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Logistikbranche fordert konsequente Reformen für den Standort Deutschland

Die deutsche Speditions- und Logistikbranche zeigt nach dem schwierigen Jahr 2025 erste Anzeichen einer Stabilisierung der Auftragslage. Trotz zuletzt gestiegener Umsatzerwartungen ist ein nachhaltiges Wachstum bislang jedoch nicht erkennbar. Als wesentliche Herausforderungen gelten neben der Nachfrageentwicklung vor allem die strukturellen Standortbedingungen in Deutschland. 

Frachtflugzeug mit der Aufschrift 'CARGO' hebt über gestapelten weißen Kühlcontainern mit blauen Kühlaggregaten ab, blauer Himmel mit Wolken
© Artinun/AdobeStock

Auf seiner Mitgliederversammlung hat sich der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik kürzlich für wirtschafts-, arbeitsmarkt- und sozialpolitische Reformen sowie verlässlichere Rahmenbedingungen am Standort Deutschland ausgesprochen.

Nachdem das Geschäftsklima in der Spedition laut ifo-Konjunkturtest im April 2026 infolge des Iran-Kriegs und des Ölpreisschocks deutlich zurückgegangen war, hat sich die Stimmung in der Branche im Sommer wieder verbessert. Damit folgt sie grundsätzlich der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, reagiert jedoch vergleichsweise empfindlich auf Kostensteigerungen, etwa bei den Kraftstoffpreisen. „Die Wachstumsimpulse kommen überwiegend aus internationalen Märkten und weniger aus der deutschen Volkswirtschaft“, sagt DSLV-Präsident Axel Plaß. Während nationale Transportmärkte weiterhin von der schwachen Binnenkonjunktur beeinflusst werden, tragen internationale Verkehre, see- und luftfrachtnahe Dienstleistungen sowie die Kontrakt- und Lagerlogistik zur Stabilisierung der Branche bei.

Auch das vergleichsweise wachstumsstarke Seefrachtgeschäft steht derzeit vor Herausforderungen. Für Speditionen, Reedereien und Häfen wird es schwieriger, sich in einem zunehmend von politischen und wirtschaftlichen Spannungen geprägten Umfeld zu bewegen. Darin waren sich die Branchenvertreter auf der Seefrachtkonferenz des DSLV mit mehr als 200 Teilnehmern im Vorfeld der DSLV-Mitgliederversammlung einig. Handelspolitische Veränderungen und Einschränkungen auf wichtigen Seeverkehrswegen wirken sich auf die globalen Warenströme aus. Frachtraten schwanken, Häfen sind teilweise stark ausgelastet und Transportrouten werden kurzfristig angepasst. Dass Lieferketten dennoch weitgehend aufrechterhalten werden können, führen die Branchenvertreter insbesondere auf die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen zurück. Gleichzeitig steigen die Kosten für alternative Routen, Energie, Sicherheitsmaßnahmen und die Erfüllung regulatorischer Anforderungen.

Die Auswirkungen globaler Krisen auf Unternehmensstrategien und das operative Geschäft werden nach Einschätzung des DSLV durch ungünstige Standortbedingungen zusätzlich verstärkt. Für die Logistik spielt dabei insbesondere die Verkehrsinfrastruktur eine wichtige Rolle. Mit Blick auf den Bundeshaushalt 2027 fordert der DSLV deshalb, das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität nicht als Ersatz für reguläre Haushaltsmittel einzusetzen. DSLV-Präsident Axel Plaß: „Jeder Euro aus dem Sondervermögen muss in zusätzliche Investitionen fließen. Die Wirtschaft braucht keine Haushaltskosmetik, sondern einen Modernisierungsschub für Deutschlands Infrastrukturen für Verkehr, Digitalisierung und Energie.“

Trotz der bestehenden Unsicherheiten investieren Speditionsunternehmen nach Angaben des DSLV weiterhin in die Zukunftsfähigkeit ihrer Betriebe. Dazu zählen Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung, emissionsärmere Antriebe und Prozesse sowie energieeffiziente Standorte. Aus Sicht des Verbands sind dafür ein technologieoffener Ordnungsrahmen und wettbewerbsfähige Energiepreise erforderlich.

„Politik kann nicht jede Krise verhindern, aber sie muss dafür sorgen, dass der Standort Krisen besser verkraftet“, sagt DSLV-Präsident Plaß. Aus Sicht des Verbands bestehen hier weiterhin Handlungsbedarf und strukturelle Herausforderungen. Als Beispiele nennt der DSLV die Entwicklung der Energie- und Lohnnebenkosten, Bürokratie, Infrastrukturdefizite und den Fachkräftemangel. Statt kurzfristiger Entlastungsmaßnahmen seien aus Sicht des Verbands langfristig angelegte Reformen erforderlich. „Es gibt zahlreiche Reformversprechen. Was fehlt, ist die politische Konsequenz bei der Umsetzung“, kritisiert Plaß. 

„Solange hohe Energie- und Lohnnebenkosten, Bürokratie, Infrastrukturdefizite und Fachkräftemangel fortbestehen, droht der beginnenden Erholung schnell wieder die Kraft auszugehen. Wir brauchen keine Reformdebatten mehr, wir brauchen jetzt Reformgesetze.“