Steigende Energiepreise und ein zunehmender Mangel an Düngemitteln verschärfen die Lage in der Lebensmittelproduktion und -verteilung erheblich. Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) warnte nun davor, dass die Zahl der von akutem Hunger betroffenen Menschen im Jahr 2026 ein neues Rekordniveau erreichen könnte. Sollte der Konflikt andauern und die Ölpreise dauerhaft über 100 US-Dollar pro Barrel bleiben, könnten zusätzlich rund 45 Millionen Menschen in akute Nahrungsmittelunsicherheit geraten. Bereits im Zuge des Ukraine-Krieges hatte sich 2022 die Zahl hungernder Menschen weltweit auf 349 Millionen erhöht.
Anders als damals steht nun jedoch keine klassische Agrarregion im Zentrum der Krise, sondern eine Schlüsselregion für Energieversorgung und Düngemittelhandel. Gerade diese enge Verknüpfung von Energie- und Lebensmittelmärkten verschärft die Situation zusätzlich. Denn die Golfregion spielt eine zentrale Rolle im globalen Düngemittelhandel, wobei etwa 30 % der Transporte durch die Straße von Hormus verlaufen. Infolge der aktuellen Spannungen sind die Preise für Düngemittel bereits um 30 % bis 40 % Prozent gestiegen. Dies könnte vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern gravierende Folgen haben, da dort die Landwirtschaft stark von Düngemitteleinsatz abhängig ist. Experten befürchten Verzögerungen bei der Aussaat wichtiger Nutzpflanzen sowie geringere Erträge.
Während Industrieländer vor allem mit steigenden Preisen und wirtschaftlichen Einbußen rechnen müssen, ist in ärmeren Ländern die Ernährungssicherheit unmittelbar gefährdet. Die internationale Gemeinschaft steht damit vor der Herausforderung, nicht nur eine geopolitische Krise zu bewältigen, sondern auch eine drohende globale Ernährungskrise abzuwenden.