templates, unterschiedliche Begrifflichkeiten und Definitionen könnten den Austausch zusätzlich erschweren. Was bilateral noch funktioniere, sei in einem großen Netzwerk kaum skalierbar.

Entscheidend seien daher eine eindeutige Identifikation der Verpackung beziehungsweise ihrer Komponenten, ein geeignetes Datenmodell und ein strukturierter Austausch. Dabei müsse zugleich berücksichtigt werden, dass nicht jeder Empfänger dieselben Informationen benötigt. Behörden, Handel und Verbraucher hätten jeweils unterschiedliche Datenbedarfe. Auch Geschäftsgeheimnisse gelte es zu schützen. Ott formulierte dafür ein klares Leitprinzip: „So viele Daten wie nötig, aber so wenig wie möglich.“

Standards als Basis für den Datenaustausch

Eine Grundlage für einen skalierbaren Austausch können nach ihrer Darstellung GS1-Standards schaffen. Das aus der Warenkennzeichnung bekannte Prinzip „Identify, Capture, Share“ lasse sich auch auf Verpackungen übertragen. Verpackungen und einzelne Komponenten könnten über GS1-Schlüssel eindeutig identifiziert, über Datenträger wie Barcodes oder QR-Codes zugänglich gemacht und die zugehörigen Informationen strukturiert ausgetauscht werden. Ziel sei es, keine neuen Insellösungen für einzelne regulatorische Anforderungen aufzubauen. Denn neben der PPWR müssten Unternehmen auch weitere Vorgaben wie die ESPR und den digitalen Produktpass berücksichtigen. Einheitliche Standards könnten dabei helfen, Doppelaufwände zu reduzieren.

Unternehmen riet Ott, zunächst Verantwortlichkeiten und die eigene Rolle für die jeweilige Verpackung zu klären. Anschließend gelte es, Transparenz darüber zu schaffen, welche Verpackungsdaten bereits vorhanden sind, welche Informationen von Lieferanten kommen und welche an Kunden weitergegeben werden müssen. Standards sollten möglichst frühzeitig in die Prozesse integriert werden.

Denn für Ott ist die grundsätzliche Entwicklung bereits klar: „Die Frage stellt sich gar nicht mehr, ob Daten ausgetauscht werden, sondern wie effizient und interoperabel wird dies perspektivisch gemacht.“ Gerade angesichts komplexer Lieferketten und weiterer regulatorischer Anforderungen werde ein standardisierter Datenaustausch damit zu einem wesentlichen Baustein für die Umsetzung der PPWR.