KU Leuven präsentiert hochmodernen und fossilfreien Gewächshauskomplex
Der neue Gewächshauskomplex der KU Leuven in Heverlee wurde offiziell eröffnet. Die Hightech-Infrastruktur eröffnet neue Möglichkeiten für die innovative (Pflanzen-)Forschung der Universität sowie für die Ausbildung von Studierenden der Biologie und der Bioingenieurwissenschaften.
Der Komplex wird der Universität zufolge mit fossilfreier Energie betrieben, was für ein Gewächshaus außergewöhnlich ist.
Eine nachhaltigere Produktion und den Schutz von Nutzpflanzen – daran arbeiten Wissenschaftler der KU Leuven aus verschiedenen Forschungsabteilungen, die im Leuven Plant Institute zusammengeschlossen sind, seit Jahrzehnten. Nun können sie ihre Forschung in einem modernen Gewächshauskomplex mit der neuesten Technologie betreiben. Das Gewächshaus wird Forschung und Lehre fördern und neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit Partnern aus verschiedenen Forschungs- und Industriebereichen schaffen.
„Das bisherige Gewächshaus war zu klein geworden und entsprach nicht mehr den aktuellen Forschungsanforderungen“, erklärt Bram van de Poel, Professor für Bioingenieurwesen und Leiter der KU Leuven Greenhouses Core Facility. „Der neue Komplex hat eine Fläche von 3360 m² – fast doppelt so groß wie das bisherige Gewächshaus – und bietet Platz für 34 Kammern, jede mit ihren spezifischen Klimabedingungen. Das neue Gewächshaus sei ein großer Gewinn für die Ausbildung von Studierenden der Biowissenschaften und der Biologie. Hier können sie praktische Übungen durchführen und dabei einen hervorragenden Blick auf die verschiedenen Versuchsaufbauten und Pflanzen haben.“
Flexibilität an erster Stelle
Die Forschungsräume sind in verschiedenen Größen erhältlich – 32 m², 64 m² oder 128 m² – und voneinander abgetrennt. Jedes Abteil verfüge über eigene Klimaparameter: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Bewässerung und Beleuchtung. So kann jedes Experiment je nach Kulturpflanze – von Erdbeeren, Bananen und Birnen bis hin zu Chicorée, Ackerschmalwand und vielen anderen – in einer separaten, kontrollierten Umgebung stattfinden. Darüber hinaus lassen sich vier der Abteile verdunkeln, wodurch die Forscher künstliche Dämmerung simulieren und die Blüte der Pflanzen steuern können.
Gewächshausleiter Poi Verwilt leitete die Planung und den Bau in enger Zusammenarbeit mit den Technischen Diensten der KU Leuven und koordiniert die Planung und Unterbringung der verschiedenen Forschungsprojekte. „Im Gegensatz zu einem kommerziellen Gewächshaus ist uns Flexibilität wichtiger als Größe. Forscher von innerhalb und außerhalb der Universität kommen mit einem Forschungsvorschlag zu uns und erhalten ein maßgeschneidertes Abteil für ihr Projekt. Mit dieser neuen Infrastruktur können wir spezifische Forschungsanforderungen besser erfüllen und auf die Wetterbedingungen im Freien reagieren.“
Der Komplex verfüge über die Biosicherheitsstufe G2, was es Forschern ermögliche, mit gentechnisch veränderten Pflanzen und gängigen Krankheitserregern wie Pilzen, Bakterien, Viren und Schädlingen zu arbeiten. Darüber hinaus wurden vier Gewächshausbereiche als spezialisierte Quarantäneeinheiten (G2Q, die höchste Biosicherheitsstufe) eingerichtet. In diesen Quarantäneeinheiten können Forschungsarbeiten mit Quarantäneorganismen durchgeführt werden, die potenziell erhebliche Schäden an Kulturpflanzen verursachen könnten.
„Schädlinge und Krankheiten breiten sich immer schneller aus, was zum Teil auf den zunehmenden internationalen Austausch von Pflanzenmaterial und sich verändernde Klimabedingungen zurückzuführen ist“, erklärt Barbara de Coninck, Professorin für Bioingenieurwesen. „Diese Quarantäneeinheiten ermöglichen es uns, die Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und neuen oder regulierten Organismen unter streng kontrollierten und sicheren Bedingungen zu untersuchen. Auf diese Weise können wir Wissen aufbauen, das dabei hilft, Probleme effizienter zu erkennen, zu bewältigen und vorzugsweise zu verhindern. Eine solche Quarantäneinfrastruktur erfordert eine starke technische Logistik, eröffnet aber Forschungsmöglichkeiten, die in Flandern selten sind.“
Fossilfreie Energie
Bei der Planung und dem Bau des Gewächshauskomplexes wurde großer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Das Gewächshaus wird mit fossilfreier Energie betrieben, wobei Wärmepumpen und Sonnenkollektoren kombiniert und durch den Bezug von Ökostrom ergänzt werden. Was den Wasserverbrauch angeht, ist das Gewächshaus nahezu autark und nutzt Regenwasser, das in einem 1700 m³ fassenden Teich gesammelt wird.