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Niederlande: Pflanzenschutzmittel gelangen im Gewächshausanbau weiterhin ins Wasser

Trotz jahrelanger Investitionen in die Abdichtung von Gewächshäusern und die Abwasserreinigung werden in den Oberflächengewässern rund um Gewächshäuser nach wie vor in großem Umfang Pflanzenschutzmittel nachgewiesen. Das geht aus einer Untersuchung von Natuur & Milieu hervor. 

Mann zieht Kartons mit Paprika durchs Gewächshaus
© Natuur & Milieu

An mindestens 60 % der von den Behörden in Gewächshausgebieten genutzten Messstellen werden die Umweltgrenzwerte durch giftige Stoffe aus den Gewächshäusern überschritten. Natuur & Milieu kommt zu dem Schluss, dass ein chemiefreier Anbau die einzige Möglichkeit ist, das Leben im Wasser zu schützen.

Es herrsche die weit verbreitete Vorstellung, dass der niederländische Gewächshausanbau ein geschlossenes System sei, in dem Wasser, Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel innerhalb des Gewächshauses verbleiben. Dieses Bild halte sich hartnäckig, sei aber falsch. Aus der aktuellen Studie des Büros BWZ Ingenieurs, die im Auftrag von Natuur & Milieu durchgeführt wurde, geht hervor, dass trotz aller technischen Maßnahmen und Zusagen der Branche nach wie vor strukturell Pflanzenschutzmittel in Gräben und Kanälen rund um Gewächshäuser nachgewiesen werden.

Die Ursachen wurden nicht untersucht, können aber von Leckagen und Einleitungen bis hin zur Belüftung durch offene Fenster reichen. „Technische Maßnahmen und Durchsetzung allein reichen nicht aus“, sagt Rob van Tilburg, Programmdirektor bei Natuur & Milieu. „Diese Untersuchung zeigt, dass dies keine Ausnahme ist. Solange chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, gelangen weiterhin Schadstoffe ins Wasser. Ein chemiefreier Anbau ist daher notwendig.“

Die Forscher analysierten Messdaten aus elf Jahren, die von landesweiten Wassermessnetzen in Gewächshausanbaugebieten stammen. Daraus gehe hervor, dass die Zahl der Grenzwertüberschreitungen zwischen 2014 und 2024 deutlich zurückgegangen sei. Das seien positive Nachrichten, so Natuur & Milieu. Gleichzeitig stellen die Forscher fest, dass an mindestens 60 % der Messstellen jährlich eine oder mehrere Substanzen die zulässigen Grenzwerte überschreiten. Mit anderen Worten: An mehr als der Hälfte der Standorte gelangen jährlich Substanzen ins Wasser, die für das Leben im Wasser schädlich sind.

Zudem seien die Überschreitungen oft erheblich: mehrfach über dem Grenzwert, mit Spitzenwerten von bis zu mehr als dem 100-Fachen des zulässigen Wertes. „Alle Überschreitungen sind schädlich“, sagt Van Tilburg. „Der Grenzwert ist wirklich eine harte Grenze, bei deren Überschreitung Schäden an Pflanzen und Tieren sowie im Ökosystem auftreten.“

Im Wasser befinden sich oft Mischungen verschiedener Pflanzenschutzmittel. Dadurch entstehe der sogenannte „toxische Druck“: die kombinierte Wirkung mehrerer Stoffe gleichzeitig. Auch geringe Konzentrationen verschiedener Stoffe können so schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben im Wasser haben. An der Hälfte der Messstellen sei dieser toxische Druck immer noch so hoch, dass Arten verschwinden können. Der Gewächshausanbau schneide dabei relativ schlecht ab: Der Anteil der Standorte mit hohem toxischem Druck sei mehr als doppelt so hoch wie der landesweite Durchschnitt für Oberflächengewässer.

Die Untersuchung zeige, dass vor allem Insektizide und Fungizide nachgewiesen werden. Viele dieser Mittel wirken nicht selektiv. So töten Insektizide auch andere Insekten als nur Schädlinge. „Wir beobachten, dass immer mehr Landwirte auf natürliche Alternativen zu Insektiziden zurückgreifen, wie z.B. Raubwespen und Marienkäfer. Man würde also erwarten, dass man nicht so viele insektizide Pflanzenschutzmittel im Wasser findet, aber leider ist das doch der Fall“, so Natuur & Milieu.

Die niederländische Regierung habe mit der Branche vereinbart, dass im Gewächshausgartenbau spätestens bis 2027 so gut wie keine Pflanzenschutzmittel mehr in die Umwelt gelangen dürfen. Auf der Grundlage der aktuellen Zahlen sei dieses Ziel ohne zusätzliche Maßnahmen nicht erreichbar. „Die Branche hat gezeigt, dass Verbesserungen möglich sind, aber um dieses Problem wirklich anzugehen, müssen wir an der Quelle ansetzen: den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel drastisch reduzieren“, so Natuur & Milieu.