Vielfalt auf dem Acker sei keine kurzfristige Reaktion auf Krisen, sondern eine Vorsorgeleistung mit langem Vorlauf, unterstrich Franck. „Zwischen der ersten züchterischen Entscheidung und einer marktreifen Sorte liegen oft zehn bis fünfzehn Jahre.“ Damit diese Vorsorge wirken könne, brauche es ein funktionierendes Innovationssystem Pflanze mit verlässlichen politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Politische Entscheidungsträger müssten der Pflanzenzüchtung daher mit strategischer Weitsicht begegnen. Erforderlich seien langfristige Forschungs- und Innovationsförderung, ein schlüssiger und innovationsfreundlicher Rechtsrahmen sowie Planungssicherheit für die züchterische Arbeit.
Züchtung als Risikoversicherung
Andernfalls drohe die Landwirtschaft immer wieder in Krisen zu geraten, etwa wie jüngst beim Auftreten der Schilf-Glasflügelzikade, warnte Franck. „Wenn wir nicht vorbereitet sind und das Thema politisch nicht mitdenken, ist damit zu rechnen, dass Krisen häufiger auftreten und wir in zehn oder 15 Jahren ernsthaft in die Bredouille kommen.“
Eine zusätzliche Perspektive brachte die Vereinigte Hagelversicherung VVaG auf Basis von Schaden- und Risikodaten ein. „Unsere Auswertungen zeigen, dass sich Witterungsrisiken regional sehr unterschiedlich auswirken“, erklärte Vorstandssprecher Dr. Philipp Schönbach. Betriebliche Anpassungen allein reichten in vielen Fällen nicht mehr aus. Vielfalt bei Kulturarten und Sorten wirke risikodämpfend und stabilisierend, auch wenn sie keine absolute Sicherheit bieten könne.
Nachbau und Patente
Aus Sicht der züchterischen Praxis hob der stellvertretende BDP-Vorsitzende Dietmar Brauer die unternehmerische Dimension hervor. „Züchtung heißt, heute Entscheidungen zu treffen, deren Wirkung sich oft erst Jahre später zeigt. In einer Situation wachsender Unsicherheit ist entscheidend, ob wir diese langfristigen Investitionen noch verlässlich planen können.“
Konkret bedeute das, so Franck, dass Themen wie Nachbau und Patentrecht kohärent zusammengedacht werden müssten, um Innovationen in der Pflanzenzüchtung langfristig zu sichern. Es müsse gewährleistet sein, dass Patente den Betrieben nicht den Zugang zu genetischem Material versperren.
Dass den Züchterbetrieben jährlich Nachbaugebühren von rund 13 Mio Euro entgingen, sei langfristig nicht tragbar, ergänzte Brauer. Ohne diese Einnahmen könnten bestimmte Sorten nicht finanziert werden – mit entsprechenden Folgen für die Anpassungsfähigkeit der Landwirtschaft an sich häufende Krisen. AgE