Die Analysten sehen schwächere Preisentwicklungen für Milchviehhalter, Schweinehalter und Ackerbauern, während die Aussichten für Unternehmer in der Geflügelhaltung, der Kälbermast und im Gewächshausgartenbau positiv sind. Eine mögliche Energiekrise infolge des Krieges im Nahen Osten könnte die Perspektiven jedoch verschlechtern – insbesondere für den Gartenbau. „Im Gewächshausgemüse- und Zierpflanzenanbau sind die Erzeugerpreise derzeit durchweg positiv. Das Extremwetter in Südeuropa hat in mehreren Regionen zu Ernteausfällen bei verschiedenen Gemüsearten geführt. Dadurch steigen die Gemüsepreise, wovon niederländische Gewächshausgemüsebetriebe profitieren“, heißt es.
Die Preise für Gas und Energie waren in den vergangenen Monaten aufgrund eines großen Angebots gesunken. Mit den Spannungen im Nahen Osten dürfte dieser Trend nach Einschätzung von ABN AMRO jedoch ein Ende finden. Beschädigte Produktionsanlagen, Störungen sowie Blockaden wichtiger Schifffahrtsrouten in der Region belasten derzeit die globalen Energiemärkte. Über die derzeit von Konflikten betroffene Straße von Hormus wird rund ein Viertel des weltweiten Seehandels mit Öl und etwa ein Fünftel des globalen Handels mit Flüssigerdgas (LNG) abgewickelt. Die Preise für Öl und Gas steigen bereits, liegen jedoch in den ersten Tagen nach Kriegsbeginn noch deutlich unter dem Niveau der Energiekrise von 2022. Auch die Landwirtschaft sieht sich mit höheren Energiepreisen konfrontiert. Besonders betroffen ist der Gewächshausgartenbau: Diese Branche verbraucht rund 78 % des gesamten Energiebedarfs der Land- und Gartenbauwirtschaft. Und Energie ist mit einem Anteil von 15 % bis 25 % der größte Kostenfaktor in Gewächshausbetrieben.
Nach Einschätzung von ABN AMRO haben viele Gewächshausunternehmer bereits Lehren aus der Energiekrise von 2022 gezogen. Seit 2021 konnten sie ihren Einsatz fossiler Energie um etwa 20 % reduzieren – durch Investitionen in energiesparende Technologien und alternative Energiequellen. Zudem wurde das Energiemanagement in vielen Betrieben weiter professionalisiert. „Höhere Energiepreise müssen für die Branche nicht ausschließlich negativ sein. Knapp die Hälfte der Betriebe produziert selbst Energie, vor allem über Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK). Gewächshausbetriebe decken damit rund 12 % des niederländischen Strombedarfs ab“, so ABN AMRO.