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Insekten sind nicht nur Eindringlinge, sondern auch Opfer

Insekten werden oft als Eindringlinge angesehen, wie die gelbbeinige (asiatische) Hornisse, der Harlekin-Marienkäfer und die Feuerameise zeigen. Neue Forschungsergebnisse der Universität Exeter zeigen jedoch, dass Insekten auch Opfer invasiver gebietsfremder Arten sind.

Harlekinlarve und Eier
© Bill Phillips

Diese verschärfen den Rückgang ihrer Populationen und schränken ihre Fähigkeit ein, lebenswichtige Leistungen für die biologische Vielfalt und den Menschen zu erbringen, von der Bestäubung bis zur Schädlingsbekämpfung.

Die erste globale Analyse dieser Art, die vom UK Centre for Ecology & Hydrology (UKCEH) durchgeführt wurde, ergab, dass invasive gebietsfremde Arten die Abundanz von Landinsekten im Durchschnitt um 31 % und den Artenreichtum um 26 % verringern. Invasive Tiere verdrängen oder fressen Insekten, während invasive Vegetation einheimische Pflanzen verdrängt, von denen sich Insekten ernähren.

Die Studie, für die Daten aus sechs Kontinenten ausgewertet wurden, zeigt, dass bestimmte Gruppen von Landinsekten, darunter Bienen, Wespen, Ameisen und Wanzen, von invasiven gebietsfremden Arten stärker beeinträchtigt werden als andere, wie z.B. Käfer. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse je nach der Dynamik des lokalen Umfelds unterschiedlich ausfallen - so können invasive Pflanzen bspw. Insekten an Orten fördern, an denen die einheimische Vegetation verloren gegangen ist.

Invasive gebietsfremde Arten werden vom IPBES bereits als eine der fünf großen direkten Triebkräfte für den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt anerkannt, neben Land- und Meeresnutzungsänderungen, direkter Ausbeutung, Klimawandel und Umweltverschmutzung. Diese bedrohen die Natur, die Wirtschaft, die Ernährungssicherheit und die menschliche Gesundheit.

Grace Skinner, eine Datenwissenschaftlerin am UKCEH, die die neue Studie leitete, sagte: „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir Insekten nicht nur als Eindringlinge, sondern auch als Opfer von Invasionen erkennen. Der Rückgang der Insekten ist weltweit besorgniserregend, und wenn sich dieser Trend fortsetzt, werden wichtige Ökosystemleistungen zunehmend gefährdet sein. Die Identifizierung der Insekten, die am stärksten durch biologische Invasionen gefährdet sind, wird dazu beitragen, dass bei der Bewirtschaftung von Lebensräumen bessere Prioritäten gesetzt werden und Maßnahmen zur Verhinderung und Bekämpfung invasiver gebietsfremder Arten getroffen werden. Dies ist besonders wichtig, wenn die Ressourcen begrenzt sind.“

Mitautorin Professor Helen Roy von der UKCEH und der Universität von Exeter sagte: „Der Kampf gegen invasive gebietsfremde Arten ist machbar, aber dringend notwendig. Die Verbesserung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Bereich der Biosicherheit ist von entscheidender Bedeutung, um die Einschleppung schädlicher invasiver gebietsfremder Arten zu verhindern. Jeder kann auch durch sein eigenes Handeln etwas bewirken, indem er z.B. die Richtlinien von Kampagnen wie ‚Be Plant Wise‘ befolgt.“

Es sei allgemein anerkannt, dass Insekten weltweit zu kämpfen haben, auch wenn das Ausmaß der Veränderungen je nach Art und Region unterschiedlich sei. Obwohl invasive gebietsfremde Arten eine große globale Bedrohung darstellen, wurden ihre Auswirkungen auf Insekten bisher weit weniger untersucht als andere Belastungen wie Verstädterung und Nährstoffanreicherung. Dies sei die erste Studie, in der die Auswirkungen von invasiven gebietsfremden Arten auf Insekten auf globaler Ebene analysiert und quantifiziert werden.

Die Wissenschaftler warnen, dass die Herausforderungen für Insekten weiter zunehmen werden. „Wir hoffen, dass unsere Analyse zu weiteren Forschungen darüber anregt, wie invasive gebietsfremde Arten mit anderen Bedrohungen für die biologische Vielfalt von Insekten interagieren - z.B., wie der Klimawandel die Populationen invasiver gebietsfremder Arten beeinflussen und ihre Auswirkungen verstärken könnte“, sagte der Mitautor der Studie, Dr. Joseph Millard von der University of Cambridge.

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